Als der Stadtchef noch im Trüben fischte

Die Weiße Elster ist die Flusslandschaft des Jahres 2020/2021. Elsterbergs Bürgermeister Sandro Bauroth ist nahe dem Gewässer aufgewachsen - und verbindet mit ihm eine besondere Leidenschaft.

Mit der Weißen Elster ist Elsterbergs Bürgermeister Sandro Bauroth von Kindesbeinen an verbunden. An der Ecke Bahnhof-/Moschwitzer Straße groß geworden, eroberten er und seine Freunde vor allem den Tremnitzbach und die nahe Elster bis zum Noßwitzer Wehr als Revier zum Stromern und Entdecken. Oft war er dort auch mit dem Großvater unterwegs: "Damals war die Elster unsauber und hat immer gemüffelt. Fische gab es nur bei den Bacheinläufen oder am ehemaligen Wehr", erinnert er sich.

Die wenigen Regenbogenforellen konnte man nicht essen. Sie haben in der Pfanne gestunken Aber da waren noch die Bisamratten, mit deren Fell man sein Taschengeld aufbessern konnte. "Uns hat alles interessiert, was kreucht und fleucht und wir mussten alles inspizieren", so der Elsterberger. Ausschlaggebend für sein Interesse am Angeln war eine Einladung in die Arbeitsstelle seines Vaters. Bei Feutron war damals mit Karl-Heinz Sattelmeyer ein Mitglied der DDR-Nationalmannschaft im Angelsport zu Gast. "Das hat gezündet. Ich habe meine Eltern genervt und wurde mit elf Jahren Mitglied im Angelverein", erzählt Bauroth.

Der Verein hatte eine eigene Jugendgruppe. Bei den Treffen wurde dem Nachwuchs das Angeln von der Pike auf beigebracht. "Das weite Werfen, das ich heute noch beherrsche, stammt aus jener Zeit", so Bauroth. Mit 15 hatte er alle möglichen Prüfungen abgelegt und er bekam bereits die Salmonidenmarke, die eher eine Auszeichnung war. Nur die Möglichkeiten zum Angeln im Fluss hielten sich in Grenzen. Das änderte sich erst nach der Wende. Die Weiße Elster wurde sauberer, der Forellenbestand nahm zu. Damals war das Nahrungsangebot noch groß, da Biomasse, sprich Abwässer, in den Fluss gelangten. Inzwischen liegt die Gewässergüte bei II mit Tendenz zur I. Das verringert das Nahrungsangebot für Fische. Die Maifliege hat die früher ungezählten Wasserflöhe und anderen Kleinlebewesen abgelöst.

Der Leitfisch im Elsterberger Bereich der Weißen Elster ist die Bachforelle. Bemühungen des Vereins, Äschen in der Elster anzusiedeln, scheiterten am Nahrungsbedürfnis der Kormorane. Die eingesetzten Äschen sind verschwunden. Bach- und Regenbogenforellen, Saiblinge, Mühlkoppen und Bachschmerlen bevölkern den Fluss. Eisvogel und Wasseramsel sind gut zu beobachten und an Sommerabenden auch manchmal ein Glühwürmchenmeer.

Bauroth gehört dem Sportfischerverein Elsterberg an. Die Fliegenfischer kann man öfter in der Elster beobachten. Sie sind jedoch auch sehr reisefreudig und fahren an die bekanntesten Angelgewässer der Welt. Der Elsterberger hat seinen Lieblingsplatz hier: "Im Steinicht zwischen Rentzsch- und Franzmühle ist ein Abschnitt, an dem ich komplett abschalten kann. Da brauche ich nicht ins Ausland", verrät er. Und: "Da ich durch Corona nur wenige Außentermine hatte, konnte ich wieder mehr an die Elster gehen und hatte auch Zeit für Arbeitseinsätze."

Fliegenfischen ist etwas aufwendiger als Angeln. Der Umgang mit dem Material inklusive der aufwendig gebundenen Fliegen ist eine Wissenschaft für sich, die Kleidung anders. Es ist ein imposantes Bild, den Bürgermeister in voller Montur mitten in der Weißen Elster stehen zu sehen. Während oberhalb die Autos über die B 92 donnern, erkennt sein geübtes Anglerauge Fische auf große Entfernung.

Ohne den Fluss wäre die Stadt Elsterberg eine andere. In den 1930er Jahren wurde sein Lauf verlegt, was bei Hochwasser nicht unbedingt ein Segen ist. 2013 kam Elsterberg glimpflich davon. Bauroth war damals in Greiz bei der Polizei und hat dort Schlimmeres erlebt. Bürgermeister Bauroth hat andere Ambitionen, was den Fluss betrifft, als der Angler. Da wäre zum einen die Hochwassergefahr. Zum Beispiel gibt es noch keine Wasserwehr, die örtliche Feuerwehr kann die zusätzliche Aufgabe nicht stemmen. Ein weiterer Punkt sind die Bauwerke über den Fluss. Aktuell steht die Sanierung der Noßwitzer Brücke an.


Begriffe aus der Angelwelt

Fliegenfischen: Das Fliegenfischen ist eine spezielle Angelart, die eine spezielle Wurftechnik und eine besondere Ausrüstung verlangt. Die Köder sind "Fliegen", die aus Materialien wie Fell und Federn oder auch Kunststoffteilen gefertigt werden.

Leitfisch: Leitfische sind die Fische, die in einem Gewässer oder einer Fließgewässerregion bevorzugt vorkommen. Ausschlaggebend dafür sind die Gewässerbeschaffenheit und die Temperatur.

Salmoniden: Salmoniden sind Lachsfische oder Forellenfische, zum Beispiel Lachse, Forellen, Äschen.

Fischereipacht: In der Region sind die meisten Fließgewässer an den Anglerverband Südsachsen/Mulde und einige wenige an die Interessengemeinschaft Fließgewässer (IGFS) verpachtet. Der Elsterberger Verein gehört dem Anglerverband an. Das Angeln in der Elster ist nur mit widerhakenlosen Ködern erlaubt. (pstp)

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