Argentinier wollen enge Verbindung mit Klingenthal

Bürgermeister Thomas Hennig brachte vom Besuch bei Botschafter Edgardo Malaroda einen interessanten Vorschlag mit.

Klingenthal/Berlin.

San Jorge ist eine rund 20.000 Einwohner zählende Stadt in der argentischen Provinz Santa Fe, gelegen etwa 450 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Buenos Aires. In San Jorge hat man großes Interesse an einer Freundschaftsvereinbarung mit Klingenthal. Diese Nachricht brachte Bürgermeister Thomas Hennig (CDU) jetzt von einem Besuch in Berlin beim argentinischen Botschafter Edgardo Malaroda mit.

"Als Ende April die argentinische Botschaft zum ersten Mal im Rathaus anrief, war ich völlig überrascht. Ich wollte es anfangs gar nicht glauben", erzählte Hennig. Aber der Anruf war echt, ebenso die Einladung nach Berlin. Und das sich die Argentinier ihren Vorschlag zur Freundschaftsvereinbarung gründlich überlegt haben, zeigt ein knapp 20 Seiten umfassendes Papier.

Verbindendes Element des Vorhabens soll die Musik sein. Italienische Auswanderer, die in der Provinz Santa Fe leben, pflegen weiter enge Kontakte in die alte Heimat und haben 1991 den Verein Marchigiana gegründet. Dieser veranstaltet jährlich das Südamerikanische Akkordeonfestival, dessen Sieger am Wettbewerb in Klingenthals italienischer Partnerstadt Castelfidardo teilnehmen kann. Damit, so heißt es in der Präsentation, schließe sich der Kreis zwischen San Jorge, Castel- fidardo und Klingenthal.

"Botschafter Edgardo Malaroda hat großes Interesse, den Akkordeon- und Bandoneonbau kennzulernen", so Bürgermeister Hennig. Er lud den Gast aus Argentinien für September zu einem Besuch nach Klingenthal ein. Bis dahin wird auch das Angebot einer Freundschaftsvereinbarung im Stadtrat besprochen sein. Dass ein Botschafter offiziell Klingenthal besuchte, ist lange her: 1975 war Hannu Koskivori, seinerzeit der finnische Botschafter in der DDR, Gast beim Internationalen Damenskirennen.

Einen direkten Draht nach Argentinien hatte der Klingenthaler Instrumentenbauer Uwe Hartenhauer, mit dem das MDR-Fernsehen 2007 in Buenos Aires Aufnahmen für den Bandoneon-Film "Passion Tango" drehte. Die Sängerin Lawra Arpozof begleitete ihn dabei durch das Künstlerviertel San Telmo und das Hafenviertel La Boca, der Wiege des Tango Argentino.

Hartenhauer traf viele namhafte Spieler und stellte in der Academia Nacional des Tango den Klingenthaler Akkordeonwettbewerb vor, bei dem ein Jahr zuvor auch ein Tangowettbewerb Premiere hatte. Im legendären "La Casa del Bandoneon", der wichtigsten Adresse für argentinische Bandoneonspieler und Studenten aus aller Welt, testen mehr als 20 Spieler seine Instrumente. Zur Eröffnung des Akkordeonwettbewerbs 2007 im König- Albert-Theater Bad Elster hatte der Argentinier Juan José Mosalini auf einem von Hartenbauer gebauten Bandoneon gespielt.

Von Oskar Fischer, dem Chef des "La Casa del Bandoneon", erhielt der Klingenthaler damals ein Diplom: "Das bekommt seinen Platz gleich unter meinem Meisterbrief", freute sich der Instrumentenbauer. Juan Carlos Caviello, nach dessen Lehrmethoden an allen Bandoneon-Schulen in Buenos Aires unterrichtet wird, regte damals die Herausgabe einer Bandoneonschule speziell für den europäischen Markt an.

Auch das argentinische Fern- sehen berichtete im Herbst 2007 über die Dreharbeiten der Deutschen, deren Instrumente - vor allem der Marke Alfred Arnold aus Carlsfeld - seit Generationen in Südamerika Kultstatus genießen.

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