Bad Elster erinnert mit Kerzen an historischen Tag vor 30 Jahren

Die Stadt ist die einzige Kommune im oberen Vogtland, in der es offizielle Veranstaltungen zum Gedenken an die Friedliche Revolution gibt. Der Auftakt erfolgte am Freitagabend mit einem Friedensgebet.

Bad Elster.

Stille und Dunkelheit: Es ist ein berührendes Bild, als Kerzen angezündet und vor der Gedenkstele zwischen Rathaus und Gotteshaus aufgestellt werden. Nur spärlich lässt sich mit dem flackernden Licht eine Tafel beleuchten und die Inschrift darauf lesen: "'Wir sind das Volk!' Erstes Forum im Rahmen der friedlichen Revolution am 25.10.1989 in der St. Trinitatiskirche mit etwa 800 Einwohnern und Demonstrationszug zum Sanatorium des Zentralkomitees der SED 'Haus am See'." Die Vergangenheit kommt ins Heute.

Seit es der Stadtrat vor zehn Jahren auf Vorschlag der Freien Wähler beschloss, gilt der 25. Oktober als lokaler Gedenktag an die Ereignisse in Bad Elster vor 30 Jahren, noch bevor sich der Eiserne Vorhang öffnete und Platz gab für einen neuen Wind. Auch wenn es am Freitag kaum mehr als vier Dutzend Einwohner sind, die der Ereignisse gedenken - ihnen ist es ein inneres Bedürfnis, anders als in anderen Orten im Oberland, weil sie das Leben veränderten. Beim Friedensgebet sagte Pfarrer Gunther Geipel: "Das Wunder vor 30 Jahren segne uns in dieser Stunde."

Christoph Flämig - neben unter anderem Christian Lange, Martin Schwarzenberg, Heinrich Drechsler einer der Protagonisten der Wendezeit - erinnerte sich, wie er jene epochalen Tage vor 30 Jahren persönlich erlebte und empfand: "Wir lebten in einer Diktatur, eingesperrt hinter Stacheldraht und scharfen Hunden, aber auch im Geiste. Als am 30. September Hans-Dietrich Genscher in Prag auftrat und sich 4000 Menschen in den Armen lagen, kamen mir die Tränen. Die Demonstrationen am 7. Oktober in Plauen und am 9. Oktober in Leipzig machten uns in Bad Elster Mut. Trotzdem hatten wir Angst: Wie würde die Obrigkeit reagieren? Wir wollten gewaltlosen Protest."

Es kann heute niemand mehr sagen, wer genau es war, der damals dazu aufrief, Kerzen ins Fenster zu stellen und sich am Mittwoch, den 25. Oktober, im dann überfüllten Gotteshaus einzufinden. Es stand offen dank Pfarrer Eberhard Schwarzenberg, der Besonnenheit und Ruhe beschwor. Der größte Frust regte sich gegen die SED-Einrichtung "Haus am See", die erst kurz zuvor aufwendig saniert worden war, während andere Gebäude im Ort zusehends verfielen. 800 Menschen mit Kerzen zogen zum "Haus am See" und schlossen es mit einem Kreis ein. Nicht nur Christoph Flämig bedauert, dass es von diesem Tag keine Fotos gibt: "Wer fotografiert hätte, wäre als Stasi-Spitze angesehen worden. Wir waren erleichtert, weil alles friedlich blieb."

Mit dem Marsch am 25. Oktober 1989 begann in Bad Elster der Weg in die Freiheit. In der Folge gründete sich eine Bürgerinitiative, fanden 14 Demonstrationen statt und versuchte ein Runder Tisch der Zukunft im Ort eine Struktur zu geben. Wie sie aussieht und entwickelte, das zeigt sich heute in vielen Belangen.

Alle, die am Freitag, 30 Jahre später, dabei waren, sind sich darin einig: Wir müssen unseren Kindern und Enkeln von der Vergangenheit erzählen und die Freiheit verteidigen.

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