Ausbau der Bahnstrecke: Geteiltes Echo im oberen Vogtland

Überlegungen, die Bahnstrecke zwischen Plauen und Eger auszubauen, werden in der Region genau verfolgt. Was sagen die Anrainer-Kommunen?

Oelsnitz/Adorf/Bad Elster/ Bad Brambach.

Ein möglicher Ausbau der Bahnstrecke zwischen Plauen und Eger hat im oberen Vogtland Befürworter und Gegner gleichermaßen. Kritik kommt vor allem aus Bad Brambach.

"Wenn auf einer doppelgleisigen und elektrifizierten Strecke Güterzüge durch unseren Ort rauschen, können wir den Kurort zusperren", sagt Bad Brambachs Bürgermeister Maik Schüller (parteilos). "Ich finde die Überlegungen überhaupt nicht schön." Auch Gemeinderat Andreas Zuber (SPD) lehnt einen Streckenausbau ab. Er fordert zudem die Politiker des Vogtlandes auf, sie mögen die Vorteile für die Region darlegen (siehe Kasten).

Differenziert äußerten sich die Bürgermeister von Bad Elster und Adorf. "Grundsätzlich gab es bei der Anhörung zum Landesverkehrsplan zu diesem Punkt eine positive Stellungnahme von unserer Seite", sagt Adorfs Bürgermeister Rico Schmidt (SPD) und schiebt ein "Aber" hinterher: "Es gibt Punkte, die für und Punkte, die dagegen sprechen. Diese müssen in Ruhe abgewogen werden, sicher auch noch einmal im Kreis der betroffenen Kommunen. Baulich dürfte die Umsetzung äußerst schwierig werden auf Grund der derzeitigen Strecken- und Brückenbreiten", so Schmidt.

Auch aus Bad Elster gab es ein Ja zum Landesverkehrsplan, in dem der Streckenausbau vor sieben Jahren schon einmal Thema war. "Eine verbesserte Anbindung an den Schienenverkehr ist aus touristischer Sicht wünschenswert", sagt Bürgermeister Olaf Schlott (Unabhängige Bürgerschaft). Immer wieder werde die schlechte Erreichbarkeit per Bahn von Gästen moniert, weiß Schlott. Allerdings sei Bad Elster von den Belastungen auch nicht direkt betroffen, weil die Strecke etwas abseits der Stadt verläuft, räumt er ein. "In den Ortsteilen Mühlhausen und Sohl ist die Situation schon anders." Schlott kann auch die kritische Haltung der Bad Brambacher nachvollziehen.

Uneingeschränkt positiv bewertete der Oelsnitzer OB Mario Horn (CDU) den Vorstoß des Freistaates, den Ausbau zu untersuchen. Er erhofft sich eine Anbindung von Oelsnitz an den überregionalen Bahnverkehr. "Es wäre ein Meilenstein in Sachen Verkehrsanbindung", sagt Horn. Angst vor einer allzu großen Lärmbelastung hat er nicht.

Die Pläne sind nach Ansicht des Plauener CDU-Landtagsabgeordneten Frank Heidan jetzt in einer entscheidenden Phase. "Wenn uns dieses Vorhaben gelingt, dann sind die Weichen für unsere vogtländische Region für einen umweltfreundlichen Verkehr in den nächsten Jahrzehnten dank moderner Eisenbahnverbindung richtig gestellt", sagt er.


Kritik von Bad Brambacher Gemeinderat Andreas Zuber (SPD)

"Worin liegt der der Vorteil für das Vogtland? In einer zweigleisigen elektrifizierten und rentablen Güterverkehrtrasse, die entlang zum Elsterradweg verläuft? Welche Kommune hat hier etwas davon? Welcher Betrieb oder welche Firma im Vogtland verfügt über einen Gleisanschluss oder benötigt Güterverkehrskapazitäten? Schafft die Vogtlandbahn für diese eine Linie dann neue Elektro-Triebwagen an? Nein, die Trasse dient einzig und allein dem Güterverkehr und hier der Entlastung der Elbe-Trasse. Der Personennahverkehr bleibt bei den Wirtschaftlichkeitsberechnungen außen vor. Die Deutsche Bahn sehen wir im Personenverkehr Vogtland sowieso nicht mehr. Machen wir unser landschaftlich reizvolles Vogtland freiwillig zur Transit-Trasse? Dass man in Dresden diese Trasse möchte, ist verständlich und klar, warum aber das Vogtland jubelnd zustimmt, ist nicht zu verstehen. Wichtiger wäre da seinerzeit ein lautes Aufbegehren gegen das Abkoppeln des Plauener Bahnhofes vom überregionalen Personen-Fernverkehr gewesen. Bevor hier die Kommunalpolitiker sich einen zweifelhaften Erfolg auf die Wahl-Fahnen schreiben, sollten diese der Bevölkerung zuerst die Vorteile für unseren Kreis detailliert darlegen."

