Zwei Schilder und ihre Geschichte

Wer mit offenen Augen durch seine Heimat geht, findet manchmal Dinge, über die er schmunzeln kann. Wie im Ellefelder Rathaus. Heute sind die beiden Plaketten Zeugen der Zeitgeschichte.

Ellefeld.

Die Zeit der Emailschilder ist in Ellefeld nicht mit dem Schlossfest zu Ende gegangen. Während die aus dem Anlass ausgestellten Werbetafeln und das Gebrauchsgeschirr längst wieder verpackt sind, sind im Rathaus ein paar nicht alltägliche Tafeln zu sehen. Dort ist sozusagen die Zeit stehengeblieben: Auf einer Türe steht "Pißraum" auf einer anderen "Aborte".

Aus welcher Zeit sie stammen, ist nicht bekannt, sagt Bürgermeister Jörg Kerber. Es gibt lediglich die Vermutung, dass sie bei einer Generalüberholung in den 1930er Jahren angebracht worden sein könnten. "Bei der Sanierung der Toiletten im Jahr 2007 hat man sie herrichten und wieder anbringen lassen."


Aber fangen wir am Anfang an: Wie alt das heutige Rathaus ist, ist nicht bekannt. Es wird vermutet, dass sich im Gebäude eine Fleischerei befand, so der Bürgermeister. Danach zog nach einem Umbau am 1.Oktober 1867 eine Schule ein. Da in Ellefeld in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts stark gewachsen ist, war die 1840 gebaute "Alte Schule" zu klein geworden. Als der Platz in beiden Häusern zu knapp wurde, baute man die Zentralschule. Nach Einweihung des Neubaus vor 120 Jahren zog die Gemeindeverwaltung an die Hauptstraße. Dort befindet sie sich noch heute.

Die heute kaum noch gebräuchlichen Worte "Pißraum" und "Aborte" bezeichnen zwei verschiedene Orte, an denen man sich erleichtern kann. Das derbe pissen und das davon abgeleitete Pißraum kommt laut dem Digitalen Wörterbuch der Deutschen Sprache aus dem nord- und mitteldeutschen Sprachraum.

Wer vermutet, dass Abort aus dem Französischen entnommen ist, befindet sich aber auf dem Holzweg: Dabei handelt es sich um einen deutschen Begriff. So wird jedenfalls auf der Internetseite minathene.wordpress.com vermutet. "Abort ist eins der wenigen deutschen Worte in diesem Themenfeld und wurde nur zur Verschleierung französifiziert", heißt es dort. Das Wort kommt "wohl aus dem Niederdeutschen", erklärt duden.de. Ursprünglich hatte es seit dem 16. Jahrhundert die Bedeutung von "abgelegenem Ort". Seit dem 19. Jahrhundert wurde es immer mehr zum "Ort zur Verrichtung der Notdurft".

Doch ganz gleich, welcher Sprache man das Wort "Abort" zuordnen kann - verbunden wurde es früher eher mit dem Plumpsklo, also einer Toilette ohne Wasserspülung. Und so, wie dieses Trockenklos immer mehr verschwinden, wird auch der Begriff "Abort" immer seltener verwendet.

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