Das schwarze Loch am Klingenthaler Körnerberg

Als eine Bergwiese nachgab, standen die Anwohner vor einem Rätsel. Mittlerweile ist klar: Hier handelt es sich um ein Bergwerk aus dem 17. Jahrhundert.

Klingenthal.

Das Loch, das sich vor Monaten am Klingenthaler Körnerberg aufgetan hatte, führte mindestens 17 Meter in die Tiefe. Weiter sei man in Absprache mit dem Oberbergamt nicht vorgedrungen, erläuterte Juri Boeck von der Firma Taberg-Ost aus Chemnitz, der die Sanierung des Altbergbaus plante und überwachte. Die Arbeiten selbst führten Mitarbeiter der Niederlassung der Jenaer Firma TS-Bau aus.

Der Gang fiel nach den Worten von Juri Boeck mit 60 bis 65 Grad in Richtung Südwest. Er hatte einen Durchmesser von bis zu vier Metern. "Wir haben keinen Hinweis gefunden, dass davon Strecken abzweigen." Die Bergleute kletterten damals sicher auf hölzernen Leitern in die Tiefe. Abgebaut wurde wahrscheinlich Brauneisenstein. Ob es sich bei dem alten Bergwerk um die Johannes-Fundgrube handelt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. "Wir haben zwar einen alten Riss, auf dem ein Bergwerk verzeichnet ist, aber keine Anhaltspunkte in der Umgebung, die man eindeutig zuordnen könnte", zeigte Boeck auf.


Nach den im Oberbergamt Freiberg vorhandenen Unterlagen sind die Anfänge der Johannes-Fundgrube auf den März 1642 datiert. Das war noch in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648). Erwähnt ist das Bergwerk unter den Namen "Johannes am Kryberg", der Körnerberg hieß damals Kriegsberg. Die Anlage stammt laut Juri Boeck auf jeden Fall aus dem 17. Jahrhundert.

1642 war das Hammerwerk in Klingenthal zwar bereits Geschichte, die Verarbeitung von metallischen Erzen in größerem Umfang fand zu jener Zeit aber in Graslitz, Zwota und Tannenbergsthal und damit in naher Umgebung statt.

Gebildet hatte sich der Brauneisenstein nach den Informationen von Boeck in einer geologischen Störung im Phyllit. Zur Ergiebigkeit der Lagerstätte lassen sich aber keine verlässlichen Aussagen treffen.

Möglicherweise wurde dieser kleine Erzgang im Körnerberg auch über einen Stollen aufgeschlossen, der in alten Karten im Bereich der heutigen Talstraße verzeichnet ist. Vom Gefälle und der Richtung müsste das passen.

"Man darf den Altbergbau generell nicht aus den Augen verlieren", machte Michael Kühn vom Oberbergamt Freiberg deutlich. Zwischen 75 und 150 solcher Einbrüche werden jährlich in Sachsen angezeigt. Zur Sanierung stehen zwischen 13 und 20 Millionen Euro bereit. Sachsen gehört zu den Bundesländern, in denen die Zuständigkeit für den Altbergbau klar geregelt ist. "Das ist Bergbau ohne Rechtsnachfolger", erklärte er. Damit übernimmt der Freistaat die Kosten der Sanierung. Eine normaler Grundstückseigentümer wäre damit finanziell überfordert.

Es sind Spezialfirmen wie TS-Bau, die solche Aufträge übernehmen. Seit April ist André Würker mit seinen Mitarbeitern in Klingenthal tätig. Bis Ende September werden die Arbeiten abgeschlossen sein, einschließlich Rückbau der provisorischen Baustraße. Am Ende soll der Hang am Körnerberg wieder eine Bergwiese sein.

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