Die Welt von Astrid Lindgren

Einen vielfältigen Rundumschlag über das Schaffen der beliebten Kinderbuchautorin zeigt die neue Sonderausstellung auf Schloss Voigtsberg. Warum die Schau für groß und klein reizvoll ist.

Oelsnitz.

Die freche Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga, der nur Flausen im Kopf hat, Karlsson vom Dach oder Ronja Räubertochter - mit ihren Kindergeschichten ist Astrid Lindgren bekannt geworden und hat die Kindheit von vielen Menschen geprägt. Nun widmet sich das Schloss Voigtsberg mit einer neuen Sonderausstellung der schwedischen Erfolgsautorin.

Unter dem Motto Pippi, Michel, Ronja & Co wurde sie am Samstag eröffnet und zeigt einen vielfältigen Rundumschlag über das Schaffen der beliebten Schriftstellerin, deren Werke in mehr als 90 Sprachen übersetzt und verfilmt worden sind. Die Schau ist mehr als ein Abriss von Filmplakaten und Büchern. Sie zeigt verschiedene Illustrationen der Geschichten und verdeutlicht, wie sehr sich die Autorin in die Köpfe der Kinder denken konnte. Eine für die Ausstellung erstellte Wand mit Zitaten und Sprüchen offenbart die Gedankenwelt Astrid Lindgrens in dieser Hinsicht. Zu lesen sind Sprüche wie "Man kann in Kindern nichts herein prügeln, aber vieles heraus streicheln" oder "Ich habe Kinder immer mehr geliebt als Männer." Auch ein Thema sind ihre veröffentlichte Geschichten in der DDR. Nur vier Kinderbücher sind damals hier erschienen. Zwei Pippi-Langstrumpf-Veröffentlichungen, ein Buch zu Ronja Räubertochter und das Kinderbuch "Mio, mein Mio", welches sich gegenüber anderen Erzählungen literarisch deutlich abhebt. Auf einer Infotafel der Ausstellung heißt es: Die Werke Lindgrens konnten sich nur schwer gegen die strengen Kriterien der ostdeutschen Zulassungsbehörde behaupten. Insbesondere die freche und die unkonventionelle Figur Pippi Langstrumpf galt in der Verlagspolitik der DDR als umstritten. Wie die Oelsnitzer Museumspädagogin Tina Pallas erklärt, wurden die Bücher damals aus politischen Gründen gekürzt oder leicht umgeschrieben.

Den DDR-Bezug haben die Mitarbeiter der Oelsnitzer Kultur-Gesellschaft mit eingebracht. Darüber freut sich besonders Christian Blum aus Oldenburg, dessen Bruder Matthias der Initiator der Ausstellung ist. Christian Blum sagte am Samstag: "Die Ausstellung gibt es seit 20 Jahren. Am 14. November 1997, zu Astrid Lindgrens 90. Geburtstag, fiel der Startschuss. Seit dem sind wir mit der Schau in ganz Deutschland unterwegs. Aber diesen Ost- Aspekt gab es noch nie. Das wertet alles nochmals auf." Auch ausgestellt ist ein Schal, den einst Astrid Lindgren trug. Filmausschnitte und zahlreiche Zeichnungen von unterschiedlichen Illustratoren, zum Beispiel der Künstlerin Regine Heinecke, die Ronja Räubertochter illustrierte, sind zu sehen. Beleuchtet wird auch Astrid Lindgrens Rede, als sie 1978 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhielt. Mit dem Motto "Niemals Gewalt!"forderte sie eine gewaltfreie Erziehung von Kindern. Besondere Hingucker sind der Nachbau des Piratenschiffes und Flugzeuges aus dem Film "Pippi in Taka-Tuka-Land".

Unter den Gästen am Samstag waren Sylvia Michel aus Plauen und ihr Sohn Felix (18). Sie meint: "Die Geschichten habe ich meinen Sohn oft vorgelesen. Für mich als Sprachlehrerin ist es besonders interessant zu sehen, in wie vielen Sprachen die Geschichten übersetzt wurden. Für Kinder ist die Ausstellung was tolles, denn sie werden hier interaktiv an die Literatur herangeführt." Sohn Felix meint: "Pippi Langstrumpf oder der Michel sind zwar gute Geschichten, aber Ronja Räubertochter oder die Brüder Löwenherz haben mich durch ihren mythischen Aspekt mehr fasziniert".

Da der Eintritt für Kinder unter sechs Jahren kostenlos ist, sind insbesondere die vogtländischen Kindergärten aufgerufen, nach Oelsnitz zu kommen, um sich den Geschichten von Astrid Lindgren zu nähern.

Die Ausstellung ist bis 10. September zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 11 Uhr bis 17 Uhr.

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