Das Vorwerk schließt: "Man spürt die Jahre in den Knochen"

Aus für eine Traditionsgaststätte: Das Familienunternehmen um Rolf Ehlert sagt Adieu. Nach 38 Jahren gibt er seine Gastwirtschaft auf. Am 26. Dezember werden das letzte Mal Gäste bedient.

Oelsnitz.

In Oelsnitz schließt eine weitere Gaststätte. Nach knapp 40 Jahren im Gewerbe gibt Rolf Ehlert die Einrichtung auf. Zuletzt hat er sie mit seinem Sohn Stefan bewirtschaftet. Der 68-Jährige geht in den Ruhestand, sein Sohn führt das Haus nicht weiter.

Die Gaststätte wird seit 1981 als Familienbetrieb geführt, in den letzten Jahren kam man ohne zusätzliches Personal aus. Stefan war der Koch, während Vater Rolf für die Bedienung der Gäste sorgte. "Es funktioniert nur als Familienbetrieb. Denn würden wir Personal anstellen, sofern sich welches finden lassen würde, müssten wir die Preise erhöhen, um die Angestellten bezahlen zu können", so der angehende Rentner. Deshalb sehe auch sein Sohn keine Chance, das Haus alleine weiter zu führen. Die Familie hat in all den Jahren viel Kraft, Zeit und Herzblut in den Betrieb gesteckt, das Privatleben kam viel zu kurz. "Es war immer voller Einsatz, um unsere Gäste zufrieden zu stellen. Richtigen Urlaub hatten wir nur dreimal in all den Jahren", sagt der Oelsnitzer. Nun sei der richtige Zeitpunkt gekommen, um die Gaststätte aufzugeben, nicht nur wegen der bevorstehenden Rente. "Ab nächstem Jahr gibt es in der Gastronomie neue Gesetze, die mit neuen technischen Kontrollmöglichkeiten in Bezug auf Lagerung und Speiseherstellung einhergehen. Die Gastronomen müssen sich auf einige Veränderungen einstellen, dass wollten ich mir in meinem Alter nicht mehr zumuten."

Laut Rolf Ehlert wurde das Haus 1896 mit einem kleinen Speiseangebot eröffnet. Den Älteren dürfte es noch als Kaffeehäusl in Erinnerung sein. In der 123-jährigen Geschichte des Hauses gab es bis in die 1970er- Jahre hinein wechselnde Besitzer. Als Rolf Ehlert 1981 mit seiner Frau Evelin das Haus übernahm, war das richtungsweisend für die Zukunft. "Wir haben uns von einer Wohngebietsgaststätte zu einer größeren Speisegaststätte mit Übernachtungsmöglichkeiten entwickelt", so Ehlert. Durch den sogenannten Aufschwung Ost hatte das Ehepaar nach der Wende viele Monteur-Arbeiter im Haus. Es lief so gut, dass zu dieser Zeit auch mit festangestelltem Personal gearbeitet werden konnte und man im Jahr 1996 ein Veranstaltungssaal anbaute. Nach der Umstellung von D-Mark auf Euro sind die Gästezahlen Stück für Stück gesunken - Stammgäste blieben jedoch bis heute. Auch Wandergruppen fanden oft den Weg in das Haus. Naheliegend am Naherholungsgebiet Röhrholz, bildete man zusammen mit der wieder eröffneten Gaststätte Dreihöf einen Verbund am Vogtland-Panoramaweg. Beide Häuser waren beliebte Anlaufstellen für Wandergruppen. In den letzten fünf Jahren führte Rolf Ehlert das Haus nur mit seinem Sohn, nachdem seine Frau aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit aufgeben musste. Die Anstrengungen, die Wirtschaft am Leben zu erhalten, machten sich bei ihm auch körperlich bemerkbar. "Man spürt die Jahre in den Knochen.

Am 26. Dezember wird das letzte Mal aufgetischt. Bis dahin sei man gut ausgelastet. Wie es mit dem Haus weitergeht, ist unklar. Die Familie hat es schon an einen Auswärtigen verkauft. "Unser neuer Lebensabschnitt beginnt in einem Eigenheim in Oelsnitz", so Rolf Ehlert.

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