Bahn-Ausbau nach Tschechien bis zum Jahr 2028 denkbar

Das Vogtland soll an den Bahn-Fernverkehr angeschlossen werden. Laut einem Wirtschaftsgutachten würden dann täglich zehn Güterzüge und 25 Reisezüge die Region kreuzen.

Oelsnitz/Bad Brambach.

Zum Ausbau der vogtländischen Bahntrasse gibt es jetzt erste konkrete Zahlen. Baubeginn könnte 2025 sein. Frühestens 2028 wäre dann die Strecke von Plauen zur tschechischen Grenze elektrifiziert und zweigleisig ausgebaut. Die Baumaßnahme, die Landrat Rolf Keil (CDU) fordert, soll die Region auf der Schiene besser an den Fernverkehr sowie an Osteuropa anschließen.

Ziel ist es, die Bahnfahrt vom Vogtland nach Tschechien sowie auf Fernstrecken deutlich zu verkürzen. Außerdem sollen mehr Züge unterwegs sein. Bei einem Pressetermin im Landratamt ist am Montag ein Wirtschaftsgutachten dazu vorgestellt worden. Das Gutachten hatte das sächsische Wirtschaftsministerium in dem Berliner Beratungsbüro Dornier in Auftrag gegeben.

Mehr als 200 Millionen Euro würden Elektrifizierung und zweigleisiger Ausbau der Strecke demnach kosten. Pro Tag würden bis zu zehn Güterzüge und 25 Reisezüge die Trasse nutzen. Aktuell seien es 16 Reisezüge sowie ein Güterzug, der bis Oelsnitz fährt. Aufgrund der starken Steigung sei es nicht möglich, dass schwere Güterzüge die Strecke nutzen. "Wir reden von leichten Containerzügen", so Ralf Allrich vom Beratungsbüro Dornier.

Angefordert sei ein Lärmgutachten über die gesamte 51 Kilometer lange Strecke. Darin müsse die Ausbreitung des Schalls berechnet und geprüft werden, wo der Zugverkehr Lärm-Grenzwerte überschreitet. In den auf rund 200 Millionen Euro bezifferten Kosten sei ein "erhebliches" Budget für Lärmschutzwände enthalten. Im Elstertal befürchten Anwohner der Bahnstrecke eine Belästigung durch den Ausbau.

Die Personenzüge, die durchs Vogtland fahren, sind nach Einschätzung der Gutachter häufig leer. Das sei ein Indiz dafür, dass der Nahverkehr unattraktiv ist. Der Ausbau der Strecke steht seit 2013 im Landesentwicklungsplan. Der Freistaat will die Pläne jetzt vorantreiben.

Im oberen Vogtland gibt es geteilte Meinungen zum Thema. Kritik kam beispielsweise aus Bad Brambach. Auch CDU-Landtagsabgeordneter Andreas Heinz lehnt die Pläne ab.

Bewertung des Artikels: Ø 2 Sterne bei 1 Bewertung
6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Zeitungss
    02.10.2019

    @Leserteam: Guter und treffender Beitrag. Sie sind demnach kein Bewohner dieser etwas zurückgebliebenen Gegend, denn sonst müssten Sie anders argumentieren.
    Man wird Ihre treffenden Worte dort nicht verstehen (wollen).

  • 5
    0
    Leserteam
    02.10.2019

    Hallo Gutachter,
    ich arbeite selbst auf einem Stellwerk an dieser Strecke. Sicherlich könnte die Auslastung bei manchen Zügen höher sein, aber zu den Stoßzeiten hat man Fahrgäste. Das aber manche Züge etwas leerer sind, liegt nicht allein an den Reisenden. Wenn man sieht, das am Wochenende keine Busse den Bf Oelsnitz/V. anfahren, sondern nur durch die Stadt, muss man sich nicht wundern. Und unter der Woche fährt der 9er Bus Plauen-Bad Elster fast parallel zur Vogtlandbahn. Ich, im LK Zwickau wohnend wäre froh, wenn ich am Wochenende ÖPNV hätte. Und der Ausbau der Trasse wird benötigt. Wollen wir mehr LKW von der Straße holen, so muss man alle Möglichkeiten ausreizen. Ich denke, das geschieht zum Wohle aller. Auch wenn man manch eine lieb gewonnene Eigenschaft seines Daseins verliert. Aber warten wir alle besonnen ab, was geschieht.

  • 2
    2
    Zeitungss
    02.10.2019

    @Herr Landrat, untertunneln Sie das Bergvolk und bauen die B92 zur Autobahn aus. Anders wird es mit den Anwohnern nicht gehen.
    @Tauchsieder: Auf tschechischer Seite ist die Strecke seit über 40 Jahren bereits elektrifiziert, der Endmast steht sogar auf deutschen Boden. Es gab internationalen Reiseverkehr sowie durchgehende Züge nach Leipzig und auch Dresden. Das heutige Angebot ist demnach ernüchternd. Auf böhmischer Seite verfallen die Anlagen inzwischen, sie werden nicht mehr gebraucht, weil in D. die Bahn inzwischen krebserregend ist und Güterzüge auf die Straße gehören. Die Grünen stehen auch dazu, außer bei Wahlveranstaltungen und danach ist wieder RUHE.
    In anderen Grenzgebieten ist grenzüberschreitender Nahverkehr gängige Praxis und wird ausgebaut, nur beim Bergvolk geht es nicht. Und Tauchsieder, Postkutschen wären Ihnen lieber, die Postsäule in Oelsnitz wäre schon einmal vorhanden.

  • 1
    3
    Tauchsieder
    01.10.2019

    Schön das es bis zur tschechischen Grenze ausgebaut werden soll. Nur bei den Tschechen passiert diesbezüglich nichts. Woher sollen die ganzen Waren und die angeblich vielen zukünftigen Fahrgäste kommen. Schon heute kann man in die Tschechei fahren und es kommen nur sporadisch Fahrgäste.

  • 2
    2
    Interessierte
    01.10.2019

    Oder man will nicht .....

  • 5
    0
    hei
    01.10.2019

    Was ich nicht verstehe:
    Die erwähnten Steigungen gab es schon vor DDR-Zeiten.
    Während der DDR-Zeiten schafften es die Ludmilas und Teigatrommeln, schwere und lange Güterzüge auf dem Trassenabschnitt zu bewegen. Es funktionierte und die Lärmbelastung war auch nur temporär.
    Heute geht das ALLLES nicht mehr?



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...