Altschulden drücken Adorfer Vermieter

Die Wohnungsgesellschaft kann ihren Leerstand senken und freie Wohnungen schnell wieder belegen. Warum die Bilanz 2017 dennoch im Minus endet.

Adorf.

In Adorf stehen immer weniger Wohnungen leer - das freut den kommunalen Vermieter und die Stadträte, aber dennoch kann die Wohnungsgesellschaft nicht in dem Umfang investieren, wie sie gern wollte. Das Problem hat einen Namen, und den kennen kommunale Vermieter landauf, landab nur zu gut: Altschulden. Auf mehr als eine Million Euro davon zahlt der Adorfer Großvermieter im Jahr Zinsen und Tilgung, erklärt Aufsichtsrat und CDU-Stadtrat Ernst Süßdorf.

In Adorf beläuft sich diese Summe auf gut 260.000 Euro im Jahr. "Das ist mehr als pro Jahr für die Wohnungssanierung zur Verfügung steht - das ist ein Missverhältnis", sagt Bürgermeister Rico Schmidt (SPD). Erst Ende Oktober habe er dieses Problem Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) vorgetragen. Gefragt sei hier eine politische Lösung auf höhere Ebene, meint Schmidt - und Kay Burmeister, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Adorf, pflichtet ihm bei. Doch die gewünschte Lösung für das Altschuldenproblem ist nicht in Sicht.

Ohne diese Sorge fiele der Geschäftsbericht über das Jahr 2017, den Adorfs Stadtrat jetzt einstimmig beschloss, noch eine Ecke positiver aus. Zwar schloss der Vermieter das vergangene Jahr mit einem Fehlbetrag von knapp 10.000 Euro ab, doch dies lag nicht an Problemen mit dem Wohnungsbestand, erläutert Burmeister. Im Gegenteil: Wegen verstärkter Nachfrage nach Wohnungen 2017 musste der Vermieter mehr Geld für Instandhaltung ausgeben, konnte aber zugleich aus der Hausbewirtschaftung 17.600 Euro mehr einnehmen als im Vorjahr. Das Minus unter dem Strich ist zudem vor allem den Straßenausbaubeiträgen geschuldet. 63.000 Euro musste die Wohnungsgesellschaft dafür 2017 an die Stadt zahlen.

Zum Bestand des Vermieters gehören aktuell 385 Wohnungen und 20 Gewerbeeinheiten - vier Wohnungen und ein Gewerberaum mehr als 2016 - Grund: das sanierte Quartier Hohe Straße 16 kam hinzu. Der Leerstand sank weiter auf 8,6 Prozent - deutlich unter dem Durchschnitt von Vermietern, die Burmeister in Sachsen und Thüringen als Vergleich herangezogen hatte. Bei einer durchschnittlichen Wohnungsmiete von 4,22 Euro pro Quadratmeter liegt die Wohnungsgesellschaft Adorf bei vielen Parametern nicht schlecht, zahlt weniger Zinsen als vergleichbare Gesellschaften, hat aber mit 10 Prozent eine etwas stärkere Fluktuation bei den Mietern. Mit längerem Leerstand in sanierten Quartieren hat der Vermieter wenig zu kämpfen.

Der Stadtrat hat neben der Bestätigung der Bilanz auch den Aufsichtsrat und die Geschäftsführung für das vergangene Jahr entlastet. Burmeister, zuvor unter anderem Stadtrat der SPD und nach wie vor Chef des SPD-Unterbezirkes Vogtland, hatte zum 15. September 2017 den Leitungsposten beim Vermieter übernommen. Er folgt der langjährigen Geschäftsführerin Kati Stein, die zur Kreisverwaltung wechselte.


Kritik von Mieterin

Marion Bauer lebt in einem Wohnblock an der Schillerstraße, der von der Adorfer Wohnungsgesellschaft vermietet wird. In dem Haus, in dem acht Parteien wohnen, seien die Zustände aus ihrer Sicht nicht mehr tragbar. Das würden auch andere Mieter in ihrem Hausaufgang so sehen. "Im Treppenhaus sind die Wände rissig und dazu voller Flecken. Das Treppengeländer ist so wackelig, dass sich die alten Leute nicht mehr richtig daran festhalten können", so die 50-Jährige. Wohnungen, die an einem leerstehenden Nachbar-Aufgang angrenzen, seien teilweise mit Schimmel befallen, sodass Möbel nicht mehr an die Wände gestellt werden können. Es wird vermutet, dass er Grund dafür eine Wasserspritzübung der Feuerwehr sei, die vor einiger Zeit an dem Gebäude durchgeführt wurde. Auch Probleme mit der Haustür gibt es. "In der kalten Jahreszeit lässt sich die Haustür nicht mehr richtig schließen", so die Adorferin. Seit acht Jahren wohnt sie in dem Wohnblock. Seitdem wurde die Wohnungsgesellschaft immer öfter auf die Missstände hingewiesen. Herumgekommen sei bis heute nichts. "Wir wurden immer wieder vertröstet."

Kay Burmeister, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft, will die Kritik so nicht stehen lassen. Das Treppenhaus werde renoviert, sobald Handwerker gefunden seien. Die Ausschreibung laufe. Man habe erst untersucht, ob es statische Gründe für die Rissbildung gebe. Da dies nicht der Fall sei, könne man jetzt loslegen. Auch das Problem Haustür sei bekannt. "Wir haben sie erst im August eingestellt", sagt Burmeister. "Von Problemen mit dem Treppengeländer höre ich jedoch das erste Wort." (cbert)

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