Zwischen Werkstatt und Laden

Mein Traumberuf Dass es um mehr geht als um Brillengläser und -fassungen, weiß Sophie Hofmann zu schätzen. In einer Serie stellt "Freie Presse" junge Leute vor, die im Vogtland einen bodenständigen Beruf erlernen. Heute: Augenoptikerin.

Auerbach.

Für Augenoptikermeister Martin Gehrke (46) ist Sophie Hofmann (21) ein Glücksgriff. Anderthalb Jahre stand er allein im Laden am Auerbacher Altmarkt, weil er keinen Gesellen fand. Nach der Anfrage von Sophie Hofmann entschied er sich - entgegen früherer Skepsis -, das Ausbildungsverhältnis einzugehen. "Doch es hat von Anfang an gepasst", sagen Meister und Auszubildende.

"Mir liegt das Handwerkliche in dem Beruf, aber auch die Arbeit mit den Kunden. Die Beratung im Laden macht mir viel Freude", sagt die 21-Jährige, die im zweiten Ausbildungsjahr Augenoptikerin lernt. Das Handwerkliche: Brillengläser bearbeiten und in Fassungen einsetzen, Fassungen reparieren und richten - alles im engen Kontakt mit den Kunden. Besonders gern berät Sophie Hofmann bei der Auswahl der richtigen Fassung - wohl wissend, dass das bei manchen Kunden zur Prozedur werden kann. "Wir möchten stil- und typgerecht beraten, müssen aber die Aspekte der Augenoptik berücksichtigen", weiß Sophie Hofmann um ihre Verantwortung für das gute Sehen. Denn nicht jede Glasstärke ist für jede Fassung geeignet. Dabei hilft ihr das breite Wissen, das in der Berufsschule vermittelt wird und das ihr Meister oder Gesellin mitgeben. Mary Mothes-Kaiser (30) stieg kurz nach Sophie bei Vogtland Optik ein und kennt die Arbeit im kleinen Handwerksbetrieb und in großen Optiker-Ketten. Beides habe Vor- und Nachteile. "In einem kleinen Team darf man schnell überall reinschnuppern", freut sich Sophie Hofmann, dass sie schon im zweiten Lehrjahr Verantwortung übertragen bekommt - etwa bei der Pflege der Brillenfassungen. "Aber das liegt auch an Sophie. Sie weiß, was sie will und hat keine Scheu im Umgang mit Kunden." Das sei in seinem Beruf nicht zu unterschätzen, so Gehrke. "Wir sind Feinmechaniker, manche sagen auch: Wir sind zu 80 Prozent Psychologen", sagt der Augenoptikermeister mit einem Augenzwinkern. www.freiepresse.de/traumberuf


Fakten zum Beruf

Die duale Ausbildung dauert drei Jahre und wird im Handwerksbetrieb und in der Berufsschule in Chemnitz absolviert. Dazu kommen überbetriebliche Ausbildungseinheiten in Dresden.

Die Ausbildungsvergütung beginnt bei 410 Euro im ersten Ausbildungsjahr und endet bei 800 Euro im dritten Ausbildungsjahr - je nach Region.

Was muss man unbedingt können? Handwerkliches Geschick, gute Kenntnisse in naturwissenschaftlichen Fächern, Freude am Umgang mit Menschen sowie ein sicheres Auftreten hält Augenoptikermeister Gehrke für unverzichtbar.

Das Beste am Beruf ist für Sophie Hofmann die Vielseitigkeit: Werkstattarbeit, Kundenkontakt - "es wird nie langweilig", sagt sie. Und bei Brillen ist man immer auf dem neuesten Stand: "Wenn meine Mitarbeiterinnen eine neue Fassung möchten - jederzeit", ist der Meister großzügig. (how)

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