Zwei junge Treuener vor Gericht: Schiefe Bahn in Richtung Knast

Sie sollen einen Polizisten attackiert haben. Doch schon wegen gestohlener Kinderschokolade, Schwarzfahren und demolierter Möbel könnten sie im Knast landen.

Treuen/Auerbach.

Bereits der Prozessauftakt warf kein gutes Licht auf die Angeklagten (beide 19): Der eine tauchte nach einem Anruf verspätet auf - angeblich hatte er sich den Termin falsch notiert. Der andere rief kurz vorher mit unterdrückter Nummer bei Gericht an und behauptete, wegen des Sturmtiefs sei der Bus von Treuen nach Auerbach ausgefallen, fahren könne ihn auch niemand. Wenig später wurde er in Handschellen vorgeführt.

Der gravierendste Anklagepunkt gegen die jungen Treuener ist ein tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte: Vor einem Jahr hatten sie auf dem Bismarckplatz zunächst Polizeibeamte beleidigt und waren dann ausgerissen - das gaben sie zu. Unklar ist, was geschah, als sie nach kurzer Verfolgungsjagd gestellt wurden. Laut Staatsanwalt versuchte einer der Männer, mit einer vollen Wodka-Flasche nach einem Polizisten zu schlagen. Dessen Kollege habe dies gerade noch rechtzeitig verhindert. Allerdings konnte der angeblich Attackierte dies so nicht bestätigen. Er sah nur jemanden kommen und hörte dann die Flasche auf dem Boden klirren. Der zweite Polizist, der dem jungen Mann die Flasche aus der Hand schlug, konnte noch nicht vernommen werden. Beide Angeklagte bestreiten vehement, dass es einen versuchten Angriff gab.

Doch selbst wenn dieser Vorwurf vielleicht nicht zu halten ist, könnten die Angeklagten am Ende wegen Bagatellen hinter Gittern landen. Da geht es um gestohlene Kinderschokolade für 2,78 Euro, Schwarzfahrten mit Bus und Straßenbahn, das demolierte Mobiliar einer scheinbar verlassenen Gartenlaube. Die vermeintlichen Lappalien werden brisant, weil die beiden jungen Männer bereits unter Bewährung stehen: Erst im Juni war der eine zu neun Monaten, der andere zu einem Jahr verurteilt worden: Wegen Drogendelikten, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch. Die Bewährung für diese Haftstrafen könnte nun widerrufen werden und eine zusätzliche Strafe "obendrauf" kommen.

Vor allem der in Handschellen vorgeführte Angeklagte hat ohnehin gegen die Bewährungsauflagen verstoßen: Die auferlegten Arbeitsstunden leistete er nicht, beim Bewährungshelfer meldete er sich nicht. Seine Eltern haben den Kontakt zu ihm abgebrochen - er habe keinen festen Wohnsitz, wohne derzeit bei seiner Freundin, erklärte er. Inzwischen saß er bereits mehrfach in Jugendarrest in Regis-Breitingen, besonderen Eindruck scheint dies auf ihn nicht gemacht zu haben. Beide Angeklagten haben ein für ihr Alter relativ langes Vorstrafenregister, immer wieder spielen Drogen dabei eine Rolle.

Am 2. März wird der Prozess fortgesetzt, dann soll ein Urteil fallen.

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