Behördenhasser muss lange hinter Gitter

Jahrelang flippte ein 63-jähriger Vogtländer in Gerichtssälen regelrecht aus. Jetzt zeigte er sich plötzlich lammfromm - es half ihm wenig.

Auerbach.

Neun Polizisten und Justizwachtmeister waren es, die den an Händen und Füßen gefesselten Angeklagten ins Auerbacher Amtsgericht eskortierten. Beim Termin zuvor hatten ihn sogar 14 Beamte begleitet. Doch der 63-Jährige verblüffte diesmal alle, die ihn kennen: Statt wild herumzuschreien und zu randalieren, wie er es seit Jahren speziell in Gerichtsgebäuden tut, zeigte er sich lammfromm und beinahe kooperativ. Er nickte zur Angabe seiner Personalien, räumte alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe ein, und er entschuldigte sich tatsächlich bei den Menschen, die er zuletzt attackiert hatte.

Das waren mehrere Justizwachtmeister, die er im Oktober 2017 im Amtsgericht unter anderem als "Nazis" und "Judenschweine" beschimpft hatte, einem spuckte er zudem ins Gesicht. Anschließend zerstörte er im Gerichtssaal noch die Lautsprecheranlage seines Tisches. Zu diesem Zeitpunkt stand der Vogtländer unter Bewährung. Seit September 2018 sitzt der Mann in Haft - möglicherweise hat dies ein Umdenken eingeleitet. Sogar der Staatsanwalt sah Anzeichen für einen "ernsthaften Gesinnungswandel".

Beim Urteilsspruch versuchte der Angeklagte aufzustehen, blieb dann aber doch sitzen - ob nun aus Protest oder wegen seiner angeschlagenen Gesundheit, muss offen bleiben. Richter Helmut Böhmer verhängte eine Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten ohne Bewährung, zusätzlich zur bereits laufenden Haftzeit. Dies bedeutet, dass er bis Ende 2020 hinter Gittern bleibt, wenn er tatsächlich alles verbüßen muss. In die Strafe eingeflossen ist ein zweiter Vorfall im Amtsgericht, bei dem der gelernte Elektromonteur zwei Wachtmeister verletzt hatte.

Als notorischer und aggressiver Behördenhasser war der Vogtländer in den letzten Jahren regelrecht berüchtigt, unter anderem schickte er einen mit Kot beschmierten Brief ans Finanzamt. Das Bundeszentralregister listet neun Vorstrafen auf, außer Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ging es um gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, Diebstahl, Verleumdung und immer wieder um Beleidigung. Nicht nur im Vogtland, sondern auch an seinem damaligen Arbeitsort in Bayern wurde er straffällig. Nach zwei Herzinfarkten ist er seit Jahren krank geschrieben. Im Herbst musste ein Prozess abgebrochen werden, weil er kurz nach Beginn über Herzbeschwerden klagte.

Auch Richter Helmut Böhmer würdigte die Tatsache, dass der Angeklagte ein - wenn auch halbherziges - Geständnis ablegte und sein Verhalten bedauerte. Dies sei beim Strafmaß berücksichtigt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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