Der Klimawandel und die Suche nach dem Forst der Zukunft

Wetterextreme zeigen erste Auswirkungen auf die Wälder im oberen Vogtland. Fachleute suchen nach Lösungs- ansätzen. Problemlos verläuft der Waldumbau jedoch keineswegs.

Muldenhammer.

Auch wenn sich die letzten Oktobertage sehr feucht zeigten, insgesamt war das Jahr 2016 bislang vielerorts zu trocken, konstatierte jetzt ZDF-Wetterexperte Benjamin Stöwe. Das trifft auch auf das obere Vogtland zu. 719 Liter Niederschlag je Quadratmeter registrierte die Wetterstation Morgenröthe-Rautenkranz in den ersten neun Monaten. Um das jährliche Mittel von etwa 1050 Litern zu erreichen, müsste es in den letzten drei Monaten des Jahres monatlich jeweils mehr als 100 Liter Niederschlag geben.

Dabei steht 2016, was die Niederschlagsmenge betrifft, gar nicht so schlecht da. 2015 war mit ganzen 734 Litern das trockenste Jahr seit 2007. Auch 2014 mit 870 und 2011 mit 826 Litern lagen ebenfalls deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Der Wechsel zwischen trockenen und feuchten Jahren ist teilweise enorm. 2007 war mit 1286 Litern eines der niederschlagsreichsten Jahre.

Diese Wetterextreme, Orkane oder Schneebruch haben weit- reichende Auswirkungen auf den Wald in Sachsen. Verschiedene Aspekte der fortschreitenden Klimaveränderung beginnen sich bereits in den Wäldern auszuwirken, und bedingen große Aufwendungen im Waldumbau, um den Wald der Zukunft zu formen.

Deshalb beobachtet der Sachsenforst im Rahmen eines internationalen Messprogramms bereits seit 1993 in Sachsengrund und sieben anderen Standorten in speziellen Dauerbeobachtungsflächen das chemische Waldklima - Waldsterben durch den "Böhmischen Nebel" - und mit 18 Stationen das meteorologische Waldklima. Das Kompetenzzentrum für Wald und Forstwirtschaft misst dabei Temperatur, Niederschlag, Windgeschwindigkeit sowie Nährstoffeinträge.

Die Ergebnisse der Untersuchungen sollen zeigen, welche Bäume jetzt gepflanzt werden müssen, damit sie in 100 bis 200 Jahren gefällt werden können. In solchen Zeitspannen muss die Forstwirtschaft seit Generationen denken.

Eine Diskussion, wie der Wald der Zukunft aussehen wird, läuft seit Jahren. Angestoßen hatte sie unter anderem Michael Künzel vom Naturpark Erzgebirge/Vogtland. Die riesigen dunklen Fichtenwälder des Vogtlandes, wie man sie heute kennt, werde es in absehbarer Zeit nicht mehr geben, hatte er 2013 gesagt. Grund dafür ist aus seiner Sicht der Klimawandel. In den nächsten Jahrzehnten werde es im oberen Vogtland wärmer und trockener. "In 50, spätestens in 100 Jahren wird die Fichte aus der Region verschwunden sein. Die Natur hat viel Zeit. Sie kennt Übergangsphasen von bis zu eintausend Jahren", erklärte Künzel.

Widerspruch kam damals von einem ebenfalls erfahrenen Forstmann, dem Klingenthaler Manfred Körner. Die Fichte werde aus dessen Sicht weiter der sogenannte Brotbaum des Vogtlandes bleiben. "Das wird auch unsere holzverarbeitende Industrie in 50 Jahren fordern." Zudem, so Körner, wisse niemand um den Fortgang der Klimaänderung, und man könne auch nicht vorhersagen, wie die Fichten darauf reagieren, denn die Natur stecke voller Geheimnisse.

Sachsenforst hat mit dem Waldumbau längst begonnen. Auf den Adorfer Flächen, die Stadt gehört zu den größten kommunalen Waldbesitzern im Vogtland, hat die Fichte noch einen Anteil von 77 Prozent. Die nächste Waldgeneration mit Rotbuchen, Weißtannen und verschiedenen Hartlaubhölzern ist bereits auf einer Fläche von 176 Hektar vorhanden. Allerdings läuft der Umbau nicht ohne Probleme. Die Höhenkiefer hat sich nicht wie erhofft entwickelt und bei der Esche tritt ein Pilzbefall auf. Generell gilt aber unter Forstleuten ein Mischwaldbestand als stabiler, er bietet auch besseren Schutz vor Schädlingen.


Die Geschichte der Wälder

Mischwälder haben über Jahrhunderte das Bild des oberen Vogtlandes geprägt. Von etwa 7200 bis 4900 Jahren vor dem Beginn der Zeitrechnung dominierte im heutigen oberen Vogtland und Westerzgebirge ein Eichen-Mischwald, die Zeit der Buchen und Tannen kam etwa ab 2400 vor unserer Zeitrechnung.

Die erste Bestandsaufnahme von 1591 führt in den Kammlagen vor allem Buche, Berg- und Spitzahorn und Tanne auf, dann folgt erst die Fichte.

Keine 250 Jahre später müssen die Wälder ein trostloses Bild abgegeben haben, wie aus Aufzeichnungen der Forstwirtschaft zu entnehmen ist. Raubbau, vor allem für den Holzkohlebedarf, und Schädlingsbefall hatten die Bestände dezimiert. Durch die Ausbreitung des Rüsselkäfers in den Nadelholzbeständen hatten zwischen 1821 und 1835 weitere Kahlschläge angelegt werden müssen.

Versuche der Entwicklung neuer Mischwaldbestände, beispielsweise im Kottenheider Forst, aus Fichte, Kiefer und Lärche sowie später aus Fichte, Tanne und Buche wurden nach Dürreperioden zwischen 1840 und 1876 letztlich durch reine Fichtenbestände abgelöst, wie sie heute noch das Bild prägen.

Wie sich das Klima in der Region in den vergangenen 10.000 Jahren verändert hat, hat die Wissenschaftlerin Hedwig Frenzel bereits in den 1920er Jahren anhand von Pflanzenpollen im Hochmoor Jägersgrün untersucht. Das Moor dürfte nach der jüngsten Eiszeit entstanden sein, das Alter damit zwischen 7200 und 9400 Jahre betragen. Frenzel fand in den unteren Torfschichten vor allem Pollen von Kiefern und Haselnussbäumen.

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