Auf Spurensuche in Brandenburg

Warum ein Buch über einen Schönecker Kindsmord im Jahr 1715 das Interesse eines Vereins in Herzberg/Elster findet.

Schöneck/Poppengrün.

Im Frühjahr 2018 veröffentliche Siegfried Martin aus Poppengrün ein Buch mit Dokumenten zu einem Kindsmord, der sich 1715 in Schöneck ereignt hat. Seine 2016 verstorbene Frau Wibke, Autorin des Buchs "Halsgericht zu Schöneck", hatte sechs Jahre lang zu dem Fall recherchiert. Ihr Mann vollendete das Buch. Nun hat der Heimat- und Geschichtsverein Herzberg/Elster Siegfried Martin zu einem Vortrag eingeladen, denn zu dem Thema scheint es einen Bezug zu der Stadt im Landkreis Elbe-Elster (Brandenburg) zu geben. Das 9000-Einwohner-Städtchen liegt rund 90 Kilometer südlich von Berlin.

"Der Kindsmord zu Schöneck" ist weder ein Krimi noch ein Enthüllungsbuch oder eine Anklageschrift. Wibke Martin recherchierte mit großer Sorgfalt, selbst die Verhörprotokolle sind im Original nachlesbar. Das Buch gibt einen Einblick, wie der Alltag in Schöneck vor 300 Jahren aussah. Allein das ist bislang einmalig für das obere Vogtland.


Im März 1715 hatte in Schöneck die 20-jährige Pfarrerstochter Johanna Elisabeth Müller ihr Neugeborenes erstochen. Wird sie dafür hingerichtet, wie 17 Jahre zuvor die vermeintliche Brandstifterin Maria Meyen? Diese Frage stand damals im Raum.

Die Tat der Schönecker Pfarrerstochter bedrohte, wie die Verhörprotokolle belegen, das Ansehen der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen, selbst August der Starke als Landesherr schaltete sich ein. Die Täterin ging straffrei aus, sie wurde nach der Tat nicht einmal inhaftiert, sondern nur unter Hausarrest gestellt. Der Grund: Der Vater Johann Adam Müller, als Pfarrer zuständig für das Gebiet zwischen Schilbach, Muldenberg und Zwota, besaß als Geistlicher das "Privileg des befreienden Standes", das auch für Ehefrauen und Kinder galt. Die weltliche Gerichtsbarkeit blieb bei dem Fall außen vor.

Detailliert ist im Buch beschrieben, welche juristischen Fäden im Hintergrund gezogen wurden, damit die Kindsmörderin eine Audienz bei August dem Starken erhielt und der Fall letztlich mit einem sogenannten "Fußfall" vor dem sächsischen Landesherren gänzlich aus der Welt geschafft wurde.

Und zum weiteren Verbleib jener Johanna Elisabeth Müller scheint es eine Spur zu geben, die von Schöneck nach Herzberg/Elster führt. Deshalb hat der Heimat- und Geschichtsverein eingeladen. Dessen Vortrag findet am 6. September in der Stadtbibliothek Herzberg/Elster statt, Beginn ist 18.30 Uhr.

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