Bürger meistern Katastrophe

Dank des Einsatzes vieler sind die Hochwasserschäden in Mühlental nicht noch größer ausgefallen. Dennoch: Die Folgen werden lange zu spüren sein.

Mühlental.

In der Ausnahmesituation des Hochwassers Ende Mai haben Mühlentaler großen Gemeinschaftsgeist bewiesen. Diese Bilanz zog Vizebürgermeister Karli Staer (Wählervereinigung Tirschendorf) am Dienstag zur Einwohnerversammlung in Marieney, in der die Unwetterbilanz Thema war. "Danke an alle die, die freiwillig geholfen haben. Das war tadellos, hat einwandfrei gepasst. Besser kann man es sich nicht wünschen", sagte Staer vor gut 40 Gästen. Drei schwere Gewitter hatten vor allem Unterwürschnitz und Marieney schwer erwischt. "Das Wasser macht sich Bahn. Das kann niemand halten, kein Mensch, keine Technik der Welt", betonte Staer.

Die Gesamtschäden sind derzeit mit 2,2 Millionen Euro beziffert. Allein die weggespülte Würschnitzgasse in Unterwürschnitz steht mit 1,24 Millionen Euro in der Bilanz. Hier schufteten viele lange, damit zwei abgeschnittene Häuser wenigstens eine Notzufahrt über den Kartoffelsteig zur Straße Elstertal-Marieney erhielten. Der Neubau der Würschnitzgasse kann bestenfalls noch dieses Jahr projektiert, 2019 ausgeführt werden, so Staer. "Das wird eine Jahresbaustelle." Ab 4. Juli sind Instandsetzungen an der Straße Oberwürschnitz-Marieney geplant. In Unterwürschnitz haben kleine Bäche Leitungen freigelegt, Erdreich bis auf den Felsen weggespült. "Das können wir erst reparieren, wenn der Kabelbau durch ist", so Staer - bereits vor 14 Tagen wurde der Schaden besehen. Leitungen werden neu eingesandet, Masten gesichert, dann folgt der Wegebau. Was Karli Staer sehr freut: "Die Anlieger sind trotz allem gut drauf. Sie haben Verständnis. Du kannst mit ihnen reden."

In der vom Vizebürgermeister angeregten Diskussion gab es einige Hinweise. So regte Michael Wimmer aus Unterwürschnitz an, die Arbeit in der Ausnahmesituation zu strukturieren und bot Unterstützung an. Er fragte auch, warum die reguläre Gemeinderatssitzung am 7. Juni ausfiel. Staer: "Wir waren nicht in der Lage, daran zu denken. Wir haben zig Stunden durchgearbeitet, damit der Weg zu den abgeschnittenen Häusern befahrbar ist. Das war das Wichtigste, und ich muss entscheiden was, was wichtig ist. Das habe ich gemacht." Arndt Doll aus Zaulsdorf schlug vor, größere Buschreihen zu pflanzen. Damit habe Tirpersdorf gute Erfahrungen gemacht. Dies wäre etwa an der Kreuzung der Straßen von Willitzgrün, Ober- und Unterwürschnitz denkbar, meinte Staer. Da sich viel Wasser in Unterwürschnitz wie in einem Trichter sammelte, Spielplatz und Würschnitzgasse flutete, kam die Anregung, die Abflüsse stärker zu verteilen. Auch Fragen zu Sandsackdepots wurden gestellt. In Marieney kommt trockener Sand aus dem Sandkasten im Kindergarten, hieß es von der Feuerwehr.

Ein Problem sei auch, dass das bestehende Kanalsystem nicht für die anfallenden Wassermassen ausgelegt sei, so Marcus Schubert, der im Gemeindebauhof arbeitet. Das habe sich etwa am Marieneyer Julius-Mosen-Weg gezeigt: Früher, als manche Wege unbefestigt waren, hätte Wasser ablaufen können. Nun sei oft asphaltiert, durch Borde könne Wasser nicht von der Straße - Ergebnis: geflutete Grundstücke. Seine Worte waren auch ein Plädoyer, beim immer wieder geforderten Bau der Hauptstraße in Marieney den in den 50er Jahren verlegten Kanal auszutauschen. Viele Hinweise gab es zu Hochwasserschäden an Straßen und deren Bauzustand - "Freie Presse" greift dieses Thema nochmals auf.

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