Bombenfund in Plauen: Tierheim nach Oelsnitz evakuiert

Staus, Chaos im Wohngebiet und ein Umzug von mehreren Hunden und Katzen: Eine Bombenentschärfung im Eigenheimgebiet rund um den Galgenberg hat gestern Kreise gezogen. Das könnte bald wieder passieren.

Plauen/Oelsnitz.

Die Bombe hat in Fachkreisen niemanden überrascht. "Der Fundort gilt als Verdachtsfläche", sagt Stadtsprecherin Silvia Weck. Gerade richtet eine Baufirma ein neues Eigenheimgebiet vor. Es heißt "An der Eiche" und liegt im Süden Plauens, in Reinsdorf. Weil im Zweiten Weltkrieg dort Bomben fielen, durchkämmen Kampfmittelsucher den Boden mit Metalldetektoren.

Am Montagabend fanden sie einen Blindgänger. Amerikanischer Bautyp, 250 Kilo schwer, verrostet und verbeult. Wegen der einbrechenden Dunkelheit hat der verantwortliche Sprengmeister die Bombe über Nacht gesichert und das Entschärfen auf gestern verschoben. Am Mittag konnte Joachim Auerswald vom Kampfmittelbeseitigungsdienstdie beiden Zünder abschrauben und die Bombe zum Abtransport freigeben. Weitere Funde in dem Gebiet schließen die Experten nicht aus.

Trotz zahlreicher Bombenfunde gab es in Plauen gestern die aufwändigste Evakuierung der vergangenen Jahre. Im Sperrbezirk liegen Kleingartenkolonien und das Tierheim, dazwischen zahlreiche Einfamilienhäuser. Tierheimchefin Katrin Soellner hatte schon am Vorabend erfahren, dass sie ihre Bewohner in eine Notunterkunft bringen muss. "Wir arbeiten hier ehrenamtlich. Viele von uns haben sich freigenommen, damit sie helfen können", sagt Katrin Soellner. Ihre Helfer pendelten mit Kleintransportern und Privatautos zwischen Plauen und Oelsnitz.

20 Hunde und 20 Katzen brachten sie ins ehemalige Landratsamt in Oelsnitz. Seit dem Umzug in die neue Behördenzentrale im Plauener Stadtzentrum stehen dort Räume leer. Es gibt ein Gebäude, das als Tierseuchenkrisenzentrum dienen soll. Ein Teil der evakuierten Hunde gilt als aggressiv. Die wollte die Tierheimchefin aus der Schusslinie nehmen, falls der Krisenfall passiert und die Tiere ausbrechen. Kleinere Tiere und die Freigänger-Katzen ließ sie zurück: "Die Evakuierung wäre zu stressig für sie, und im Notfall könnten sie flüchten." Katrin Soellner selbst gehört zu den rund 500 Bewohnern des Sperrbezirks. Sie brachte auch ihre eigenen Hunde und Katzen in Sicherheit.

Zwei Stunden lang lief ein Evakuierungstrupp am Morgen das Viertel ab. "Manche wollen nicht raus", sagt Ordnungsamtschef Wolfgang Helbig. Auf Diskussionen ließ sich die Behörde nicht ein. Wer nicht gehe, dem drohe Zwangsräumung und vorübergehende Festnahme. "Das Risiko kann keiner verantworten", sagt Helbig. In den Gartenanlagen hatten die Evakuierer einen schweren Job. Manche Kleingärtner verließen ihre Sparte durch den Vordereingang und kehrten über einen Schleichweg in die Laube zurück.

125 Einsatzkräfte von Stadt, Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst waren vor Ort, evakuierten und errichteten Straßensperren. Im Umfeld entstanden zeitweise Staus, und auch die Anschlussstelle Süd der Autobahn 72 blieb vorübergehend gesperrt. Am Ende überflog ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera die Gegend, um Personen ausfindig zu machen, die zurückgeblieben waren.

Die nächsten Wochen könnten anstrengend werden für die Menschen, die gestern ihre Wohnungen verlassen mussten. Die Metalldetektoren der Kampfmittelsucher haben im Baugebiet an mehreren Stellen angeschlagen. Dort wird in den nächsten Wochen gegraben und nach weiteren Blindgängern gesucht. Die neue Eigenheimsiedlung "An der Eiche" dürfte sich indes schnell füllen. Zwei Drittel der 52 Grundstücke haben sich potenzielle Häuslebauer schon reserviert.


Tierasyl in Oelsnitz

Freiwillige Helfer und Mitarbeiter des Veterinäramtes begannen gegen 8.30 Uhr die Tiere in Transportboxen unterzubringen. Decken und Körbchen wurden organisiert. Ihr vorübergehendes Zuhause fanden die Vierbeiner im Erdgeschoss und in der ersten Etage des Altbaus in der Stephanstraße 9 in Oelsnitz, im Gebäude des Veterinäramtes. Unterstützt wurde die Aktion mit mehreren Fahrzeugen, auch Privatautos.

Der Rücktransport begann bereits am Nachmittag nach der Bombenentschärfung. Viele ehrenamtliche Helfer packten mit an. Sie halfen auch, den ursprünglichen Zustand des Gebäudes in Oelsnitz wiederherzustellen, so die Landkreisverwaltung.

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