Die Kirche ist zurück im Dorf

30 Jahre nach ihrem Einsturz wird morgen der Wiederaufbau der Wehrkirche Triebel gefeiert. Was die Macher antrieb.

Triebel.

Die Rentnerbrigade ist wieder da. So wie fast den halben Sommer, so wie an vielen Tagen in den vergangenen zehn Jahren. Aufgabe gestern: die Toiletten fertigstellen. "Gemalert werden muss noch", sagt Hartwig Keil, 74. Es sei eben wie bei jeder großen Eröffnung: Wenn vorne die Gäste eintreffen, räumen die Handwerker hinten gerade zusammen. Morgen wird alles fertig sein in und um die Wehrkirche Triebel. 30 Jahre nach ihrem Einsturz ist das Gebäude wieder aufgebaut. Vermutlich wird halb Triebel auf den Hübel überm Dorf strömen, um dieses Fest mitzufeiern.

Es ist das Fest einer großartigen Nach-Wende-Geschichte. Sie erzählt von einer Kirche, einem Land und seinen Menschen. Von Niedergang und Aufbruch. Am Anfang stand das Drama. Am 5. Juli 1988 stürzte der Kirchturm ins Dach des vernachlässigten Gotteshauses im Grenzgebiet. Ein Jahr später stürzte das System, das es soweit kommen ließ. Dann kam lange nichts. Die meisten Menschen hatten mit sich zu tun. Die Kirchenruine auf dem Berg über Triebel - sie lag da wie eine offene Wunde, die viele Einwohner schmerzte. Dem Ort fehlte sein Wahrzeichen. Nach der Jahrtausendwende packten die Triebeler das Thema an. 15 Jahre nach dem Einsturz errichteten sie einen Glockenträger neben der Ruine. "Es war der Startschuss", sagt Hartwig Keil rückblickend - auch wenn im Jahr 2003 an einen Wiederaufbau der Kirche noch keiner zu denken gewagt hatte. Der begann sechs Jahre später. Etappenweise arbeitete sich eine Truppe Ehrenamtler vor. "Als das Dach drauf war, hat jeder gesagt: Jetzt packen wir das. Da war wieder Elan da", erinnert Hartwig Keil an einen Meilenstein. Jetzt ist die Kirche fertig, letzte Bauetappe war der Einbau einer Empore seit Juli. "Es hätte von uns Älteren keiner geglaubt, dass wir das erleben."

Tausende Stunden ehrenamtliche Arbeit leistete eine Truppe um Fördervereinschef Udo Seeger. Ein Dutzend Helfer gehörte zum harten Kern, viele davon Handwerker. Auch jene, die gestern vor Ort waren: Hartwig Keil ist Schmied, Klaus Grabowy Elektriker, Alexander Schmidt hat als Schlosser und Heinz Gaupties als Maurer gearbeitet. Was die Männer antrieb und antreibt, ist die Liebe zu ihrem Ort. Die Kirche ist für sie vor allem Wahrzeichen und Denkmal. Pfarrer Hendrik Pröhl, der ebenfalls dem Förderverein angehört, betont deshalb auch die Rolle des Gebäudes als Gotteshaus. "Es geht nicht nur um die Ortsansicht", sagt er und übernimmt die Rolle eines Mahnenden, der sich für die Kirche als Ort der Einkehr und des Gebets stark macht. Schließlich sei sie nie als Gotteshaus entwidmet worden. Hendrik Pröhl ist aber nicht der Hausherr. Die Kirche gab das Gebäude an die Kommune ab - und damit auch die "geistliche Hoheit", wie es der Pfarrer nennt. Das Hausrecht liegt jetzt beim Förderverein. Er entscheidet, was geht und was nicht.

Die Wehrkirche Triebel ist deshalb ein besonderer Ort, dessen Nutzung von allen Seiten Respekt und Toleranz erfordert. Der Pfarrer traut hier Paare unter dem Jesus-Kreuz. Als Außenstelle eines Standesamtes kann in der Kirche aber auch bald ganz weltlich geheiratet werden. "Das ist eine Perspektive", sagt Triebels Bürgermeisterin Ilona Groß (parteilos), die die wiederaufgebaute Kirche vor allem als Bereicherung für ihren Ort betrachtet. "Ich bin froh und stolz, dass sie keine Ruine mehr ist."

Das Fest beginnt morgen um 14 Uhr. Es musizieren die Stadtkapelle Oelsnitz, der Julius-Mosen-Chor Marieney, es gibt Ponyreiten und Kinderschminken. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Schüler des Vogtlandkonservatoriums gestalten bereits heute ein Konzert. Es erklingen Werke von Vivaldi, Telemann und Mozart in der Kirche. Beginn ist 16 Uhr.

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