Die Johanniskirche besteht 140 Jahre

Das Jubiläum wird am morgigen Sonntag mit einem Gottesdienst in Sachsenberg-Georgenthal gefeiert. Ein Gemeindemitglied hat eine Ausstellung zur wechselvollen Geschichte gestaltet.

Klingenthal.

Ute Wohlrab hätte es nicht machen müssen, aber sie hatte das innere Bedürfnis, weil sie wie andere, vor allem Ältere in Sachsenberg, eine besondere Beziehung zu der St. Johanniskirche hat: "Hier wurde ich von Pfarrer Helmut Brenner konfirmiert und getraut. Hier habe ich meinen Glauben an Gott und Jesus Christus leben können", bekennt die 77-Jährige tief aus ihrem Inneren. Vor dem Altar fand sie Trost in schweren Stunden, erfuhr Mut, war das Gotteshaus ein wichtiger Teil in ihrem Leben. Deshalb hat Ute Wohlrab in den vergangenen Wochen und Monaten ungezählte Stunden nicht geopfert, sondern trotz vieler Mühe mit Freude und Dankbarkeit gefüllt, als sie sich hinsetzte, in Chroniken und Büchern forschte, eine Unmenge an Fakten, Dokumenten und Fotos zusammentrug. Das Ergebnis ist eine umfangreiche und interessante Ausstellung, die derzeit in der Kirche zu sehen ist. Dafür gebührt Ute Wohlrab ein großes Dankeschön.

Vom Gestern bis ins Heute - die Geschichte der St. Johanniskirche ist eine sehr wechselvolle. Kein Wunder, denn die 140 Jahre seit der Weihe 1880 reichen von der Kaiserzeit über zwei Weltkriege und die DDR-Epoche bis ins neue Jahrtausend, stets verbunden mit den Namen von Pfarrern wie etwa Karl-Heinz Schmidt von 1984 bis 1999, die maßgeblich das Leben in der Gemeinde prägten. Das älteste Dokument in der Ausstellung ist eine Bauzeichnung. Wer sie einst erstellte und wer sie wann später kolorierte, das konnte Ute Wohlrab leider nicht herausfinden. Fest aber steht: Sie ist ein wichtiges Unikat.

Anfangs zählte die Gemeinde 3498 Mitglieder. Den Weihegottesdienst am 7. November 1880 hielt der Diakonus von Klingenthal Paul Böhmer und erstmals erklang ein Jahr später die in Werdau gebaute Bärmig-Orgel. Sie wurde 1927 durch eine neue Orgel der Firma Hermann Eule aus Bautzen ersetzt. 1882 trat als erster Pastor August Elchlepp seinen Dienst an und versah ihn bis 1892. Aus dieser Zeit stammt auch das erste Kirchensiegel, ebenfalls zu sehen in der Ausstellung. Bis zum Jahr 1900 stieg die Zahl der Gemeindemitglieder auf 5067. Zum 25-jährigen Jubiläum der Kirche erhielt sie 1905 unter anderem einen neuen Innenanstrich, Buntglasfenster im Altarraum und in den Türen sowie aus der Werkstatt eines Plauener Stuckateur einen als Bogen gespannten Engelfries - noch heute ein Prunkstück in der St. Johanniskirche, wie auch das Gemälde "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen" aus dem Jahr 1908.

Ein markantes Ereignis in der Geschichte war am 18. September 1921 die Weihe neuer Glocken, gegossen von der Firma Lattermann & Söhne in Morgenröthe. Das alte Geläut hatte 1917 ebenso wie die Orgelpfeifen für Kriegszwecke eingeschmolzen werden müssen. In einem Dokument ist festgehalten, was Pfarrer Gerhard Braunschweig 1930 zum 50. Jubiläum sagte: "Das große Geschehen der Welt ist auch an unseren stillen Bergen und Waldtälern nicht spurlos vorübergegangen. Doch wir wollen den Kopf nicht hängen lassen. Damals, 1880, das Deutschland Bismarcks und heute ... Gott hat uns in eine andere Welt gestellt als unsere Vorfahren. Wir wollen aus seiner Hand die schweren Aufgaben, welche die Gegenwart uns bringt, nehmen und uns im Vertrauen auf seine Hilfe ans Werk machen." Die Gemeinde hatte damals 4995 Mitglieder.

Die Ausstellung vermittelt mit einer Vielzahl an Fakten, Dokumenten und Fotos anschaulich, wie wechselvoll die Geschichte der St. Johanniskirche auch in den DDR-Jahren verlief. Dank der Gemeindemitglieder konnten umfangreiche Baumaßnahmen vorgenommen werden, etwa bei der Neueindeckung des Daches 1976 mit Naturschiefer und im gleichen Jahr der Einbau des elektrischen Geläuts und des Uhrenaufzuges oder die Malerarbeiten 1980 im Kirchenschiff und im Altarraum anlässlich des 100. Weihetages. Seit 2006 ist Christoph Greiling Pfarrer in der Kirchgemeinde. Am 4. November 2012, als sich mit der Weihe neuer Glocken ein großer Wunsch der Gemeindemitglieder erfüllte, sagte er: "Sie rufen zum Gottesdienst, zum Gebet und zur Fürbitte. Sie verkünden die Zeit. Sie begleiten uns von der Taufe bis zur Bestattung und verkünden dabei die Herrschaft von Jesus Christus über alle Zeiten und unseren Ort hinweg."

Seit dem 1. Januar 2018 ist Sachsenberg mit Brunndöbra, Klingenthal und Zwota vereinigt zur Kirchgemeinde Klingenthal.

Ein Festgottesdienst zum Jubiläum beginnt am morgigen Sonntag um 9.30 Uhr. Gehalten wird er von Pfarrer Christoph Greiling.

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