Der Tod in der Lawine

Vor 110 Jahren gingen im Aschberggebiet mindestens drei Lawinen ab. Zwei Tote waren zu beklagen. Warum sich eine solche Naturkatastrophe derzeit nicht wiederholen kann.

Klingenthal.

Es klingt fast unheimlich: Mindestens drei Lawinen lösten sich im Februar 1909 von steilen Hängen im Aschberggebiet. Die bis dahin größte Naturkatastrophe forderte zwei Todesopfer. Die erste Lawine ging gegen Mittag des 4. Februar im Bärenloch ab. Nach den Erinnerungen der Klingenthalerin Hilde Wächtler befand sich damals eine Mutter mit ihrer jüngsten Tochter in einem Schuppen, der durch die Schneemassen verschüttet wurde. Die Mutter konnte gerettet werden, für die neunjährige Anna Marie Warg kam aber jede Hilfe zu spät.

Glück im Unglück hatte der Großvater von Hilde Wächtler. In deren Haus, Bärenloch 9, drückte der Schnee die Hauswand durch, ein hölzerner Hackstock wurde ins Bett des Großvaters geschleudert.

Bittere Ironie des Schicksals war es, dass ein Bewohner vom Glaßentrempel, der 43-jährige Robert Vogel, der sich die Zerstörungen im Bärenloch angeschaut hatte, nach der Heimkehr von einer zweiten Lawine verschüttet wurde und ebenfalls ums Leben kam. Den Unglücksort hielt der Untersachsenberger Fotograf Bernard Rudolph im Bild fest, und druckte ihn als Ansichtskarte.

Eine weitere Lawine ging unterhalb der Klingenthaler katholischen Kirche ab, wobei das genaue Datum nicht mehr bekannt ist. Sie riss oberhalb der heutigen Unteren Marktstraße ein Haus samt Tischlerwerkstatt weg, und hätte auch fast einer Hochzeitsgesellschaft das Leben gekostet. Deren Gefährt wurde umgeworfen, das Brautpaar kam mit dem Schrecken davon.

Die rutschenden Schneemassen rissen auch etliche Lichtmasten um. Wenn die Drähte in den nassen Schnee fielen, so berichtete der Klingenthaler Chronist Kurt Erich Dörfel, seien starke Lichteffekte zu sehen gewesen. Das Tauwetter führte zu Hochwasser, in der Graslitzer Straße stand das Wasser mehrere Tage gut einen halben Meter hoch.

Die Ursache für die Lawinen dürfte ein Witterungsumschwung gewesen sein. Auf tiefgefrorenen, verharschten Schnee hatte es Ende Januar große Mengen Neuschnee gegeben. Am letzten Januarwochen- ende waren etwa 2000 Besucher auf die Höhen am Gasthaus Kamerun gepilgert. Dort hatte der Sturm Schneewehen bis 3,50 Meter aufgetürmt, wie einem Zeitungsbericht jener Tage zu entnehmen ist. Dann schlug jedoch das Wetter um, es begann zu regnen. Die Neuschneemassen hatten keine Verbindung zum verharschten Untergrund, sie wurden unterspült und rutschten an steilen Hängen ab.

Das Gebiet am Bärenloch war damals - im Gegensatz zu heute - noch dünn besiedelt. Nach den Erinnerungen von Hilde Wächtler stand seinerzeit oberhalb des heutiges Jahnweges nur ein Haus. Dazu gab es die bebauten Grundstücke 75 b und Bärenloch 9. Alles andere waren Wiesen. Heute hat man den Eindruck, dass in Klingenthal die Hanglagen immer mehr zuwachsen. Aber das verhindert wiederum Lawinen wie die vom Februar 1909.

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