DB-Tickets gibt's nur noch bei der Konkurrenz

Die Deutsche Bahn hat dem Vogtland den Rücken gekehrt. Der letzte Fahrscheinautomat ist weg. Doch es gibt Auswege.

Plauen.

Drängt die Deutsche Bahn AG (DB) Kunden aus dem Vogtlandkreis zum Schwarzfahren? Diese Frage stellt der Plauener Ulrich Neef in den Raum. Denn nach dem im Juli 2016 vollzogenen kompletten Rückzug der DB aus dem Regionalverkehr im Vogtland ist inzwischen auch der letzte DB-Fahrkartenautomat der Region im Oberen Bahnhof Plauen verschwunden.

Doch wie sollen Fahrgäste an ihre Fernverkehrstickets kommen, wenn sie außerhalb der Öffnungszeiten des Reisezentrums unterwegs sind? Und was sollen jene tun, die Online-Angebote nicht nutzen können? Die DB habe damit "eine rote Linie überschritten", meint Neef und fordert die Politik auf, zumindest "Fahrscheinverkaufsautomaten als Minimaldienstleistung" an wichtigen Bahnhöfen anzubieten.

Ulrich Neef wandte sich daher an die Stadt Plauen. Auf seine Kritik antwortete Baubürgermeister Levente Sárközy: "Fernverkehrs-Tickets können auch an den Automaten der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB) erworben werden."

Das bestätigt auch die Deutsche Bahn. Jörg Bönisch aus dem DB-Regionalbüro in Leipzig verweist darauf, dass die Vertriebsleistungen für Tickets Bestandteil der Ausschreibung und Vergabe für den Regionalexpress waren. Die MRB ist laut Bönisch seit dem 1. August 2018 in der Lage, über ihre Automaten auch DB-Tickets zu verkaufen. "Seit diesem Zeitpunkt hat die DB infolge der ausgelaufenen Beauftragung kein Mandat mehr, einen Fahrkartenautomaten in Plauen zu betreiben", schildert er die Situation.

Seit zweieinhalb Jahren bedient die MRB fünf Linien in Sachsen, darunter den Regionalexpress von Dresden nach Hof mit Zwischenstopps auch in Reichenbach und Plauen. An beiden Bahnhöfen existieren Fahrscheinautomaten der MRB. Es gelten dort die Fahrscheine von sechs unterschiedlichen Verkehrsverbünden, dazu zählt auch der Verkehrsverbund Vogtland (VVV).

Anfangs gab es Probleme mit der Menüführung. Das räumte auch Plauens Baubürgermeister in seiner Antwort an Ulrich Neef ein. Solche Probleme existieren - wie auch beim Ticket-Kauf per Internet - noch immer. Bei der Fahrplansuche wird der Kunde auf der Homepage rasch fündig, beim Kauf von MRB-Tickets muss man sich indes durch einen Tarifdschungel kämpfen.

Um DB-Tickets zu erwerben, muss der Kunde beim MRB-Automaten ein Menü öffnen. Dabei hakt es mitunter. Bei einem Test der "Freien Presse" gelang das bei einem der beiden Automaten in Plauen, während der andere die Verbindung zum DB-Service hartnäckig verweigerte.

Die Automaten der Vogtlandbahn spucken keine DB-Tickets aus. Dafür hat Vogtlandbahn-Sprecher Jörg Puchmüller einen wichtigen Hinweis: Wer die Vogtlandbahn als Zubringer zur DB nutzt, kann beim Zugbegleiter der Deutschen Bahn unter Vorlage seines Nahverkehrstickets den Fahrschein nachlösen - "ohne Aufschlag", so Puchmüller.

Senioren und andere Bahnkunden, die im heutigen Schienenverkehrs-Wettbewerb den "personenbedienten Vertrieb" herbeisehnen, haben schlechte Karten. Die nächsten DB-Reisezentren befinden sich in Chemnitz, Leipzig und Hof. Im Vogtland gibt es einzig das inzwischen an den Verkehrsverbund Vogtland übergegangene Reisezentrum Plauen. Dort verkaufen noch Menschen Tickets an Menschen.

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