170 neue Wohnungen im Vogtland: Für Verband ist das viel zu wenig

Von wegen Wohnraumoffensive: Im Vogtland ist 2017 sogar weniger gebaut worden als im Vorjahr. Warum finanzielle Anreize allein nichts nützen.

Oelsnitz/Klingenthal.

170 neue Wohnungen sind im Jahr 2017 im Vogtlandkreis entstanden, davon 131 in Ein- und Zweifamilienhäusern. Dahinter steht eine Investitionssumme von 81,6 Millionen Euro, die alle Häuslebauer gemeinsam aufgebracht haben. "Klingt viel, tatsächlich müsste es aber mehr sein, wenn die Wohnraum-Offensive der Bundesregierung klappen soll", sagt Mirko Hawighorst vom Verbändebündnis Wohnen. Im Vergleich zum Jahr 2016 bedeutet das im Vogtland einen Rückgang um 44 Prozent.

Jenem Verbändebündnis Wohnen gehören Vertreter der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) und der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) an. Auch wenn sie beispielsweise in Tariffragen Widersacher sind, so machen die Akteure im Verbändebündnis Wohnen gemeinsam Druck, um bessere Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau zu erreichen. Denn bundesweit seien 2017 nur 285.000 Wohnungen neu gebaut worden, 375.000 jährlich müssten es aber sein, um die von der Großen Koalition versprochenen 1,5 Millionen Wohnungen bis 2021 zu erreichen. "Danach sieht es bislang aber weder in Sachsen noch bundesweit aus", meint Hawighorst.

Wohneigentum müsse effektiv gefördert werden. Die eigenen vier Wände seien wichtige Altersvorsorge, Wohnungsmangel und steigende Mieten zudem sozialer Sprengstoff. Besonders beim Bau von Sozialwohnungen drohe ein Desaster, wenn der Bund nicht rasch investiert. An die Bundestagsabgeordneten appelliert das Bündnis, sie sollten "sich für ein deutlich dickeres Baupaket im nächsten Bundeshaushalt einsetzen".

Die vogtländische Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas (CDU) gehörte in der vorigen Legislaturperiode dem Bauausschuss des Bundestages an. Die Kritik des Verbändebündnisses Wohnen könne sie angesichts der bereits getroffenen Entscheidungen nicht nachvollziehen. Sie verweist auf die Einführung des Baukindergeldes, rückwirkend zum 1. Januar 2018. Zehn Jahre lang 1200 Euro jährlich pro Kind: "Damit unterstützen wir maßgeblich die Eigentumsbildung von Familien." Das Programm wirke gerade im ländlichen Raum. Auch steuerliche Anreize für den frei finanzierten Bau von Mietwohnungen sollen ab September greifen.

Der soziale Wohnungsbau sei gegenwärtig noch Aufgabe der Länder. Der Bund engagiere sich bereits und werde dies ausweiten. Zudem gehe es auf dem vogtländischen Wohnungsmarkt deutlich entspannter zu, argumentiert Magwas. Sie werbe bei Menschen aus Großstädten, die über fehlende Wohnungen klagen: "Kommt ins Vogtland. Hier gibt es Wohnungen, hier ist es schön."

Doch sie räumt auch Probleme ein. "Bauen muss schneller, unbürokratischer und billiger werden." Die Knappheit von Bauland, in Plauen und Reichenbach beispielsweise, nennt sie ein Nadelöhr. "Ohne Bauflächen nützen auch finanzielle Anreize nichts", erklärt die Politikerin und verweist auf eine so genannte Baulandkommission, die jetzt gebildet werde. Auch Lösungen für Dorfkerne und Innenstädte seien nötig. Dabei gehe es auch um die Frage, "wie viel weitere Versiegelung und Zersiedelung wir wollen".

Es gibt Unterschiede, für die Yvonne Magwas keine Erklärung hat. So sind nach Angaben des Verbändebündnisses im Kreis Zwickau 2017 unterm Strich 574 Wohnungen entstanden, 163 Millionen Euro wurden investiert. Der Kreis Zwickau hat zwar 40 Prozent mehr Einwohner als der Vogtlandkreis, die Investitionen erreichen dort jedoch den doppelten, die Zahl neuer Wohnungen sogar den dreifachen Wert.

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