Berufssoldat als Bürgermeister: Engerer Kontakt zu Staatsbädern

Maik Schüller tritt zur Bürgermeisterwahl am 9. September als Einzelkandidat an. Er hat sich genau überlegt, wo er die Hebel ansetzen würde.

Maik Schüller will in vier Wochen Bürgermeister von Bad Brambach werden. Mit Jürgen Lenk (CDU) und Torsten Schnurre (Einzelkandidat) hat der 39-Jährige bei der Wahl am 9. September zwei Mitbewerber.

Von Ronny Hager

Seiner Heimat Bad Brambach hätte Maik Schüller schon oft den Rücken kehren können. Er hat es nicht getan, obwohl die Bundeswehr dem Berufssoldaten da manche Möglichkeit eröffnete. Nein, das Band mit Bad Brambach wird gerade noch viel stärker geknüpft als ohnehin: Der 39-jährige Vater von zwei Kindern baut mit seiner Partnerin sein Elternhaus aus - und er will Bürgermeister seines Heimatortes werden. Am 9. September geht er zur Wahl des Rathauschefs als Einzelkandidat ins Rennen.

Die Entscheidung dazu ist eigentlich schon 2015 gefallen, erzählt Maik Schüller. "Damals war ich aber zu spät dran", gibt er zu, sich bereits vor drei Jahren mit dem Gedanken, zu kandidieren, getragen zu haben. Damals war der kürzlich altersbedingt ausgeschiedene Helmut Wolfram ein fünftes Mal an die Spitze der Gemeinde gewählt worden. Maik Schüller zollt ihm und seiner Leistung Respekt, sieht aber Handlungsbedarf. Im Sinne der Bad Brambacher müsse sich einiges tun. "Ich will mich bemühen, dass es vorwärts geht - dass es nicht nur jetzt lebenswert ist, sondern auch so bleibt", betont er.

Aus seiner Sicht ist ein partei- loser Bürgermeister am besten. Er selbst geht nur als Einzelkandidat an den Start, wäre nicht für eine Partei angetreten. Mit Blick auf den Wandel des Parteiengefüges in Sachsen könne das ja nicht schlecht sein, sondern eher ein Vorteil, glaubt Schüller. "Ich treffe die Entscheidungen im Sinne der Anwohner, zugunsten der Bad Brambacher und nicht im Sinne irgendeiner Partei." Ein Schwerpunkt für Schüller: Bad Brambachs Stellung als Kurort aufpolieren. Mit der Lage in waldreicher Landschaft müsse gewuchert werden - und die Infrastruktur müsse stimmen. Das betreffe neben Bad Brambach auch die Ortsteile, erinnert er an den Kampf für den Bau der Dorfstraße in Raun. Um Kurgäste zu locken und zu halten, müsse das Angebot stimmen - etwa in der Gastronomie oder mit einem Treffpunkt für junge Leute. Zu den Staatsbädern will Schüller wieder einen engeren Kontakt pflegen und hat sich vorgenommen, "vernachlässigte Wanderwege" um den Ort in Schuss bringen zu lassen. Das Thema Kur sei kein Auslauf-, sondern ein Zukunftsmodell, schätzt der Bürgermeisterkandidat ein. "Das Geld liegt auf der Straße. Es hebt nur keiner auf."

Ein zweites wichtiges Thema: Es fehlt ein Allgemeinarzt. "Ein großes Problem. Das wurde komplett verschlafen. Das hätte ich schon vor 20 Jahren sagen können", so Schüller. Wie will er das Problem lösen? Er habe mit Medizinern gesprochen, sagt er. Ihm schwebt vor, die Ärzte mit der Einrichtung einer Praxis in Bad Brambach für geraume Zeit an den Ort zu binden, sagt er. Ein drittes Feld: Einkaufen. "Wer einen Knopf braucht, der muss bis Adorf fahren", beschreibt er die Gegenwart. Er würde mit Verkaufseinrichtungen reden, ob nicht eine Ansiedlung in Bad Brambach vorstellbar sei, sagt er. Der Kandidat weiß auch, dass es manchmal an hohen Hürden für bauwillige junge Familien liegt, dass sie wegziehen und nicht mehr zurückkehren. Schüller will hier seinen Spielraum als Bürgermeister soweit als möglich ausnutzen.

Eine mögliche Kurort-Ehe mit Bad Elster lehnt er strikt ab. "Bad Brambach muss autark bleiben", fordert Maik Schüller und sieht auch die Notwendigkeit, darauf innerhalb der Politik der Staatsbäder zu achten. Denn es gebe ja nicht nur Bad Elster, auch anderswo klappe es, sagt der Bewerber, nennt die böhmischen Bäder oder auch Bad Steben.

Kommunalpolitische Erfahrungen hat Maik Schüller bisher nicht, hat aber als Soldat in der Arbeit im Landeskommando Sachsen 2012 bis 2017 in Abläufe etwa in Zusammenarbeit mit dem Innenministerium hineingeschnuppert. Falls es mit der Wahl zum Bürgermeister klappt, ist sowohl ein Telearbeitsplatz als auch eine Dienstbefreiung möglich, sagt der Obervogtländer, der seit 22 Jahren bei der Bundeswehr und seit gut 15 Jahren Berufssoldat ist. Derzeit ist Schüller in der Oberpfalz stationiert, doch der Weg heim ist kurz: Dass er seit Generationen in Bad Brambach verwurzelt ist, sieht er als Vorteil: "Hier kennt jeder jeden - und man kann bei mir mal klingeln, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist", sagt der Bürgermeisterkandidat, der in den Wäldern rund um Raun seinem Hobby, der Jagd, nachgeht.

Ein Bürgerforum mit den drei Kandidaten findet am 30. August, 18.30 Uhr in der Festhalle Bad Brambach statt.

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