Adorf: Aktion für Orgel startet

Das 150 Jahre alte Instrument von Carl Eduard Schubert in der Johanniskirche ist dringend überholungsbedürftig. Ein erstes Konzert gibt Mut für ein neues Rettungsprojekt.

Adorf.

Sie liegt im Schatten und wird leicht übersehen: Die Adorfer Johanniskirche neben dem Friedhof - und doch weist der 160 Jahre alte Bau ein Kleinod auf, das sie sehr gut in den Schatz der Stadt und die Bedeutung Adorfs für den Orgelbau einordnet. Doch die 1867/68 erbaute Orgel des seinerzeit berühmten Meisters Carl Eduard Schubert ist ein Sorgenkind. "Die Orgel ist noch spielbar - wenn man es kann, so wie unsere langjährige Kantorin Hannelore Martin. Aber die Orgel ist dringend sanierungsbedürftig", betont Christine Süßdorf, Vorsitzende des Vereins Klassische Musik Adorf. Sie hat zur Generalüberholung des gut 150 Jahre alten Instruments eine Spendenaktion ins Leben gerufen.

Der Verein hat damit gute Erfahrungen - Stichworte sind der Erhalt des Blüthner-Flügels der Kirchgemeinde oder die Finanzierung des dringend nötigen Chorpodests für die Adorfer Michaeliskirche. Im ersten Schritt geht es darum, mit einer Untersuchung der Schubert-Orgel durch einen Sachverständigen zu ermitteln, was alles zu tun ist. Neben der Sammlung von Geld ist die Kirchgemeinde gefragt. Dass sich Pfarrer Marcel Lepetit für das Projekt einsetzt und der Kirchvorstand sich dahinter stellt, freut Christine Süßdorf ungemein - genauso wie der Zuspruch zum ersten Benefizkonzert für den Erhalt der Orgel am Vorabend des Totensonntags. Zu "Musik zum Gedenken" mit Bach-Werken mit Annemieke Lepetit van der Ploeg, Hannelore Martin und Albrecht Lepetit kamen bis zu 100 Zuhörer. "Das gibt Mut für weitere Aktionen", sagt Christine Süßdorf. Die Konzerte in diesem Jahr sollen deshalb dem Erhalt der Schubert-Orgel gewidmet sein - geplant sind sie unter anderem am Karfreitag, am Sonntag Kantate im Mai, zum Totensonntag und mit dem Adorfer Weihnachtsliedersingen am dritten Advent.

Seinen Wert bezieht die Orgel auch aus ihrem Erbauer. Carl Eduard Schubert, geboren 1830 in Halsbrücke bei Freiberg, gestorben 1900 in Reichenbach, schuf ein überschaubares Werk bis heute hochgeschätzter Instrumente. Im sächsischen Vogtland baute er außer für St. Johannis Orgeln für Erlbach, Werda, Großzöbern, Jößnitz und Bösenbrunn - letztere ist das Schwesterwerk der Adorfer Orgel, gilt aber als nicht mehr spiel- und rettbar. Soweit wollen es Christine Süßdorf und ihre Mitstreiter nicht kommen lassen. Denn zusätzlich zur Meisterschaft ihres Erbauers hat die Adorfer Orgel den Vorzug, dass sie bis auf den Ausbau der Prospektpfeifen im Ersten Weltkrieg und einen später eingebauten Elektroventilator unverändert ist. "Ihre von Beginn an gelobten sehr guten klanglichen Eigenschaften blieben erhalten", betont Musikwissenschaftler Albin Buchholz in seinem Standardwerk über Orgeln im sächsischen Vogtland.

Die Adorfer Orgel ist eine Stiftung der Johanna Christiana Heckel - dass es Bürgersinn braucht, um 150 Jahre später in der Orgelbauerstadt Adorf - Heimat der berühmten Dynastie Trampeli - sie zu erhalten, dazu will der Verein Klassische Musik mit seiner Aktion aufrufen.

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