Das fast vergessene Instrument

Die Rolmonica ist noch heute ein bei Sammlern beliebtes Instrument. Dass diese auch in Zwota gebaut wurden, ist dagegen kaum mehr bekannt. Es gibt aber eine ungewöhnliche Verbindung in die USA.

Zwota/Baltimore.

Ein Gehäuse aus Bakelit, dem ersten vollsynthetischen, industriell produzierten Kunststoff, in das eine Mundharmonika eingesetzt war, dazu Musikrollen und zwei Handkurbeln - das ist die Rolmonica. Die kleinen Papierrollen waren so ausgestanzt, dass die Löcher immer nur bestimmt Töne auf der Mundharmonika aktivierten. So konnte man durch Blasen und Kurbeldrehen Mundharmonikamusik machen.

War die Rolle abgespielt, wurde sie mit der zweiten Kurbel wieder zurückdreht, auswechselt, und ein neues Lied einlegen. Ein für Laien ideales Instrument, das keine Vorkenntnisse erfordert und schon durch einfaches Hineinblasen und Kurbeln eine Melodie erzeugte.

In den 1930er und 1940er Jahren gehörte in den USA diese Verbindung aus Mundharmonika und Drehorgel zu den gefragtesten Instrumenten. Besonders beliebt soll die Rolmonica während des Zweiten Weltkrieges bei US-Soldaten gewesen sein.

In Verbindung gebracht wird dieses das Instrument bis heute vor allem mit der Firma Rolmonica Music Co., die in Baltimore, im US-Bundesstaat Maryland, ihren Sitz hatte, und ab 1928 die Instrumente serienmäßig fertigte.

Entwickelt wurde die Rolmonica allerdings auf der anderen Seite des Atlantik, bei der Firma Gebrüder Ludwig in Zwota - als Roll-Monika. Das bestätigt auch der US-amerikanische Sammler John Broecker. Nach seinen Recherchen wurde das Instrument 1925 oder 1926 erstmals gebaut und in Deutschland unter der Produktnummer 502116 patentiert. Das stimmt überein mit dem Instrument, das im Harmonika- museum Zwota zu sehen ist. Es ist auf etwa 1927 datiert.

Laut Broecker lieferte die Firma Gebrüder Ludwig speziell diatonische Modelle nach Baltimore, während Rolmonicas mit chromatischen Modellen von Hohner aus Trossingen bestückt wurden.

Die Zwotaer verwendeten allerdings für ihre Roll-Monika kein Bakelit, sondern vernickeltes Blech. Die billigere Kunststoffversion der Hülle geht wahrscheinlich auf Joseph Le Roy Banks als Baltimore zurück, der dafür das US-Patent 1720991 erhielt. Später bekam er ein weiteres Patent für Verbesserungen am Design des Instruments.

Wie lange die Roll-Monika in Zwota gefertigt wurde, und in welchen Stückzahlen, das konnte noch nicht ermittelt werden. Zwischen der Firma Gebrüder Ludwig und Rolmonica Music Co. in Baltimore bestand aber seit 1927 direkter Kontakt, das belegen die Versandbücher. Allein 17 Instrumentenlieferungen sind zwischen 1927 und 1929 vermerkt. Die Zusammenarbeit endete erst 1938 mit der Lieferung von 200 Dutzend (2400 Stück) Mundharmonikas nach Baltimore.

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