Adorf will Reinhold-Becker-Haus abreißen

Der Bau von 1768 - Geburtsstätte des Komponisten und Orgelbauer-Heimstatt - ist nach Einsturz einer tragenden Wand nicht mehr zu retten.

Das Geburtshaus des Komponisten Reinhold Becker (1842 bis 1924) amunteren Markt in Adorf soll abgerissen werden.

Von Ronny Hager

Adorf droht ein schwerer Verlust: Die Verwaltung will eines der historisch bedeutendsten Bauwerke im Stadtkern, das Geburtshaus des Komponisten und Chorleiters Reinhold Becker (1842 bis 1924) am unteren Markt, abreißen lassen. Nachdem alle Nutzungsideen für den 250 Jahre alten Bau nicht fruchteten, ist nun eine tragende Wand im Keller eingestürzt. Am Dienstag beschäftigt sich der Technische Ausschuss in öffentlicher Sitzung ab 19.30 Uhr im Rathaus mit dem Abriss, den der Stadtrat am 3. September beschließen soll - dafür muss der Denkmalschutz mitspielen.

"Wir sind uns schon des historischen Wertes bewusst", betont Bürgermeister Rico Schmidt (SPD), dass sich die Stadt die Abrissbagger-Entscheidung nicht leicht gemacht hat. Doch in 28 Jahren seit der politischen Wende ist der Stein der Weisen für das alte Haus nicht gefunden worden: Verkauf, Kulturzentrum, Musikschule - Ideen gab es genug, Initiativen von Rat, Verwaltung, Vereinen und Privaten auch. Zu einem Nutzungskonzept kam es nie, die Stadt sichert und erhält seit Jahren den leerstehenden Bau. "Wir müssen Prioritäten setzen. Wir sanieren die Turnvater-Jahn-Halle und das Haus Graben 2. Und für beide denkmalgeschützte Gebäude gibt es ein Nutzungskonzept", erklärt Schmidt.

Voriges Jahr war im Gespräch, das Haus zum Tag des offenen Denkmals am 9. September kontrolliert zu öffnen, einen Blick hinein zu ermöglichen. Kurz vorher machte die Stadt einen Rückzieher: zu gefährlich. Auch, als voriges Jahr Denkmalschützer im Haus waren, stand die Kellerwand noch. Die Verantwortlichen der Stadt staunten nicht schlecht, als es dieses Jahr plötzlich anders war. "Die Wand war einfach nicht mehr da", so der Bürgermeister, der deshalb eine Entscheidung traf: "Ich schicke da niemand mehr rein." Warum die Wand umfiel, dazu kann nur spekuliert werden: Alter des Hauses, Frosthebungen, die Erdbeben. "Die Baufirma, welche bislang die Notsicherungsarbeiten ausführte, lehnt weitere Arbeiten im Objekt aus Sicherheitsgründen ab", heißt es von der Stadt. Aus Stadt-Sicht bleibt da nur der Abriss.

Konditormeister Johannes Wolff, der sich wie andere um das Haus bemüht, ist kein Befürworter des Abrisses, findet es schade - und kann doch die Argumente der Stadt verstehen. "Sonst bleibt es ewig stehen, bis es einfällt. Wer soll es denn wieder aufbauen? Für was? Unbezahlbar", sagt der Adorfer, der sich als akribischer Forscher zum Orgelbau vor allem der Adorfer Familie Trampeli einen Namen gemacht hat. Das Becker-Haus ist auch das Trampeli-Haus: Hier saßen die berühmten Orgelkünstler, und im Vorgängerbau an dieser Stelle ihre früheren Berufskollegen wie Gruber oder Kerll.

Es gibt die Idee, das Haus nicht total abzutragen. "Auf jeden Fall wollen wir die Toreinfahrt stehen lassen", sagt Wolff. Mit einem Teil der Grundmauern und einem noch anzufertigenden Modell des historischen Gebäudes - im Original vor der späteren Verbauung - lasse sich gut erinnern, findet Wolff. Damit nicht alles, was hier an Geschichte geschah, in Schutt und Asche sinkt.

3Kommentare
👍0👎0 Interessierte 10.08.2018 Aber beim Sanieren verdient man auch Geld , vielleicht noch mehr , weil es aufwendiger und teurer wird ...
👍1👎0 aussaugerges 09.08.2018 Hier ist für das Esteblishment nichts zu verdienen.(Arschitekten,Planer.)
👍1👎1 Interessierte 09.08.2018 Ein sehr schönes Haus , man hätte das wie das HeckertHaus als Kulturkneipe nutzen können , ein schöner Biergarten ist ja dort wohl auch ....

"Doch in 28 Jahren seit der politischen Wende ist der Stein der Weisen für das alte Haus nicht gefunden worden..
( was war denn da zu DDR-Zeiten drin ???
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