Der Sternwarten-Chef hebt mit der fliegenden Sternwarte ab

Als erster Vogtländer nimmt Olaf Graf von der Sternwarte Rodewisch an Forschungsflügen mit dem Nasa-Stratosphären-Observatorium teil. Von diesem Ausflug in die Infrarot-Astronomie sollen vor allem Kinder profitieren.

Rodewisch.

Gegenwärtig ist Olaf Graf in Chile - im Rahmen einer vom Haus der Astronomie in Heidelberg organisierten Weiterbildung chilenischer Lehrer. "Dort gibt es zwar die modernsten Teleskope, die astronomische Bildung steckt jedoch in den Kinderschuhen. Da helfen wir bereits länger", sagt der Schönbrunner, der als Chef der Rodewischer Sternwarte und gelernter Lehrer für Physik, Mathematik und Astronomie schon lange im Partnerschulnetzwerk des Hauses aktiv ist. Für den Chile-Trip hat Olaf Graf sogar eine Geldsammlung initiiert. "Davon haben wir astronomisches Bildungsmaterial gekauft, das wir Schulen zur Verfügung stellen."

Wenn Olaf Graf am 18. Januar zurück in Schönbrunn ist, heißt es in Sachen naturwissenschaftliche Bildung fast schon wieder Koffer packen. Als erst zweiter Sachse und erster Vogtländer nimmt der Astro-Fan vom 17. bis 24. Februar an Forschungsflügen mit dem Stratosphären-Observatorium für Infrarot- Astronomie (Sofia) teil - ein Gemeinschaftsprojekt der Nasa, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt sowie dem an der Uni Stuttgart angesiedelten Sofia-Institut. Die fliegende Sternwarte erlaubt seit vielen Jahren die flexible und punktgenaue Erforschung des Alls von Höhen aus, in denen die infrarote Strahlung astronomischer Objekte nicht mehr von der Erdatmosphäre verschluckt wird. Die umgebaute und mit tonnenweise Teleskoptechnik beladene Boeing fliegt dafür bis zu 15.000 Meter hoch. Damit ist Olaf Graf den Sternen so nahe wie wohl selten ein Sachse seit Sigmund Jähn.

Die Teilnahme an den auf dem Sofia-Stützpunkt-Flughafen Palmdale in Kalifornien startenden, bis zu zehn Stunden dauernden Forschungsflügen ist für den vor Vorfreude Purzelbäume schlagenden Vogtländer kein Selbstzweck: Das Deutsche Sofia-Institut bietet jährlich acht Lehrern Sternwarten-Mitflüge an, um die Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen und Schulen zu stärken. Olaf Graf, der das fliegende Auge bereits bei dessen Landung 2011 in Stuttgart in Augenschein genommen hatte, bewarb sich jüngst für einen Mitflug mit einem ambitionierten Projekt im Rahmen der von der Sternwarte bereits seit langem praktizierten frühkindlichen Astronomie-Bildung - und betrat damit Sofia-Neuland.

"Bisher haben die Mitflug-Projektideen auf naturwissenschaftliche Grundbildung aufgebaut. Ich fange quasi bei Null an und spreche Kinder ab vier Jahren bis hin zur Grundschule an", erklärt Olaf Graf. Ihm geht es auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels um die Förderung ingenieurtechnischen Nachwuchses. "Und die beginnt im Kindergarten. Kinder sollten früh lernen, Fragen zu stellen und sich nicht damit zufriedengeben, Konsumenten zu sein." Und wenn da einer mit beeindruckenden Bildern und Videos vom Mitflug kommt, der noch dazu als Sofia-Botschafter in Nasa-Kluft auftritt: "Dann springt der Funke eher über." Entfachen will Olaf Graf die Neugier speziell an astronomischen Fragen vor allem in Form von Experimenten, die an die Alltagserfahrungen der Kinder anknüpfen und so im Kleinen analog zu Sofia beispielsweise zeigen, wie das Unsichtbare sichtbar gemacht werden kann. Für die so wichtigen Aha-Effekte sorgen etwa der Einsatz von Wärmebildkameras oder selbst gebastelte Solar-Finger, mit denen unsichtbare Wärmestrahlung gefühlt werden kann.

Praktiziert werden soll diese spezielle Förderung zunächst mit der vor vier Jahren auf dem Sternwartengelände erbauten Kita. "Der Ausbau des Projektes ist aber möglich." Der Sternwarten-Chef sieht diese Arbeit als Teil einer großen Gemeinschaftsaufgabe. "Die Wissenschaft in Deutschland muss raus aus ihrem Elfenbeinturm. Nur so kannst du breites Interesse entfalten, das in Spitzenleistungen mündet. Bei uns hat man Glück, dass Forschungseinrichtungen einmal im Jahr einen Tag der offenen Tür anbieten. In den USA spazierst du im Prinzip in alles rein und informierst dich."

Mit den Ergebnissen der Stratosphären-Flüge, bei denen Olaf Graf als einer von vier Lehrern mit Fliegercrew und Wissenschaftler-Team in Kontakt kommt, wird es jedoch ein wenig dauern. Erforscht werden mit einer speziellen Instrumentierung des Teleskops die ganz kalten Bereiche des Universums. "Da wird vor Ablauf eines Jahres sicher nichts veröffentlicht." Aber: Bei den Flügen gemachte Aufnahmen sind Grundlage für einen neuen Sofia-Astro-Film, der dieses Jahr auch in die neue Full-Dome-Anlage der Rodewischer Sternwarte kommt. Die Infos dazu gibt's dann aus erster Hand.

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