120 Camper stehen auf Frost

Temperaturen satt unter Null und Schnee - wer denkt da schon an Zelten? Beim 34. Wintercamp in Kottenheide trotzten Teilnehmer dem Wetter - und hatten auch noch Spaß dabei.

Kottenheide.

"Guten Morgen, liebe Nachbarn. Habt ihr gut geschlafen?" Welch eine Frage! Natürlich war es nachts kuschelig im Zelt dank eines warmen Schlafsacks, langer Unterhosen, Socken, Pudelmütze und eines kräftigen Betthuperl-Trunks. Carsten Dressel aus Plauen und Gerd Wahlich aus Schöneck sind Wintercamp-Profis. Knackiger Frost und reichlich Schnee, das stört sie nicht: "Matsch wäre schlimmer. Den hatten wir auch schon. Dann macht's keinen Spaß." Zehn Mal mindestens waren sie schon in Kottenheide dabei. In diesem Jahr mit einer Neuerung. Ein Stapel Holz für warmes Wasser liegt bereit, auch eine Zinkbadewanne. "Heute Abend wollen wir reinsteigen", versichert Gerd Wahlich, während sein Zeltkamerad duftenden und dampfenden Kaffee ausschenkt und am Feuer die Stiefel vom Vortag trocknen lässt.

Bei Friedemann Knoll und Gerd Kräher qualmt es auch schon. Auf dem Grill liegen Semmeln in Alufolie, dick belegt mit Wurst und Käse. "Die haben wir schon gestern Abend geschmiert. Jetzt am Morgen würde es nicht gehen - die Butter ist gefroren", sagt Knoll und legt noch etwas Holzkohle nach. Frühstück im Schnee - darauf stehen auch Christian Kater aus Plauen und Günter Koppelkamm aus Neuensalz. Michael Schneider hat eine rote Nase. Daran hängt ein Tropfen. Der Bärtige aus Werda kriecht aus dem Zelt und schenkt sich erst einmal einen Becher Tee ein. "Oh, das tut gut!" Auch er ist ein Wintercamp-Stammgast. Wie oft er schon in Kottenheide war, kann er nicht sagen. "In diesem Jahr ist es genau richtig. Es passt."

Hans-Jürgen Schneider ist auf der Suche nach einem Unglücksraben. Ein Camper hat total verschwitzt, bei seinem blauen Ford ein Seitenfenster zu schließen. Schnee nachts draußen, Schnee morgens drinnen. Dumm gelaufen, aber es gibt Schlimmeres. "Das gehört zwar nicht zum Wintercamp dazu, aber es passiert eben", sagt Schneider. Er ist Mitglied der Sektion Plauen-Vogtland im Deutschen Alpenverein und hat wie immer das Camp organisiert. "Wir sind die Einzigen in Deutschland, die so was schon seit 1983 auf die Beine stellen. Jedenfalls ist mir nichts anderes bekannt." Diesmal sind 120 wetterharte "Verrückte" aus ganz Deutschland gekommen, die "Warmduscher" nicht in ihrem Wortschatz haben.

Was macht man in einem Wintercamp? Zelten natürlich. Wandern auch, am Samstag ging es zur Vogtland-Arena und zurück über Zwota, 18 Kilometer. Und natürlich abends am Lagerfeuer sitzen in gemütlicher Runde und zur Gitarre oder Flöte greifen und Lieder singen. "Früher gehörte auch immer ein Dia-Vortrag zum Programm. Wer irgendwo im Ausland war, hat ihn gezeigt", erzählt Hans-Jürgen Schneider. "Das gibt es aber nicht mehr. Erstens sind die meisten Leute nach der Wende selbst in der Welt gewesen. Und zweitens macht doch heute kaum noch einer Dias." Dafür werden zuhause Fotos gezeigt - vom Wintercamp in Kottenheide.

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