Arboretum: Neuer Förster will Bäume und Sträucher zählen

Der Sachsenforst ist dabei, die Anlage in Brunndöbra attraktiver zu gestalten. Sie wird seit 2011 durch den Staatsbetrieb betreut.

Klingenthal.

Die Vielfalt der vogtländischen Natur zeigt sich allein bei einem Blick auf die Baumscheiben, die an der Blockhütte im Klingenthaler Arboretum angebracht sind. Riesenhaft wirkt zum Beispiel eine Fichte, die ab 1843 wuchs, im Vergleich zu einer Kiefer, die von 1865 bis 2003 in der Reuth bei Bad Elster stand. "Dieser Baum ist an einem sehr ungünstigen Standort gewachsen", sagt Udo Lüttschwager: "Der Umfang allein sagt eben nichts über das Alter eines Baumes aus." Beeindruckend ist für den Leiter des Staatsforstbetriebes im Forstbezirk Adorf auch die Baumscheibe einer Fichte, die ab 1784 im Sachsengrund bei Morgenröthe-Rautenkranz anwuchs und 2007 vom Sturm "Kyrill" gefällt wurde.

Mit dem Arboretum "In der Braunleithe" in Brunndöbra besitzt Klingenthal seit Jahren ein Kleinod. Die Idee, die ehemalige Weihnachtsbaumplantage umzugestalten, hatte 1994 der inzwischen verstorbene Manfred Körner, damals stellvertretender Forstamtsleiter in Klingenthal. Das damit verbundene Anliegen war und ist es, zum einen die Besucher für die heimische Gehölzflora sensibilisieren, zum anderen die exotische Artenvielfalt fremder Länder aufzuzeigen.

Als "Zuckerhut-Fichte" ist beispielsweise die zwergwüchsige Zuchtform der aus Nordamerika stammenden Weißfichte bekannt, die erst 1904 am Lake Laggan in Kanada entdeckt wurde. Sie ist längst in Mitteleuropa als Gartenpflanze beliebt. Der Name leitet sich ab von der im 19. Jahrhundert handelsüblichen Form von Hutzucker.

Augenfällig bei den Schlangenfichten sind eine ausgedünnte, markante Baumkrone und bis zu 2,5 Zentimetern lange, dicke Nadeln. Gleich daneben: Orientalische Gold-Fichten, deren Heimat der Kaukasus ist. Auf der Bergwiese fällt ein weiterer, für das Vogtland untypischer Nadelbaum auf - die Andentanne oder Chilenische Araukarie. Der Baum wechselt nach etwa 15 Jahren die Nadeln - die einheimische Fichte meist schon nach sieben.

Aktuell sind auf dem etwas mehr als vier Hektar großen Areal mit einen kleinen Teich, Feuchtbiotop, Bergwiese und Hecken rund 220 verschiedene Gehölze und Sträucher zu sehen. Wie viele es genau sind, soll eine Bestandsaufnahme zeigen. Dafür zeichnet Christian Stark verantwortlich, ein Enkel des über Mühlleithen hinaus bekannt gewesenen Förster Egon Stark. Er ist jetzt der Chef im Klingenthaler Revier. Mit ihm, so sagt Udo Lüttschwager, soll wieder Kontinuität bei der Betreuung des Arboretums einziehen.

Das Projekt stand zunächst von 1995 bis 1998 unter der Regie der Arbeitsloseninitiative Klingenthal, von 1999 bis 2010 war dann die Beschäftigungsgesellschaft Klingenthal zuständig. Nach deren Konkurs übernahm letztlich 2011 der Sachsenforst die Anlage.

Der Zugang ist bei freiem Eintritt ganzjährig möglich. Nicht genutzt werden kann derzeit nur die 2002 errichtete Blockhütte, die in der Vergangenheit für Familienfeiern und ähnliche Veranstaltungen beim Sachsenforst gemietet werden konnte. Damit das künftig wieder der Fall sein kann, wird die Hütte mit einer Toilettenanlage ergänzt. In Zusammenhang mit dem Vorhaben erfolgte in den vergangenen Wochen die Erneuerung der noch aus der Wismut-Zeit stammenden Wasserleitung. Jetzt ermöglicht der rund 800 Liter fassende Speicher die Brauchwasserversorgung für die Hütte, den kleinen Teich und die künftige WC-Anlage.

Wann das hölzerne Toilettenhäuschen aufgestellt wird, ist noch nicht sicher. "Ein großes Problem ist derzeit die Borkenkäferkalamität. Die hat finanzielle Auswirken auf die Vorhaben im Sachsenforst", so Lüttschwager. Er hofft, dass der Forstbezirk Adorf in den nächsten Tagen zu dem Vorhaben eine positive Entscheidung bekommt.

Erreichbar ist das Arboretum über die Falkensteiner Straße und die von dort abzweigende Forststraße. Direkt an der Anlage vorbei führen der Vogtland-Panoramaweg und der Klingenthaler Höhensteig. Direkt bei der Anlage beginnt auch der 2,5 Kilometer lange Waldlehrpfad Brunndöbra.

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