Der steinige Weg vom lockeren Trio zur Einheitsgemeinde

Am 1. Oktober besteht Muldenhammer zehn Jahre. Der Weg dorthin war begleitet von teils hitzigen Debatten. Vor allem die CDU hat im Waldgebiet viele Mandate verloren.

Muldenhammer.

Es war eine einzige Stimme, die am Abend des 27. November 2008 im Gemeinderat Hammerbrücke den Ausschlag gab, dass es heute die Gemeinde Muldenhammer gibt. Während die Räte in Tannenbergsthal und Morgenröthe-Rautenkranz zuvor einstimmig für ein Zusammengehen gestimmt hatten, gab es in Hammerbrücke sechs Ja- und fünf Nein-Stimmen.

Hintergrund der Idee einer Einheitsgemeinde war, dass die drei Kommunen, die damals den Verwaltungsverband Waldgebiet bildeten, auf Dauer nicht eigenständig bleiben könnten. 2008 zählte Tannenbergsthal 1447 Einwohner (1990: 2175), Hammerbrücke 1381 (1990: 1538) und Morgenröthe-Rautenkranz 829 (1990: 1063).


Gespalten zum Vorhaben einer Einheitsgemeinde im Waldgebiet zeigte sich damals die CDU. Es gab von Seiten der Vogtland-CDU bereits recht konkrete Pläne, dass Hammerbrücke eine Verwaltungsgemeinschaft mit Falkenstein eingehen sollte, Tannenbergsthal und Morgenröthe-Rautenkranz dagegen mit Klingenthal. Es waren vor allem Teile der Hammerbrücker CDU, die dieses Anliegen auch konsequent verfolgten. Der damalige Bürgermeister Georg Ludwig hatte frühzeitig deutlich gemacht, nicht für eine Einheitsgemeinde zur Verfügung zu stehen. Er legte im Dezember 2008 sein Amt nieder. CDU-Gemeinderat Frieder Seidel erklärte noch im April 2009 in Hammerbrücke, dass er jede Chance nutzen werde, um die Bildung der Einheitsgemeinde zu verhindern.

Im Mai 2009 wurden in allen drei Kommunen noch einmal Gemeinderäte gewählt. Je sechs Abgeordnete aus jedem Ort sollten dann den neuen Gemeinderat Muldenhammer bilden. In Hammerbrücke verlor damals die CDU nach 20 Jahren ihre Mehrheit an die Freien Wähler, die das Projekt Einheitsgemeinde unterstützten. Von den acht Mandaten konnten diese aber nur fünf besetzten, weil es nicht mehr Kandidaten gab. Die CDU kam auf vier Sitze. In den beiden anderen Orten behauptete sich die CDU zunächst als stärkste Kraft. In Tannenbergsthal holten sie fünf Mandate (Linke 4, Freie Wähler 1), in Morgenröthe-Rautenkranz sieben (Linke 2, Einzelkandidat Veit Huster). Insgesamt stellte die CDU damals in den drei Kommunen 16 der 29 Räte.

Im ersten Gemeinderat von Muldenhammer war die CDU mit neun Abgeordneten vertreten, vier hatten die Freien Wähler Hammerbrücke, drei die Linke. Hinzu kamen ein Sitz für die Freien Wähler Tannenbergsthal und Einzelkandidat Veit Huster.

Die SPD war schon seit 2004 nicht mehr in den Gemeinderäten Tannenbergsthal und Morgen- röthe-Rautenkranz vertreten, 2009 scheiterten die Sozialdemokraten dann auch in Hammerbrücke - trotz ihrer Unterstützung für die Einheitsgemeinde.

Die Entscheidung über den ersten Bürgermeister von Muldenhammer fiel 2010 in einer Stichwahl. In der ersten Runde lag Konrad Stahl, der ehemalige CDU-Bürgermeister von Morgenröthe-Rautenkranz und damals Amtsverweser, mit knapp 42 Prozent vor Jürgen Mann (Freie Wähler) mit rund 39 Prozent, Einzelbewerber Lars Albert kam auf rund 18 Prozent. Bei der Stichwahl am 21. Februar 2010 entschieden acht Stimmen: Jürgen Mann erhielt 992, auf Konrad Stahl entfielen 984.

Bei der Bürgermeisterwahl 2017 setzte sich Jürgen Mann gleich in der ersten Runde mit 61,4 Prozent der Stimmen durch. Auf Einzelbewerber Wolfgang Schädlich entfielen 29,8 Prozent, auf René Standke von der AfD 8,8 Prozent.

Inzwischen hat der dritte Gemeinderat in der Geschichte von Muldenhammer seine Arbeit aufgenommen. Die Freien Wähler legten gegenüber der Wahl 2014 noch einmal elf Prozent zu und stellen mit 55 Prozent der Stimmen jetzt neun der inzwischen nur noch 14 Abgeordneten - je zwei Sitze haben CDU und Linke, einen die AfD. Drei Listen schafften den Sprung in den Gemeinderat nicht. Ortschaftsräte wurden nicht mehr gewählt.

10 Jahre Muldenhammer und 30 Jahre Deutsche Einheit sind Thema einer Veranstaltung mit dem Trio Echanté am 9. November, 14 Uhr im Herrenhaus Tannenbergsthal.


Kommentar: Auf jeden Fall solide

Götz Unger wagte als Hammerbrücker CDU-Gemeinderat im November 2008 eine Prognose: Kommt es zu einer Einheitsgemeinde, werden die Strukturen des Waldgebietes gestärkt und dessen politisches Gewicht gefestigt. Sollten dagegen die drei Gemeinden Verwaltungsgemeinschaften mit Nachbarstädten suchen, sei es bis zur Bedeutungslosigkeit nur eine Frage der Zeit. Inzwischen besteht die Einheitsgemeinde Muldenhammer zehn Jahre. Die Anforderungen, die der Alltag mit sich bringt, unterscheiden sich kaum von denen vieler anderer Kommunen in Sachsen - mal sind sie etwas größer, mal etwas kleiner. Unter dem Strich kann Bürgermeister Jürgen Mann sicher jederzeit unterschreiben, dass Muldenhammer auf soliden Füßen steht. Götz Unger lag letztlich mit seiner Prognose richtig. Eines darf man dabei auch nicht vergessen: Viel Vorarbeit dazu hat auch Konrad Stahl als langjähriger Verbandsvorsitzender geleistet.

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