Auerbacher macht leere Waggons randvoll

Mit Ralf Kaiser hat sich zur Modelleisenbahnbörse in Rodewisch auch ein passionierter Bastler unter die Verkäufer gemischt.

Rodewisch/Auerbach.

Modelleisenbahnfans sind wieder zurück im Rodewischer Ratskellersaal. Ein Dreivierteljahr nach der letzten Ausgabe konnte dort wieder eine Börse ausgerichtet werden. Entsprechend groß war der Andrang - zumindest auf Besucherseite. Am Hauseingang bildeten sich immer wieder Schlangen. Geduld war gefragt, weil jeder, der ins Haus wollte, um Kontaktdaten gebeten wurde.

Auch der Saal hatte ein etwas anderes Gesicht als das von den Vorgänger-Börsen gewohnte. "Wir mussten die mittlere Tischreihe rausnehmen, um mehr Platz zu schaffen", erklärte Organisator Andreas Radlegger. Absagen an Händler waren trotzdem nicht nötig. Im Gegenteil. 22 reisten diesmal an, also weniger als sonst. "Es gibt auch Aussteller, die wegen Corona Angst haben und nicht herkommen", so der Oberbayer. Wer seine Tische mit Bahnen sämtlicher Spurweiten, Anlangen-Zubehör, Ersatzteilen, Schienen und ganzen Bausätzen bestückt hatte, war mitunter weit gereist und kam aus Leipzig, Dresden und Chemnitz nach Rodewisch.

Ralf Kaiser konnte fast zu Fuß gehen. Der Auerbacher gehört seit längerem zum "Inventar" der 2010 ins Leben gerufenen und viermal pro Jahr stattfindenden Börse. Genauso lange weicht er vom gängigen Aussteller-Format ab. Denn Ralf Kaiser verkauft nicht nur, er baut auch selber. Handelsübliche leere Waggons bleiben bei ihm nicht lange ohne Füllung. Er spendiert ihnen so gut wie alles, was als Ladung über Schienen rollen kann: Holzstämme, Schüttgut, Leerrohre, Betonteile. Allerdings in viel kleinerer Ausführung. Ralf Kaisers Spezialität ist die Spur TT. Auf Anfrage befüllt er auch fremde H0- und N-Waggons.

Modelleisenbahnen faszinieren den Vogtländer seit seiner Kindheit. Auf die Idee, unter die Bastler zu gehen, kam er 2013. "Leere Wagen, das geht nicht. Da muss was rein", erklärte Ralf Kaiser, wie es dazu kam. Also machte er sich in seiner Freizeit an die Arbeit - mit allerhand Werkzeug von der Pinzette bis zum Bastelmesser und heißen Draht. Als Kohle-Imitat verwendet der 69-jährige Rentner Hartpolystyrol. Leim hält das Ganze zusammen, Farbe und eine Besandung geben den letzten Schliff. Zeitlich besonders fordernd seien Holzladungen. "Das dauert Stunden, weil ich alles erst maßstabsgerecht zuschneiden muss", sagte er. Gebaut wird aus dem Gedächtnis. "Im Laufe der Zeit habe ich mir vom Original viel abgeguckt", so der Auerbacher. Seine Kunden: überwiegend die Vater- und Großvater-Generationen.

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