Das Topas-Rätsel von Gottesberg

Bekannt für die edlen Steine ist der Schneckenstein. Historische Karten weisen jedoch auch Gottesberg als Fundort aus. Bergbauexperte Hartmut Gruner weiß dafür eine Erklärung.

Gottesberg/Schneckenstein.

Der Schneckenstein gilt als Europas einziger Topasfelsen, was auch ein Grund dafür ist, warum der Fels als das Zentrum des geplanten Geoparks "Sagenhaftes Vogtland" aus- erkoren ist. Ein vergleichbares Gestein ist nur noch vom Mount Bischoff auf Tasmanien bekannt.

Allerdings: In Unterlagen ist auch von angeblichen Topasfunden in Gottesberg die Rede. In einer Karte von 1790, die sich im Archiv des Oberbergamtes in Freiberg befand und die 1927 vervielfältigt wurde, ist in Gottesberg eine Topas-Binge verzeichnet. Diese befand sich unterhalb des Areals, auf dem später in der DDR ein Ferienheim und ein Pionierlager errichtet wurden.

Wurden in Gottesberg tatsächlich Topase gefunden? Nein, sagt der Tannenbergsthaler Hartmut Gruner, der sich seit vielen Jahren in der Arbeitsgruppe Bergbau des Heimatvereins "Topas" engagiert. Aus geologischer Sicht sei das nicht möglich. Er geht davon aus, dass man damals Rauchquarz gefunden und zunächst für Topas gehalten hat. "Solche Funde gab es auch in Bad Reiboldsgrün", sagt er.

Wo aber befand sich die Topas-Binge in Gottesberg? Heute ist dort nichts mehr sichtbar. Über die Karte von 1790 ist eine räumliche Zuordnung zur Gegenwart nur schwer möglich. Hartmut Gruner hat aber Unterlagen vom damaligen Chefgeologen Erich Donath, die eine genauere Lokalisierung ermöglichen. Nach Gruners Recherchen befand sie sich auf dem Areal, auf dem zunächst das Küchengebäude für die Wismut AG und später für die Ferieneinrichtungen errichtet wurde.

"Die Binge entstand wahrscheinlich bei der Zinnsuche hatte ursprünglich Maße von etwa 20 mal 20 Meter und war etwa zehn Meter tief. Sie wurde damals von der Wismut verfüllt", weiß er zu berichten. Durch die Verfüllung hatte man zumindest dort festen Baugrund, denn die Unterwelt von Gottesberg gleicht durch den Altbergbau an vielen Stellen einem Schweizer Käse.

Dokumentiert wurde die Topas-Binge auch von Paul Schulz (1882-1967), mit dessen Person sich Hartmut Gruner auch beschäftigt hat. Mit Bildern von Schulz erschien 2016 das Buch "Montanregion Erzgebirge: Eine faszinierende Foto- dokumentation aus den Jahren 1906 bis 1944", herausgegeben von Wolfgang Brasch und Rainer Sennewald über den Bildverlag Böttger.

Paul Schulz, gebürtiger Berliner, war nach der Ausbildung an der Bergakademie Freiberg (1906-1911) vor allem in Sachsen als Markscheider, Bergingenieur und Fotograf unterwegs. Von ihm besitzt die Deutsche Fotothek Aufnahmen aus Gottesberg, die in den Jahren 1928/30 entstanden - neben der Topas-Binge und deren Huthaus auch von der Geyerin- und der Waschblei-Pinge sowie von den Tagesanlagen des Wolfram-Stollens, der auch bereits auf der Karte von 1790 verzeichnet ist. Fotografiert hat Schulz aber auch Bergbauanlagen in Bösenbrunn, Schönbrunn bei Reichenbach, Tirpersdorf, Pirk, Muldenberg und Winselburg.

Gerade mit Blick auf den geplanten Geopark "Sagenhaftes Vogtland" bietet sich dabei ein Forschungsfeld, das viel Interessantes oder bereits wieder Vergessenes ans Licht bringen kann. So sieht das auch Denis Loos, der neue Geopark-Geschäftsführer: "Das Vogtland ist nicht nur in Geschichte und Kultur, sondern auch in seiner vielfältigen Geologie etwas ganz Besonderes."

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.