Diamantene Ehren für den Posaunen-Voigt

Metallblasinstrumentenmacher Helmut Voigt aus Markneukirchen ist seit 60 Jahren Handwerksmeister. Als lebenslanger Tüftler ist der Senior immer noch gefragter Ratgeber.

Markneukirchen.

In anderen Orten des oberen Vogtlandes nehmen Familiennamen wie zum Beispiel Adler, Glaß, Meisel, Haueis, Meinel oder Wunderlich Spitzenplätze auf einer Hitliste ein, ausgenommen Müller oder Schmidt. In Markneukirchen gehört auch Voigt dazu. Um alle Voigts unterscheiden zu können, wurden ihnen vom Volksmund Beinamen angehängt. Helmut Voigt ist deshalb gemeinhin nur bekannt als Posaunen-Voigt. Das charakterisiert, was der 83-Jährige beruflich macht, und auch sein Sohn Stephan wird so genannt: "Wenn mich jemand früher auf der Straße fragte, wer ich bin, zu wem ich gehöre, und ich Posaunen-Voigt sagte, war die Reaktion: 'Ach so, alles klar.'"

Helmut Voigt also, ein Metallblasinstrumentenmacher, der das Handwerk von 1951 bis 1954 bei seinem großen Bruder Horst lernte und eine Voigtsche Tradition aufnahm und fortsetzte, die im Grunde genommen schon 1699 begann, wenn auch mit einem anderen Metier. Adam Voigt begründete sie damals als Bassmacher. Helmut Voigts Vater Otto war Bogenmacher. "Erst mit meinem Bruder Horst wechselte in den 1930er Jahren das Material, weil es damals mehr zum Leben einbrachte", erzählt Helmut Voigt. Er blieb beim Blech und bereute es nie. Denn das hat ihm Diamant eingebracht, was ihm jetzt mit einer großen Urkunde bestätigt und wofür er von der Handwerkskammer Chemnitz geehrt wurde. Im November 1960 bestand Helmut Voigt die Meisterprüfung. 60 Jahre also ist das her - in einer Ehe ist eine so lange Zeit Zeugnis für erfüllende, von Liebe, Vertrauen und Achtung getragene Familiengemeinschaft, bei einem Instrumentenmacher drückt sich damit vor allem Handwerkskunst und Kontinuität aus.

1973 eröffnete Meister Helmut Voigt eine eigene Werkstatt. "Das war gar nicht einfach, aber ich wollte das unbedingt. Anfangs habe ich nur Reparaturen gemacht. Aber mit der Zeit kam man darauf, dass mit uns Handwerkern gute Devisen zu machen sind, wovon wir aber nicht viel hatten", erinnert sich Helmut Voigt und auch daran, dass die Situation mit der Wende nicht sofort anders wurde, denn: "Ein Auto war für viele Musiker oftmals wichtiger als ein neues Instrument. Hinzu kam, dass Westler Instrumente zu Vorwendepreisen haben wollten, so wie sie es jahrelang gewohnt waren. Das ging dann aber nicht mehr. Erst 1997/98 wurde es besser. Wir sind nie auf der Billigschiene gefahren, haben immer für den Profibereich gebaut."

Diamant-Meister Helmut Voigt hat die Werkstatt 2015 offiziell an Sohn Stephan übergeben, das Werkzeug zum Beispiel für Trompeten, Flügelhörner oder eben Posaunen aber nicht aus der Hand gelegt. Nicht an jeden Tag, aber immer, wenn der Sohn Hilfe braucht und einen Rat sowieso, dann ist er zur Stelle. Stephan Voigt ist froh darüber: "Mein Vater hat sein Leben lang getüftelt, wie man bestimmte Sachen besser machen kann", erzählt er. "Das kommt mir jetzt zugute, auch wenn ich Manches anfangs nicht verstanden habe. Aber er hat Recht gehabt."

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