Auf der Suche nach den Wurzeln

Benno Jacob, der Urenkel des berühmten Gitarrenbauers Richard "Weißgerber" Jacob aus Markneukirchen, hat das Vogtland besucht. Mit Instrumentenbau hat er nichts zu tun, dafür ist er Weltmeister einer anderen Kunst.

Markneukirchen.

Es wäre wahrlich nicht verwunderlich gewesen, wenn Benno Jacob seinen Platz und seine Passion in einer Werkstatt gefunden hätte. So wie sein Urgroßvater Richard und Großvater Martin. Sie zählten zu Lebzeiten zu den herausragenden Gitarrenbaumeistern in Markneukirchen. "Meinen Uropa konnte ich natürlich nicht persönlich kennen, aber beim Opa war ich als Kind öfter, habe dort mit dem Holz gespielt und kann mich noch gut an den Geruch in der Werkstatt erinnern", sagt der 34-Jährige. Trotzdem ist er aus der Familienart geschlagen und hat für sich einen völlig anderen beruflichen Weg gefunden. Mit 14 begann er sich für Jonglage zu interessieren, weil er in Wien einen Diabolo-Künstler sah: "Das hat mich wahnsinnig fasziniert und für mich stand fest: Das will ich auch. Deshalb habe ich in Berlin von 2006 bis 2009 an der Staatlichen Artistenschule studiert." Wie richtig diese Entscheidung war, zeigte sich speziell im vergangenen Jahr: Als Duo Twin Spin wurde Benno Jacob mit seinem Partner Max Fröhlich Weltmeister im Diabolo - in Taiwan, dem Ursprung und der Heimat dieser faszinierenden Kunst, die in Fernost quasi ein Volkssport ist wie hierzulande Fußball.

Kein Meister im Gitarrenbau, dafür einer im Beherrschen der zwei Scheiben - wie Diabolo sich übersetzen lässt - und im Jonglieren von Bällen. Trotzdem fühlt sich Benno Jacob seinem Urgroßvater Richard verbunden und seit er sich mit ihm und dessen Leben beschäftigt, fühlt er sich umso mehr verbunden. Seine Mutter Maria, mit der er dieser Tage in Markneukirchen das Musik- instrumentenmuseum besuchte, kann das bestätigen: "Benno hat große Ähnlichkeit mit seinem Uropa und auch charakterlich ist er ihm sehr nahe." Richard Jacobs Name steht für die von ihm gebauten, fast schon legendär zu nennenden Weißgerber-Gitarren. "Durch meine Arbeit habe ich sehr viele Kontakte zu Musikern, und wenn sie 'Weißgerber' hören, bekommen sie glänzende Augen und schwärmen in den höchsten Tönen von der Qualität und dem Klang", erzählt Benno Jacob.

Genau das ist es ideell, was ihn mit dem Uropa wie mit einem unsichtbaren Faden verbindet: Während der Ahne ständig nach seinem Weg suchte, Gitarren in höchster Perfektion zu bauen, dabei die Physik und das Handwerk als Kunst ausreizte, mit Kreativität und Hartnäckigkeit versuchte, was sich vor ihm noch niemand zu versuchen getraut hatte, sich von Fehlversuchen nicht entmutigen ließ und schließlich zu einem Meister seines Metiers werden ließ - genau das macht und gelingt es Benno Jacob auch auf seinem Gebiet. "Häufig ist es so, dass es Jahre braucht, bis ich, bis wir ein Experiment erdacht und erarbeitet haben. Dabei strebe ich immer danach, etwas vor dem Publikum zu zeigen, das noch niemand gezeigt hat. "Für meinen Uropa gab es keinen Stillstand und ich bin dagegen auch allergisch. Ich kann mich deshalb sehr gut in ihn hineinversetzen. Je mehr ich darüber nachdenke, mehr von ihm weiß, merke ich, wie nahe wir uns sind."

Jetzt spürte Benno Jacob dieses Gefühl auch haptisch. Beim Besuch in Markneukirchen nahm er ehrfurchtsvoll eine der Weißgerber- Gitarren in die Hand, betastete sie und bewunderte die perfekte Ästhetik. Nur spielen kann er kein Instrument. Aber das in diesem Fall vielleicht auch nicht das Wesentliche.

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