Brauerei-Kleinod einzigartig im Vogtland

In Schöneck gibt es ein kleines Museum, das sich der Tradition des Brauhandwerks widmet. Jetzt wird es 25 Jahre alt.

Schöneck.

Eberhard Roth kommt immer wieder ins Schwärmen, wenn er Besucher durch das Schönecker Brauereimuseum führt: "In der Einrichtung war alles durchdacht bis ins Detail. Da gibt es keinen verschenkten Platz." Roth ist ein Fachmann vom Bau und auch als solcher staunt er über die Lösungen, welche die alten Braumeister für ihre Gebäude gesucht und auch gefunden haben.

Im Museum und in der Brauschänke werden neben Maschinen und Anlagen interessante Details der Braukunst aus der Zeit um 1900 gezeigt. Sofern sie noch vorhanden waren, wurden sie für die Ausstellung wieder hergerichtet - eine Schrotmühle ebenso wie die ehe- malige Flaschenabfüllanlage, historische Thermometer, Flaschen mit Bügelverschluss.

Das Bierbrauen hat in Schöneck lange Tradition. Schon Pfarrer Marbach schwärmte 1730 vom Gerstensaft. Um 1850 waren in der Stadt 141 Bürger brauberechtigt. Das Brauereigebäude wurde erst nach dem Stadtbrand von 1856 errichtet. Die Anfänge der dort beheimateten Brauerei reichen aber wahrscheinlich bis 1840 zurück. Bis 1872 war es die Brauerei Korndörfer, bis 1896 befand sich das Brauwesen in städtischem Besitz, danach übernahm es bis 1967 die Familie Denk.

Die einstige Denk-Brauerei ist die einzige ihrer Art im Vogtland, die noch originalgetreu erhalten ist. 1936 war sie das letzte Mal saniert worden, neben einem neuen Sudkessel wurde seinerzeit auch ein stärkerer Elektromotor eingebaut. Die alte Transmission funktioniert noch immer. Das letzte Bier war 1948 gebraut worden, die Abfüllanlage blieb bis 1967 in Betrieb.

Ein Vierteljahrhundert gibt es nun das Schönecker Museum. 1990 hatte Eberhard Roth zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Wolfgang Müller das historische Gebäude gekauft, um daraus wieder einen Anziehungspunkt zu machen - mit Gaststätte, Pension und Café. Mit Erfolg, denn allein die alte Brauanlage schauen sich inzwischen jährlich an die 3000 Besucher an.

Überregional bekannt wurden Schöneck und sein Museum, als 2015 der Dresdner Film- und Videoproduzent Thomas Eichberg einen Streifen über die 1000-jährige Brautradition in Sachsen drehte. Jürgen Haase, in der Theatersaison auf der Felsenbühne Rathen als Old Shatterhand zu erleben, begab sich damals als Bierscout auf die Suche nach Stätten der Brautradition. Eberhard Roth konnte ihm dabei von einem fast alkoholfreien Weizenbier erzählen, das bei Denk in Schöneck ebenso gebraut wurde, wie Malzbier und helles Vollbier, oder ein Bockbier mit 16 Prozent Stammwürze.

Beim Tag des offenen Denkmals 2010 wurden erstmals Besucher in den einstigen Bierkeller geführt. Dessen Gewölbe hatte man in den Jahren 1912/13 regelrecht in den Fels unterhalb des Alten Söll gebrochen. In gut zehn Metern Tiefe entstanden zwei Räume, die einer Kathedrale ähneln - fünf Meter breit, vier Meter hoch und etwa 13 Meter lang. Eis hielt die Temperatur im Keller bei etwa fünf Grad Celsius.

Das 25-jährige Jubiläum wird an diesem Wochenende mit dem traditionellen Brauereifest gefeiert. Am Samstag beginnt in der Schönecker Brauschänke 16 Uhr ein abwechslungsreichen Programm, ab 20 Uhr spielt die Gruppe Cocktail zum Tanz auf. Am Sonntag schließt sich 10 Uhr ein musikalischer Frühschoppen mit den Schönecker Lausbuam an.

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