Die Erde ist löchrig wie ein Schweizer Käse

Geologe Petr Rojík aus Rothau/Rotava spricht in Klingenthal über den Kupferbergbau in der Region

Klingenthal.

Eng war es im Musik- und Wintersportmuseum am Donnerstagabend. Was Manfred Gäbler, den Vorsitzenden des Museumsvereins veranlasste, nochmals seinen Unmut über den kürzlichen Abriss des Nebengebäudes zu äußern, das nach einer Sanierung Platz hätte bieten können für Veranstaltungen. Vielleicht, so seine ungebremste Hoffnung, entsteht an dieser nun brachen Stelle ja doch irgendwann ein gläserner Saal.

Wenn Petr Rojík, anerkannter Geologe aus Rothau/Rotava, sich in Klingenthal eines Themas annimmt, dann ist dreierlei garantiert: volles Haus, interessanter Vortrag, Heimweg mit viel Wissen. Es kam sogar noch ein Aspekt hinzu: Humor in Schwejkscher Manier, mit dem er auf Einladung des Museumsvereins und der Abteilung Kultur der Stadtverwaltung seine Ausführungen über den Kupferbergbau in Graslitz und Klingenthal würzte. Während der mehr als zwei Stunden wurde es den Besuchern - sie kamen nicht nur aus Klingenthal - nicht langweilig.

Das lag vor allem an dem Thema, das in der Öffentlichkeit kaum und bestenfalls versierten Heimatkundlern bekannt ist. Die Erde unter Klingenthal, vor allem aber auf tschechischer Seite unter Eibenberg/Tisová, Graslitz/Kraslice und Schwaderbach/Bublava ist nach den Worten von Petr Rojík löchrig wie ein Schweizer Käse. Grund dafür ist der Kupferbergbau. In Klingenthal selbst wurde so massiv wie jenseits der Grenze kein Kupfererz abgebaut, laut Petr Rojík lediglich aufbereitet. Wegen eines Wirtschaftsembargos wurde zwischen dem Erhard- August-Schacht im Quittenbachtal und dem Helena-Schacht bei Eibenberg ein Verbindungsstollen angelegt, durch den Kupfererz zum Zwecke der Veredlung und Anreicherung geschafft wurde. Bis 1990 diente er noch als Luftschacht für das tschechische Bergwerk. Zwischen 1959 und 1973 wurden in der Grube Helena 561.000 Tonnen Kupfererz gefördert mit einem durchschnittlichen Kupfer-Gehalt von 0,6 Prozent.

Seit Anfang der 1990er wird auf tschechischer Seite kein Kupfererz mehr gefördert. Das könnte sich laut Rojík wegen der derzeitigen Situation auf dem Weltmarkt ändern. Jüngste Untersuchungen der Schlackenhalden etwa bei Eibenberg und Grünberg/Zelená Hora hätten einen immer noch bemerkenswerten Kupferanteil ergeben, ebenso eine Vielzahl von Begleitmetallen. Gestützt wird das durch eine bereits 1978 erfolgte Untersuchungsbohrung am Körnerberg bei Klingenthal, wo eine Vererzung mit einer Kupferkonzentration von bis 0,76 Prozent nachgewiesen wurde. (eso)

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