Als der Teufel als Ente auf den Kottenheider Teichen schwamm

Sagen und Spukgeschichten sind ein wesentlicher Teil der Volkskultur im Vogtland und Erzgebirge. Der Schriftsteller Wolfgang Möhrig-Marothi sorgt dafür, dass sie nicht in Vergessenheit geraten.

Kottenheide.

Wenn im Herbst und Winter Kottenheide von Nebelschwaden überzogen wird, kann man verstehen, dass die Siedlung einst gern mit mystischen Geschichten und Sagen in Verbindung gebracht wurde. So will der Pfarrer Wolfgang Büttner erfahren haben, dass einst der Teufel als Ente auf den Kottenheider Teichen schwamm oder in Gestalt eines Mönches Leute auf ihrem Weg durch das Gebirge in die Irre führte.

Büttner war um 1522 in Oelsnitz geboren, er starb 1595 im Mansfeld. Die Geschichten um Kottenheide hörte er als Kind, er hat sie später aufgeschrieben. Durch seine Schulbesuche in Eger und Magdeburg dürfte Büttner für die damalige Zeit ein gebildeter Mann gewesen sein.


Kottenheide ist gut zehn Jahre das Zuhause von Wolfgang Möhrig-Marothi, der eigentlich aus Johanngeorgenstadt stammt. Der Schriftsteller lebt mit Ehefrau Emese und Sohn Wolfgang-Alexander in einem ehemaligen Forsthaus, das im Jahr 1832 gebaut wurde und sprichwörtlich Geschichte atmet. Das MDR-Fernsehen hatte die Familie im vergangenen Jahr für die Sendung "Sagenhaft - Das Erzgebirge" besucht.

Sagen und Spukgeschichten sind ein wesentlicher Teil der Volkskultur im Vogtland und Erzgebirge. Weitergegeben wurden sie meist mündlich von Generation zu Generation. Wolfgang Möhrig-Marothi bemüht sich seit Jahren darum, dass sie gesammelt, aufgeschrieben und veröffentlicht werden. Dafür zieht er, wie einst die Gebrüder Grimm, von Tür zu Tür, befragte die Menschen der Region nach ihren Erlebnissen und nach Überlieferungen. "Es ist immer wieder interessant, welche Geschichten bis heute unter den Leuten lebendig sind", sagt er.

Seine Frau Emese, die aus Siebenbürgen stammt und studierte Volkskundlerin ist, teilt die Leidenschaft ihres Mannes. Mehr als 2000 Sagen haben beide inzwischen zusammengetragen. Erschienen sind zu diesem Thema von Wolfgang Möhrig-Marothi bereits mehr als 30 Titel, ein Teil davon im Eigenverlag. Auch die Reprint-Ausgabe von Johann A. Köhlers Buch "Volksbrauch, Aberglauben, Sagen im Voigtlande" aus dem Jahr 1867 durch den thüringer Rockstuhl-Verlag geht auf seine Initiative zurück. Das 664 Seiten umfassende Werk gilt als der Klassiker unter der Sagen-Literatur.

In den nächsten Tagen wird von Wolfgang Möhrig-Marothi ein weiteres Buch im Eigenverlag erscheinen: "Miriquidis Raunen - sächsische und böhmische Sagen aus dem westlichen Hocherzgebirge". Das Buch nimmt den Leser mit auf eine Reise, die von Kottenheide bis nach Platten/Horni Blatna führt.

Miriquidi war der Name, den der frühmittelalterliche Historiograph Thietmar von Merseburg um 1012 dem Erzgebirge und dessen Umgebung gegeben hatte. Er steht für einen dunklen, fast undurchdringlichen Wald. Den Korrekturabzug des Buches aus der Markneukirchner Druckerei Tiedemann schaut der Autor mit seiner Frau derzeit durch.

Kontakt: Wolfgang Möhrig-Marothi, Hämmerling 13, 08261 Kottenheide.

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