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
8Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 2
    2
    Zeitungss
    16.01.2019

    @Goschi: Setzen 5, würde der Lehrkörper lautstark verkünden, bzw. Inhalt nicht verstanden. Güter, welche SIE benötigen, werden auch durch Gegenden transportiert, wo die Anwohner in ihrer Ruhe gestört werden und keinen Nutzen davon haben, was für den Obervogtländer die normalste Sache der Welt ist. Zur Zeit gibt es keine einzige Güterzugverbindung auf dieser Strecke, dafür ist die Straße belegt, was in Deutschland bekanntlich keinen Menschen stört. Bis weit nach der Wende verkehrten noch planmäßige Güterzuge in Dieseltraktion und teilweise mit 3 Triebfahrzeugen, was dieser Landstrich sogar überlebt hat. Verkehrstrassen dienen nun einmal der Allgemeinheit, was im oberen Vogtland noch nicht angekommen ist, beim Gemeinderat schon gar nicht.
    Was die jetzige Nutzung der Strecke betrifft, mal nachdenken, der Vogtländer fährt gerne Auto und danach richtet die Bahn, gleich welcher Betreiber, ihr Angebot aus, was auch der Herr Gemeinderat wissen sollte.

  • 1
    1
    Goschi
    15.01.2019

    Der Gemeinderat Zuber schrieb hierzu: " Nein, die Trasse dient einzig und allein dem Güterverkehr und hier der Entlastung der Elbe-Trasse. Der Personennahverkehr bleibt bei den Wirtschaftlichkeitsberechnungen außen vor." Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Entlastung der Elbtrasse etwas der Erreichbarkeit der Leute oder eine Aufwertung zu tun hat. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Bahn vom unrentablen Bürgerverkehr immer mehr zurückgezogen hat. Die von der Politik so propagierte Meinung vom Autoverkehr ua. auf die Schienen hat doch hier nie stattgefunden. Im Gegenteil, es fallen ganze Zugstrecken weg.
    Es geht doch hier gar nicht um die Versorgung der Region, sondern um eine überregionale Entlastung der Elbtrasse. Benötigte Wirtschaftsgüter in die Region "zu mir" werden damit sicher nicht transportiert. Entlastet wird damit auch nicht der überregionale Verkehr der LKWs, welche aus der Richtung Oelsnitz kommend, nach Tschechien Rollen. Es gibt hier bereits genug überregionalen Verkehr.

  • 3
    1
    Zeitungss
    15.01.2019

    @Goschi: Ich hätte Ihnen meine Wortwahl jetzt erklärt, Tauchsieder hat es schon freundlicherweise bestens erledigt.
    Frage, wie kommen denn nun die von Ihnen benötigten Wirtschaftsgüter zu Ihnen?? Diese müssen nicht nur durchs Vogtland rollen, was nicht sein soll, andere Gebiete können es aber schon vertragen, so Ihre Argumentation. Sollten Sie natürlich aus der Luft versorgt werden, wäre das eine Erklärung, der Natur allerdings absolut nicht dienlich. Soll heißen, wenn Bürger anderer Gegenden genau so denken, kommt bei Ihnen nichts an.
    In Oelsnitz wurde letzte Jahr eine vorzüglich restaurierte Postsäule wieder aufgestellt, was mehr als positiv zu bewerten ist. Es sollte allerdings nicht so sein, dass dieser Landstrich nur noch mit der Postkutsche zu erreichen ist. Zum Allgemeinwohl darf jeder etwas beitragen, natürlich auch im oberen Vogtland mit dem Hang zur Steinzeit.

