Buch erzählt von prägendem Betrieb

Von 1954 bis 2003 gab es die Musima. Zwei Journalisten haben die Geschichte des Markneukirchner Musikriesen aufgeschrieben. Ein Schlusspunkt in doppelter Hinsicht.

Markneukirchen.

Nach fast 50 Jahren hat sich am Sonntagmittag im Foyer der Musikhalle Markneukirchen ein Kreis geschlossen. Als Jugendlicher, der mit zwölf die ersten Töne auf der Gitarre gezupft hatte, sah Thomas Fröhlich in der ZDF-Hitparade einen Auftritt des Gesangsduos Hauff & Henkler. Auf der Decke von Henklers Gitarre stand ganz groß der Schriftzug Musima. Was Musima ist und heißt, bekam Fröhlich, später Wirtschaftsjournalist der "Süddeutschen Zeitung", schnell heraus. Dass er Jahrzehnte später ein Buch über Musima, das prägende Unternehmen des Musikwinkels schreiben würde, war eine größere Aufgabe. Jetzt ist sie geschafft - mit seinem Journalistenkollegen Klaus Gertoberens an der Seite und vielen Helfern aus Markneukirchen, vor allem früheren Musima-Beschäftigten, die sich dem neugierigen Buchautor öffneten.

"Da haben Sie sich ja was vorgenommen", hieß die Reaktion von Heidrun Eichler, Direktorin des Musikinstrumenten-Museums Markneukirchen von 1995 bis 2019, auf Fröhlichs telefonischer Bekundung, er wolle ein Musima-Buch schreiben. Denn so prägend der 1954 etablierte Betrieb für Stadt und Region war - nach Erweiterungen zeitweise größter Hersteller von Musikinstrumenten in Europa -, so hat sich der Name Musima auch in viele Lebensläufe eingeprägt. Nicht jeder will daran erinnert werden, nicht 30 Jahre nach dem Umbruch und 17 Jahre nach dem Aus der Firma. Beim Namen Musima kann einziger, vielleicht gar nicht so gemeinter Zungenschlag Wunden wieder aufreißen. Zugleich besteht eine erhebliche Fallhöhe, wenn Autoren es bei Musima mit ihrer eigenen Lesart versuchen. Diese Klippen will das neue Buch, erschienen als Band 9 der Reihe "Meisterleistungen deutscher Instrumentenbaukunst" des Museums und seines Fördervereins, umschiffen. Coronabedingt fiel die Vorstellung im Mai parallel zur Sonderausstellung Musima-Gitarren in der Stadtgeschichtsschau im Gerber-Hans (bis 31. Oktober, offen dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr) aus. Die Musikhalle half mit ihrem Foyer als Ausweichort, freut sich Stefan Hindtsche, der neue Museumsdirektor. Dem Buch hat die zusätzliche Zeit gut getan, meint Heidrun Eichler. "Es liest sich sehr gut, ein journalistischer, unterhaltsame Stil."

Die Matinee zur Buchpräsentation war keine trockene Abfolge von Worten: Als Laienmusiker griff Thomas Fröhlich zu seiner Musima-Westerngitarre, sang Klassiker von Steve Goodman ("City of New Orleans") oder Ralph McTell ("Streets of London") und stimmte auch eigene Instrumentalkompositionen an.

Ein zweiter Kreis schloss sich an diesem Sonntag, fast unbemerkt. Als Zupfmusikern spielte Heidrun Eichler (auch) auf Musima-Gitarren. Vor allem aber sah sie das Buch als einen würdigen Schlusspunkt für sich selbst an. "Es ist mein letztes Projekt", verriet die 63-Jährige, die am heutigen Dienstag auf den Tag genau 40 Jahre hauptamtliche Museumsmitarbeiterin ist. Im nächsten Frühling hört sie auf. Nach 50 Jahren im Museum, wo sie seit dem 14. Lebensjahr zunächst ehrenamtlich arbeitete und dessen Chefin sie für ein Vierteljahrhundert gewesen ist.

Das Buch "Musima - Gitarren für die ganze Welt. Ein Musikreise aus Markneukirchen und seine Geschichte 1954 - 2003" von Thomas Fröhlich und Klaus Gertoberens ist im Umfang von 186 Seiten zweisprachig deutsch/englisch erschienen und entstand in Druckerei Tiedemann Markneukirchen. Es ist zum Preis von 27 Euro erhältlich (unter anderem im Museum Markneukirchen unter Ruf 037422 2018) und unter ISBN 978-3-9819816-2-9 bestellbar.

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