Als ein vogtländisches Dorf in der Welt bekannt wurde

Am zweiten Januar- Wochenende 1991 - genau vor 30 Jahren - war in Mühlleithen wieder die internationale Langlaufelite beim Damenskirennen zu Gast. Dass es die letzte Veranstaltung sein würde, ahnte damals niemand.

Mühlleithen.

Mit einem norwegischen Doppelsieg sorgte im Januar 1991 die kleine Vogtlandgemeinde Mühlleithen für internationale Schlagzeilen. Die damals 30-jährige Inger Helen Nybråten gewann erst das 15-Kilometer-Rennen im klassischen Stil und stand tags darauf auch in der Siegerstaffel.

Dass es der Schlusspunkt einer legendären Sportveranstaltung sein würde, ahnte damals noch niemand. 1993 stand das Internationale Damenskirennen noch einmal im Programm - aber da fehlte der Schnee. Schon 1991 hatte man auf die Laufstrecken am 943 Meter hohen Kiel ausweichen müssen.

1959 im erzgebirgischen Nassau aus der Taufe gehoben, kam das Rennen über Oberhof (1964) ins Vogtland. Geblieben sind viele Erinnerungen. Es war einst Stadtgespräch, wenn im Salon vom sportbegeisterten Gerhard Fickenscher die erfolgreichen Läuferinnen für die Siegerehrung frisiert wurden. Die fanden in den Anfangsjahren im Saal vom Sporthotel Waldgut statt. Die Urkunden waren stets kleine Kunstwerke, gestaltet meist vom Klingenthaler Maler Fritz Hendel.

Die Premierensiegerin 1959 in Nassau war Sonnhilde Kallus (1935-2007), die damals für Klingenthal startete. Sie gewann in jenem Jahr auch das Damenskirennen in Grindelwald (Schweiz) und war zudem Vierte am legendären Holmenkollen. Den Zinnbecher, den es dafür als Preis gab, hielt sie stets in Ehren.

Die erste Klingenthalerin, die in Mühlleithen ganz oben auf dem Treppchen stand, war 1976 Christel Meinel (später Buse) mit der DDR-Staffel. Zwei Jahre wurde sie in Lahti (Finnland) Vize-Weltmeisterin mit der Staffel. Mit dabei damals Marlies Rostock (heute Fraas), die 1980 in Lake Placid Olympiasiegerin mit der Staffel wurde. Wenige Wochen vor dem Triumph in den USA hatte Marlies Rostock auch in der Siegerstaffel des Internationalen Damenskirennens gestanden, gemeinsam mit ihrer Klubkameradin Elvira Pechmann (später Michlik).

Dominiert hatten das Rennen in Mühlleithen in den Anfangsjahren vor allem die Läuferinnen aus der UdSSR: Rita Atschkina, Klawidija Bojarskich, Galina Kulakowa oder Raissa Smetanina sind die wohl bekanntesten Namen. Allein 1971 belegten die Läuferinnen aus der UdSSR über fünf Kilometer die Plätze eins bis sechs, zehn Kilometer die Plätze eins bis acht.

Premieren gab es wiederholt im Vogtland. Der Internationale Skiverband (Fis) testete in Mühlleithen gern Neuerungen: 1973 wurde erstmals eine Staffel über 4 x 5 Kilometer gelaufen, 1982 gab es das erste Weltcuprennen, 1989 die Premiere über 30 Kilometer Freistil - und das vor 15.000 Zuschauern.

Das internationale Feld in Mühlleithen bildeten nicht nur Läuferinnen aus der UdSSR und Skandinavien. Die BRD war 1966 erstmals dabei. Frankreich kam 1978 dazu, die USA 1979, Kanada 1982.

Letzte Klingenthalerin auf dem Treppchen war 1991 Heike Wezel. Nach Platz sechs im Einzel wurde sie mit der Staffel Zweite. Wenige Wochen später gewann sie in Oberstdorf den ersten Meistertitel nach der deutschen Wiedervereinigung.

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