  • 2
    2
    Tauchsieder
    15.01.2019

    Das hält keiner Überprüfung stand "Goschi", vielleicht gibt es keine Ortsfürsten, aber dafür sind in dieser Gegend Landratsfürsten beheimatet. Der ehemalige in Adorf, der Aktuelle in Schöneck.. Was ihre Äußerungen zu Leuten gibt, die sich für die Kultur und die Natur einsetzen, gehören diese Beiden mit Sicherheit nicht dazu. Mit den Untertanen ist es auch so eine Sache. Solange man gehorsam alles umsetzt, was es an angebliche Verheißungen aus dem LRA gibt ohne es zu hinterfragen, dann kommt dies schon einer gewissen Obrigkeitshörigkeit nahe.
    Als Beispiel hier nur der Elstertalradweg erwähnt der sich in dieser Ecke des Vogtlands befindet. Naturzerstörung in einem Naturschutzgebiet, von oben verordnet und von einem ortsansässigen Naturschutzbeauftragten aus Bad Brambach, einem Hr. Gonschorek unterstützt, lassen Zweifel an ihren Äußerungen aufkommen.

  • 1
    3
    Goschi
    15.01.2019

    @Zeitungss
    Trotz der abgeschiedenen Ecke gibt es bei uns weder Ortsfürsten noch Untertanen, aber schon Leute, die Kultur und Natur erhalten wollen und deshalb nicht um jeden Preis rollende Wirtschaftsgüter durchs Vogtland Rollen lassen, wenn sie sich dadurch für das Vogtland weder ein Plus an Wirtschaft noch sonstiger Verbesserung versprechen. Es wird viel Schön geredet und oberflächlich beurteilt. Entscheidend sind aber die Fakten, was es konkret den Städten und der Region bringt.
    Natürlich ist das Plus und Minus genau abzuwägen.

  • 2
    2
    Zeitungss
    15.01.2019

    Wie man sieht, hebt es den Vogtländer nicht wirklich an, was aus dieser abgeschiedenen Ecke wird. Ein paar Ortsfürsten geben die Meinug vor und schon wird beim "Untertan" das Denken zu diesem Thema eingestellt. Wenn das einmal kein Vorteil für die "Vordenker" ist. Es regt sich etwas und der Vogtländer denkt gleich an den 3. Weltkrieg. Dieser Vergleich hinkt zwar etwas, aber eben nur etwas.

  • 1
    3
    Zeitungss
    14.01.2019

    @Goschi und Herr Zuber: Sehr zukunftsorientierte Denkweise muss man beiden Leuten zugestehen. Erinnert mich in der Denkweise etwas an Neumark, Strom ja, aber bitte keine Leitung. In solchen Ämtern fährt man auch nicht Bahn, sondern Auto, der achtspurige Ausbau der B92 wäre eher angebracht. Gleichzeitig ist mit dem Ausbau der Straße sichergestellt, dass KEIN Transitverkehr stattfindet und einen Straßenanschluss hat bekanntlich jeder. Die Bahn ist den Ortsfürsten in dieser Gegend schon immer ein Dorn im Auge, es fehlt der Weitblick, was mit der Tallage der jeweiligen Orte in Zusammenhang stehen könnte. Wenn man in Dresden schon einmal Kohle locker macht um auch diese Gegend ordentlich an das Bahnnetz anzuschließen, stehen die Gegner auf dem Plan. In anderen Gegenden wäre man begeistert, hier sucht man noch immer nach dem Faustkeil.

  • 1
    2
    Goschi
    14.01.2019

    Die Kritik vom Gemeinderat Herrn Zuber kann man nur beipflichten. Wie schon gesagt. Die Bahn hat den Personenverkehr im Oberen Vogtland abgeschrieben und sieht im Hindergrund den überregionalen Güterverkehr. Die Verkehrsanbindungen der kleinen Orte durch öffentliche Verkehrsmittel haben sich über die letzten Jahrzehnte generell verschlechtert. Die Darlegungen, dass die Vogtlandbahn umweltgerecht ist, wage ich zu bezweifeln. Man braucht sich die fahrende Bahn mit den wenigen Fahrgästen nur mal anzusehen. Bei der Umweltfreundlichkeit wurde wohl von vielen Fahrgästen ausgegangen. So werden die wenigen Fahrgäste mit 2 Dieselmotoren mit je 265 kW transportiert...



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...