Buslinie 21 zwischen Plauen und Hof fällt künftig weg

Berufspendler Stefan Fritz muss sich auf aufwändige Fahrten einstellen. Seine Hilferufe an die Herren Kretschmer, Söder, Keil, Steinmeier und Dulig verhallten wirkungslos.

Plauen.

Er ist Berufspendler und legt seinen täglichen Arbeitsweg vom Pöhler Ortsteil Jocketa nach Hof in öffentlichen Verkehrsmitteln zurück. Doch wie es ab dem 13. Oktober weitergehen soll, das weiß Stefan Fritz noch nicht. Mit Einführung des als Quantensprung im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gepriesenen Vogtlandnetzes 2019+ entfällt die Buslinie V-21 zwischen Plauen und Hof komplett. Doch im eh schon dürftigen länderübergreifenden Verkehrsangebot gibt es für den Vogtländer auch mit dem Vogtlandnetz 2019+ keine brauchbare Alternative.

Das räumt auch der zuständige Verkehrsverbund Vogtland (VVV) ein, obwohl mit dem neuen Konzept für die meisten Fahrgäste erhebliche Verbesserungen einhergehen sollen. Geschäftsführer Sebastian Eßbach begründet das Aus der wochentags achtmal und samstags zweimal verkehrenden Buslinie V-21 mit "statistisch weniger als sechs Fahrgästen je Fahrt". Da der Hauptteil der Fahrgäste Plauen und Hof als Zielorte ansteuere, empfiehlt Eßbach die Bahn. Der Regionalexpress (RE) 3 Dresden-Plauen-Hof fährt stündlich.

Doch mit der Bahn weitet sich der Arbeitsweg zur täglichen Reise aus. Wie bisher, müsste er per Vogtlandbahn von Jocketa zum Oberen Bahnhof Plauen fahren, dann mit dem RE 3 nach Hof und vom dortigen Bahnhof durch die ganze Stadt zu seiner Arbeit. "Der Zeitaufwand ist immens", sagt Stefan Fritz und bringt einen Kompromiss ins Spiel. Früh und abends sei der Bus gut besetzt. Könnte wenigstens dieses Minimalangebot erhalten bleiben?

Doch das sehen die Pläne im Vogtlandnetz 2019+ nicht vor. Normale Busse sollen künftig nicht mehr bis Oberfranken, sondern nur bis zum Globus-Markt Weischlitz eingesetzt werden, kündigt Sebastian Eßbach an. Im dünn besiedelten sächsisch-bayerischen Grenzgebiet setzt der Verkehrsverbund künftig indes komplett auf Rufbusse.

Nicht nur zeitlich muss Stefan Fritz draufzahlen, auch finanziell. Bisher bezahlt er für Vogtlandbahn- und Bus-Monatskarte 219 Euro - künftig wären es 249 Euro und zusätzlich etwa 45 Euro für die Pendlerkarte in Hof.

Als routinierter Nutzer des Nahverkehrs, der nichts weiter will als eine zeitlich akzeptable, bezahlbare und zudem auch ökologisch sinnvolle Hin- und Rückfahrt zwischen Arbeits- und Wohnort, hat Stefan Fritz sehr zeitig auf das reagiert, was da auf ihn und andere Betroffene zukommt. Ganz zu schweigen von all den potenziellen Nutzern, die angesichts der dürftigen länderübergreifenden Angebote von vornherein aufs eigene Auto setzen.

Geradezu atemberaubend ist die Odyssee, die er bei seinem Kampf erlebt hat. Stefan Fritz wandte sich an den ÖPNV-Geschäftsführer und später auch an den Vorsitzenden, Landrat Rolf Keil (CDU), der den Unmut "sehr gut verstehen", aber angesichts der geringen Fahrgastzahlen nichts ändern kann. Vor ziemlich genau einem Jahr teilte Keil mit, bei den Abstimmungen sei von bayerischer Seite die Linie 21 abgelehnt worden.

Auch andere Hilferufe verhallten. Als Sozialdemokrat schrieb Fritz an den SPD-Wirtschaftsminister Martin Dulig: "Hallo Martin, ein Genosse der SPD wendet sich an Dich." Ein Abteilungsleiter antwortete ausschweifend, dass sich mit dem neuen Busnetz doch sehr viel verbessern werde und dass es nur "für einzelne Bürger" zu Verschlechterungen kommen kann.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ließ in einem Antwortschreiben Verständnis für den Unmut erklären, während sein bayerischer Amtskollege Markus Söder (CSU) gar nicht reagierte. Eine freundliche Antwort kam von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), der zwar von Amtswegen nicht Einfluss nehmen darf, das Anliegen aber ans Wirtschaftsministerium in Dresden weiterleitete.

Stefan Fritz winkt ab. "Die Quittung", sagt der verhinderte Fahrgast, "gibt's ab jetzt an der Wahlurne."

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