Bauernmaler schafft Schmuckstücke

Jürgen Schubert aus Morgenröthe-Rautenkranz gibt ausgedienten Milchkannen, Sägeblättern, Gießkannen oder Teigbrettern mit ländlichen Motiven einen besonderen Pfiff. Jedes Stück ist ein Unikat.

Muldenhammer.

Kann durchaus sein, dass auf diesem oder jenem Boden, in einer Abstellkammer eine alte Truhe unbeachtet herumsteht oder ein Schrank mit bäuerlichen Motiven, die niemand mehr so recht aufstellen will, weil sie nicht mehr ansehnlich sind: die Kanten bestoßen, die Farbe verblichen, abgeblättert. Oft scheinen auch große Milchkannen, die hier und da schon eingebeult sind, aber noch ohne Loch, ihren Dienst erfüllt zu haben. Ein Rat: Die alten Sachen nicht gleich zum Sperrmüll schaffen oder klein hacken und durch den Kamin schicken. Jürgen Schubert verleiht ihnen in Morgenröthe-Rautenkranz einen neuen Glanz.

Der 68-Jährige nennt sich Bauernmaler. "Das ist kein Beruf, das habe ich mir angeeignet. Dafür braucht man Talent, eine ruhige Hand und Fantasie." Volkskunst ist seine zweite Passion. Früher war er Schlosser bei der Reichsbahn, beschäftigte sich nebenher aber schon immer mit Pinsel und Farben, bemalte auf Auftrag alten Hausrat. Das nahm aber mit der Zeit solche Ausmaße an, dass er das an den Wochenenden nicht mehr schaffte. Im Jahr 2000 machte er sich mit seinem Hobby selbstständig.

"Ich male alles mit freier Hand. Jedes Motiv lässt sich deshalb bis auf den letzten Pinselstrich nicht genau wiederholen", erklärt Jürgen Schubert und zeigt auf ein großes Teigknetbrett, das gleich neben einer Reihe von Milchkannen steht. Tatsächlich, dafür gibt es ganz sicher keine Schablone. Eine Szene mit einem Bauern ist zu sehen, der zwei Ochsen vor einem Heuwagen nach Hause führt. Darüber hängen Bilder mit einem balzenden Auerhahn und einem Uhu - Motive, die der Fantasie von Jürgen Schubert entsprungen sind und mit denen er auch den Nerv von seinen Kunden trifft. "Jeder hat doch einen ganz eigenen Geschmack. Der Eine mag solche lebendigen Szenen und vielleicht noch mit Lack, der Andere möchte nur schlichte Blumenmotive mit Ranken und so, alles naturbelassen." Bei alten Schränken versucht Jürgen Schubert vorhandene Malereien zu erhalten oder doch zumindest annähernd nachzumalen. Er verwendet dafür hochwertige Acryl- oder Ölfarben. Manchmal muss er sich diese Mühe gar nicht machen, wenn es der Kunde einfach nur abgeschliffen und lackiert haben will. Von furnierten Möbelstücken lässt er ohnehin die Finger, das lohnt nach seiner Meinung den Aufwand nicht.

Früher wurden oft minderwertiges Holz und billige Farben verarbeitet, der Zahn der Zeit hat zusätzlich an den Gegenständen genagt. Spuren nach Gebrauch von mehreren Generationen lassen sich nicht kaschieren, ebenso wenig die sichtbaren Wege eines Holzwurmes. Aus Alt wird eben nicht Neu. "Das finde ich auch nicht schlimm", meint Jürgen Schubert. "Das macht doch erst den Reiz einer alten Truhe oder Kinderwiege aus."

Es spricht sich herum, was er kann und dass er sein Handwerk versteht. In der Werkstatt ist fast kein Plätzchen mehr frei: bemalte Holzschemel stehen neben Milchkannen zur Abholung bereit, an den Wänden hängen mit Blumen oder anderen ausgedachten Motiven Holz- und neuerdings auch Schieferplatten, Küchenbretter, gerahmte Bilder - alles sehr folkloristisch. Was Jürgen Schubert im Kleinen bemalt, das bringt er auch im Großen: Die Fassade vieler Häuser im Oberen Vogtland tragen seine Pinselhandschrift. "Ich kann doch nicht aufhören. Das ist undenkbar. Außerdem macht es mir Spaß."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 0
    0
    Interessierte
    13.08.2018

    Das ist aber schon interessant , das aus DDR-Zeiten ist Retro und das aus Gutsherrenzeiten oder Junkerzeiten sind Unikate ...



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...