Applaus für dieses Jubiläumsfest

Regen vom Himmel, im Herzen die Heimat: Am Wochenende stand Landwüst ganz im Zeichen des 700-jährigen Ortsjubiläums. Trotz des miesen Wetters kamen viele Besucher.

Landwüst.

Obgleich es schier unmöglich scheint, sieben Jahrhunderte bewegte Geschichte in gut zweieinhalb Stunden Revue passieren zu lassen: Holger Weiss - "Es war sehr aufwändig, aber spannend!" - gelang das am Freitag zum Auftakt des Feierwochenendes mit Bravour. Kaum jemand der neugierigen Besucher gab seinen Platz auf in der voll besetzten Scheune des Freilichtmuseums.

Wie Recht hatte der Chronist doch, wenn er ankündigte "Landwüst ist sicher ein Dorf ohne grandiose Berge und Gletscher - aber es hat eine einmalige Geschichte, über die Manches bisher noch nicht bekannt war oder in Vergessenheit geraten ist!" Beispielsweise, dass der Ort als sogenannte Wüstung von Süden her besiedelt wurde. Ein Zeugnis davon ist Wintersreuth, ein nur noch rudimentär erhaltener Ringwall im Wald ganz in der Nähe. Interessant auch zu erfahren, wie sich der Name im Laufe der Jahrhunderte sich durch Lautverschiebungen und verschiedene Aussprache änderte: von Lantwste (1319) über Landbust (1467) und Landwist und Loadwisd (1720) bis zu Landwüst. Sein Ursprung, so vermutet Holger Weiss, rührt wohl von Wust/Wulst (Bergrücken) her. Mehrfach suchte eine Heuschreckenplage den Ort heim (1336, 1475, 1547, 1693). Um 1429 wurde Landwüst im Zuge der Hussitenkriege und später während des 30-jährigen Krieges verwüstet.

Sascha Aurich

Aurichs Woche:Der „Freie Presse“-Sonntagsnewsletter von Sascha Aurich

kostenlos bestellen

Holger Weiss förderte bei seinen umfangreichen Recherchen interessante Fakten zutage. Etwas, dass die St. Laurentiuskirche ursprünglich eine Wallfahrtskirche für Pilger war, weil sich um 1750 dort ein wundertätiges Marienbild befand, dessen Verbleib bis heute allerdings im Dunklen liegt. Oder dass die Kirche 1432 zum Bistum Regensburg gehörte und 1459 einen Obolus für den Bau des dortigen Doms leistete: sechs Pfennige - eine Gans kostete zu jener Zeit neun bis zehn Pfennige. Thomas Müntzer fuhr 1521 auf dem Weg von Zwickau nach Prag durch Landwüst - musste es, denn es gab damals nur die Heeresstraße von Leipzig nach Eger. Sein Bildnis zierte zu DDR-Zeiten nicht nur den 5-Mark-Schein, sondern seinen Namen trug seit Anfang der 1970er Jahre auch die LPG in Landwüst. Überraschend, dass bereits 1695 der Kartoffelanbau im Ort erstmals erwähnt wurde und 1697 die erste wöchentliche Fahrpost durch Landwüst kam - die letzte kurioserweise 1939. Holger Weiss sparte in seinem Rückblick auch die jüngere Vergangenheit nicht aus: die Jahrfeiern 1969 und 1994 und die Gründung des Freilichtmuseums durch Walter Wunderlich. Alles in allem ein überaus unterhaltsamer und kurzweiliger sowie lehrreicher Jubiläumsauftakt.

Samstag gegen Mittag rückten gleich elf Freiwillige Feuerwehren aus Bad Elster, Erlbach, Deutschneudorf, Reumtengrün, Markneukirchen und Pausa sowie mit ihren Frauenteams Rodewisch und Tirpersdorf zu einem Großeinsatz an, um die Landwüster beim Löschen eines Hühnerstalls zu unterstützen. Keine leichte Aufgabe, denn der Boden war durch den Regen glitschig und außerdem standen einige knifflige Hindernisse im Wege. Die Schläuche fix per kleinem Handwagen zum Einsatzort fahren beispielsweise, die Gefiederten samt Kalkovalen in Sicherheit bringen oder einen Ansaugschlauch so lange mit Wasser füllen, bis die Spitze sichtbar wurde. Und das alles in historischen Kostümen. Ein Gaudiwettbewerb, wie sich denken lässt, ausgeschrieben als 27. Vogtländische Handdruckspritzen-Meisterschaft. Am Ende hatten die Tirpersdorfer Männer die Nase mit 4:40 Minuten vorn. Sie verzichteten darauf, der Gastgeberwehr einen Heimvorteil zu gewähren, verwiesen sie und Titelverteidiger aus Rodewisch auf den zweiten Platz, die beide mit 4:55 Minuten zeitgleich ins Ziel kamen. Die anderen Mannschaften konnten das verkraften, das Löschbier schmeckte schließlich allen. Nur die Erlbacher kamen ein wenig ins Grübeln, waren sie doch mit einem ehrgeizigen wie martialischen Vorhaben an den Start gegangen: "Sieg oder Sibirien!"

Das Landwüster Festwochenende hatte noch viel mehr zu bieten: Vor allem viel Musik mit den Gruppen Halb so Wild und Kraizdaquer sowie dem Jugendlblasorchester des Gymnasiums Markneukirchen. Es gab auch viele Angebote für Kinder. Magnet am gestrigen Sonntag war der Traktorentag im Museum.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...