Bergbau-Neustart in Schönbrunn: Freistaat verhandelt mit Pächter

Eine sächsische Firma will die Flussspatvorkommen im Vogtland fördern. Warum der Schatz in der Erde nahe Oeslnitz wieder gefragt ist.

Schönbrunn.

Vorzeige-Bergwerk im Vogtland: Der Freistaat kommt seinem Ziel immer näher, den Flussspatabbau in der seit 25 Jahren stillgelegten Grube Schönbrunn mit einer top-modernen Anlage wieder aufleben zu lassen. Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) verhandelt im Auftrag der Landesregierung mit einem fachkundigen sächsischen Unternehmen intensiv über den Abschluss eines langfristigen Pachtvertrages. Das bestätigte SIB-Sprecherin Andrea Krieger. Um welches Unternehmen es sich dabei handelt, will sie wegen der laufenden Verhandlungen nicht sagen - auch nicht, ob es bereits die behaupteten Flächenkäufe im Umfeld der Grube gibt.

Fakt ist: Zwei Jahre nach dem Besuch von Sachsens Finanzminister Georg Unland (CDU) auf dem Gelände wird es konkret. Am nächsten Mittwoch, 18 Uhr informiert die Bergbau Beteiligungs- und Verwaltungsgesellschaft Sachsen öffentlich im Verwaltungs- und Finanzausschuss des Stadtrates Oelsnitz zur Grube. Nach der Vorstellung im Ratssaal können Bürger dazu Fragen stellen. Die Bergbau Beteiligungs- und Verwaltungsgesellschaft Sachsen wurde 2012 gegründet. Der Zweck der Firma mit Sitz in Halsbrücke bei Freiberg: Die Beteiligung an der Spatbergbaugesellschaft Vogtland, die am gleichen Ort sitzt.


In der Lagerstätte Schönbrunn-Bösenbrunn sind laut Unland Vorkommen von 1,5 Millionen Tonnen Flussspat "halbwegs gesichert". Das reiche, dass sich Investitionen über viele Jahre amortisieren. Flussspat ist als wichtiger Rohstoff knapp. Überall weltweit werden wegen teurer Weltmarktpreise durch die Monopolstellung der Chinesen alte Gruben wieder aufgefahren, 2013 auch in Niederschlag im Erzgebirge. Die nun an Schönbrunn interessierte Firma hat an einer internationalen Ausschreibung des SIB zur Verpachtung der Grube teilgenommen.

Bevor die Förderung in Schönbrunn wieder startet, sind umfangreiche Genehmigungsverfahren nötig. Freistaat Sachsen und Firma wollen, dass das zügig geht, sagt SIB- Sprecherin Andrea Krieger. Einen konkreten Zeitplan gibt es aber noch nicht.


Die Flussspatgrube Schönbrunn

Mit der Einstellung der Förderung in der Flussspatgrube Schönbrunn endet am 31. Januar 1991 vorerst der vogtländische Bergbau. Mit dem letzten Hunt voll Spat gingen an diesem Tag 123 Jahre Produktionsgeschichte zu Ende - und ein halbes Jahrtausend Schönbrunn als bedeutendes Bergbaurevier mit ab Ende des 15. Jahrhunderts abgebauten großen Kupfer- und Zinnvorkommen.

Aus der Flussspatgrube waren seit 1868 zwei Millionen Tonnen Rohspat gefördert worden. Allein seit 1980 war es eine Million - mit einem Anteil Calciumfluorid, wie Flussspat als chemische Verbindung heißt, von 46 Prozent. Mitte der 1990-er Jahre gab es Bemühungen, vor allem das 30.000 Jahre alte, 35 Grad warme Mineralwasser der Grube als Thermalbad zu nutzen - vergebens: Ab 22. Dezember 1997 wurde die Grube geflutet. Experten sehen darin jedoch kein Hindernis.

Eingesetzt wird das kristallisierende Mineral Flussspat zum Beispiel als Flussmittel bei der Eisenverhüttung, zur Herstellung von Fluor, in der optischen Industrie und bisweilen auch als Schmuckstein.

An die Bergbautradition erinnert heute vor Ort wenig: 2010 wurden bis auf den Zentralschacht alle Gebäude in Schönbrunn abgerissen.

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