Adieu, altes Buschhaus

Bevor die Abrissbagger anrücken, wurde für das legendäre erste Haus am Platze noch ein Fest gefeiert. Die Klingenthaler nahmen es begeistert an.

Horst Deglau hat das Buschhaus einst geleitet. Jetzt war er Organisator der Abrissparty.
Überraschungsfund: Anita Winkler und Albrecht Groß sind die neuen Besitzer der Rothmühle in Zwota. Beim Entrümpeln fanden sie 800 Gläser mit einem Motiv des alten Buschhauses.
Wie in alten Zeiten: Die Feuerzangenbowle des Buschhauses war legendär. Am Samstag schenkten sie Steffen Linke und Uschi Götz (rechts) aus.

Von Christian Schubert

Massenandrang auf einem Nebengelände linker Hand des alten Buschhauses an der Hauptstraße in Mühlleithen: Das Interesse an der Abriss- und Abschiedsparty der alten Ruine war am Samstag dermaßen groß, dass die wenigen Parkmöglichkeiten an der Hauptstraße kaum ausreichten.

Das war sicherlich vielen Besuchern vorher klar, somit kamen sie mit ihren Fahrrädern oder Wanderstöcken in Scharen auf das Veranstaltungsgelände gepilgert. Dass das Interesse an der vom Klingenthaler Horst Deglau auf die Beine gestellten Abrissparty groß war, konnte man erahnen. Zu viele schöne Erinnerungen stecken in dem Gebäude. Es sind Geschichten jener, die in den 1970er Jahren bis zur Wende ihre Hochzeiten, Jugendweihen oder Familienfeten feierten, ihre erste große Lieben kennenlernten oder die beliebten Weihnachtsveranstaltungen miterlebten.

Party-Initiator Horst Deglau, der ab 1972 bis 1989 die Objektleitung des Hauses innehatte und schon damals dafür sorgte, dass im Buschhaus auf dem Busch geklopft wurde, kam sich vor wie in alten Zeiten. Begeisterte Sätze wie "Das ist ja fast wie früher, Horst", hatte er am Samstag zuhauf gehört. Viele Hände musste er schütteln. Denn die Begeisterung der Anwesenden war groß. Gekommen waren nicht nur Klingenthaler und Leute aus der Region. Wie Deglau sagte, hatten auch viele ehemalige Gäste den Weg ins Vogtland gefunden, die sich die Party nicht entgehen lassen wollten. Viele brachten alte Fotos mit, um in Erinnerungen zu schwelgen. Dass in dem alten Anwesen ein Kultfaktor steckt, zeigen auch alte Lieder, die einst über das Gebäude geschrieben wurden. Diese wurden ebenfalls ausgepackt und angestimmt: "Es Buschhaus" oder die Buschhaus Polka mit dem Titel "Hutz'n-Oamd im Buschhaus". Letztere trug Isolde Ebert, ehemalige Leiterin der Heimatgruppe Zwota, noch einmal vor. Sie sagt: "Es war damals eine schöne Zeit im Buschhaus. Besonders an die Hutz'n-Abende mit Liedern, Witzen und Geschichten zur Weihnachtszeit erinnere ich mich sehr gerne zurück. Ich bin damals mit der Heimatgruppe sehr gern hier gewesen und habe Programme aufgeführt." Sie erinnert sich auch an die legendäre Feuerzangenbowle. "Die gab es nur im Buschhaus zu Veranstaltungen, sonst nirgendwo in der Region um Mühlleithen", so Isolde Ebert.

Auch am Samstag wurde um der alten Zeiten willen kräftig Feuerzangenbowle ausgeschenkt. Auch besondere Gläser, in denen nicht nur Feuerzangenbowle floss, tauchten im Vorfeld der Party plötzlich auf. Es sind Gläser, die ein Motiv des Buschhauses zeigen. Viele Jahre waren sie verschollen. Aufgetaucht sind sie wieder durch die neuen Besitzer der Rothmühle, eines ehemaligen Sägewerkes in Zwota. Albrecht Groß und Anita Winkler aus der unterfränkischen Gemeinde Nüdlingen haben die Rothmühle letztes Jahr gekauft und wollen sie sanieren. Beim Entrümpeln haben sie 800 Buschhausgläser gefunden. Diese haben sie auf einer Internetplattform zum Verkauf angeboten. Gekauft hat sie die Klingenthalerin Yvonne Deglau, sie hat die Gläser zufällig im Internet gefunden und sie am Samstag unter die Leute gebracht. "Wir haben durch den Kauf erfahren, dass Horst Deglau einst das Buschhaus geleitet hat. Es ist schön, dass wir dadurch zufällig eine Verbindung zu dem Gebäude herstellen und auch neue Leute aus der Region kennenlernen konnten", freut sich Albrecht Groß.

Es war die letzte Party, die Horst Deglau in Zusammenhang mit dem Buschhaus auf die Beine gestellt hat. Noch in diesem Monat soll es abgerissen werden. Horst Deglau sieht das nüchtern. "Alles hat seine Zeit. Für mich geht der Abriss in Ordnung. Im Jahr 1989 gab es hier die letzte große Veranstaltung. Danach ist das Gebäude nur noch verfallen. Ich freue mich aber, dass nochmals so viele Leute zur Abrissparty gekommen sind. Es waren mehr, als ich erwartet habe", so der 70-Jährige.

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