Carlsfelder schöpfen neue Hoffnung

Der Eibenstocker Ortsteil gilt als eines der schneesichersten Gebiete in deutschen Mittelgebirgen. Doch seit Jahren gehen die Gästezahlen zurück.

Eibenstock/Carlsfeld.

Wer im Winter Carlsfeld ansteuert, will auf die Kammloipe oder zum Skihang am Hirschkopf. Und was hätte man sonst in der 700-Seelen-Gemeinde verloren? "Der Ort ist touristisch wenig ausgebildet, die Hauptattraktion liegt auf dem Berg. Der Ort sieht an den Eingängen wenig einladend aus, kein Moment, wo man hängen bleibt." So zitierte Stadtplaner Michael Kroll aus der Studie, die das Dresdner Büro Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH für Carlsfeld erstellt hat.

Dem Eibenstocker Ortsteil soll touristisch auf die Beine geholfen werden. Ansätze dazu hat es laut Bürgermeister Uwe Staab (CDU) in den vergangenen Jahren mehrfach gegeben. Dabei sei man "gestolpert über schlechte Berater, die ihr Unwesen getrieben haben", sagte er zur Stadtratssitzung, in der das Entwicklungskonzept vorgestellt wurde. Anklang gefunden habe es in einer bereits stattgefundenen Einwohnerversammlung, so Ortschaftsratsvorsitzender Christoph Beetz. "Es gab Vorurteile, weil so viele Anläufe schon in die Hose gegangen sind", sagte er. Die Situation werde seit 10, 15 Jahren immer schwieriger. "Uns geht der Dampf aus." Der Ansatz der neuen Studie sei richtig, "wir haben etwas Greifbares, was den ganzen Ort einschließt", schätzte er ein.

Was die Planer im Wesentlichen festgehalten haben, stellt "Freie Presse" im Folgenden zusammen:

Was hat Carlsfeld zu bieten? Eine reizvolle Naturlandschaft, die gut zum Erholen geeignet ist. Hohe Schneesicherheit, vorhandene Wintersportangebote, umfangreiches Rad-, Ski- und Wanderwegenetz, gutes Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten. Gäste bewerten Gastronomie und Beherbergung gut. Schwerpunktthemen wie Wintersport, Rad/Wandern, Bandonion und Sapperland sind "vielfältig und ausbaufähig".

Wo hakt es im touristischen Angebot? Das Ortszentrum ist "wenig attraktiv. Für das Sommerhalbjahr gibt es kaum Angebote. Für die letzten zehn Jahre wurden "kontinuierlich sinkende Übernachtungszahlen" festgestellt. Die technische Infrastruktur auf dem Hirschkopf weist Defizite auf. Carlsfeld liegt relativ weit entfernt von der Autobahn und hat eine schlechte Anbindung im öffentlichen Personennahverkehr.

Was schlagen die Planer für Hang und Hirschkopfplateau vor? Auf dem Hirschkopfplateau soll ein neues Multifunktionsgebäude entstehen, der Skilift um etwa 380 Meter bis in die Nähe des Bahnhofsgebäudes verlängert werden. Probleme, die von den Planern im Transport auf das Hirschkopfplateau gesehen werden, sollen durch einen auch für Fahrräder geeigneten Sessellift behoben werden. Als weitere Möglichkeiten der Aufwertung werden genannt: erweiterte Beschneiungsanlage, Sommernutzung der Loipen für Inline-, Skiroller-, Waveboard- und/oder Radfahrer, Errichtung eines Kinderspielplatzes auf dem Hirschkopfplateau, Schaffung von Sitzmöglichkeiten (Picknickareal), Kletterparcours, Klettergerüst oder Baumwipfelpfad.

Was muss sich im Ort selbst verbessern? Der bis zum Bahnhofsgelände verlängerte Lift braucht eine neue Talstation. Im Ort sollten öffentliche Toiletten und ein touristisches Leitsystem geschaffen werden. Der Neubau eines Sporthotels, die Schaffung eines attraktiven Ortszentrums auf dem Bahnhofsgelände, die Errichtung einfacher Stellplätze für Wohnmobile sowie Ausbau der Nutzung von Trinitatiskirche, Hammerherrenhaus und Bürgerhaus sind weitere Vorschläge.


Kommentar: Nur Natur?

Sporthotel, Nordic Park, Dorfplatz mit Touristeninfo, verlängerte Loipe - das sind Visionen, die Planer aus Dresden für den kleinen Ort Carlsfeld entwickelt haben. Die Latte ist ziemlich hoch gelegt. Ob Privatinvestoren Interesse haben, wenn erst einmal die Voraussetzungen geschaffen sind, ist völlig offen. Keiner hat Interesse an einem Wolkenkuckucksheim im Drei-Talsperren-Land. Wohl aber an der Entwicklung des Tourismus, denn davon partizipieren viele. Es hieß, dass alle im Ort Interesse an einer Verwirklichung haben. Ob dann allerdings noch mit unberührter Natur und Ruhe gepunktet werden kann, wie es jetzt zum Beispiel auf Carlsfelds Internetseite der Fall ist, ist fraglich.

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