Ein Dorf steht fest zusammen

Lottengrün feierte am Wochenende das 750-jährige Bestehen. Schon der Auftakt der Feierlichkeiten am Freitag sorgte für Begeisterung bei den Einwohnern.

Lottengrün.

Schon am Freitag, als der Auftakt der 750-Jahr-Feier im vollen Festzelt am Dorfteich über die Bühne ging, herrschte in Lottengrün pure Euphorie. Denn für den Abend hatte man sich was ganz Besonderes einfallen lassen. Mit Schauspieleinlagen, Sketchen und Bildern wurde umfangreich auf die Geschichte des Ortes zurückgeblickt. Dabei traten Petra Adler und Ronny Tenner in einer schier unnachahmlichen Art und Weise als Moderations-Duo Grüne Lotte und Lotterich in Erscheinung. Mit einer gehörigen Portion vogtländischer Schlagfertigkeit machten die beiden einen mit Fotos gezeigten bildhaften Rundgang durch den Ort.

Dabei zeigte sich, dass Lotten-grün scheinbar einst das Zentrum der heutigen Gemeinde Tirpersdorf war - mit Industrie, Landwirtschaft sowie Handel und Gewerbe. Dazu zählte zum Beispiel der Kartoffelanbau, der erstmals 1675 urkundlich erwähnt ist. Es gab fünf Wirtshäuser, eine Stickerei, eine Poststelle und einen Männerchor. Durch die Voigtländische Staatseisenbahn hatte Lottengrün ab 1865 Anschluss an die Welt. Im preußisch-österreichischen Krieg 1866, bei dem Sachsen Gegner von Preußen war, rollten am 18. und 19. Juni 1866 insgesamt 140 Lokomotiven und 5000 Wagen durch Lottengrün, und wurden zunächst nach Böhmen in Sicherheit gebracht. Eine Anekdote, die sicherlich die wenigsten wussten.

"Die Loks wären Kriegsbeute gewesen", sagt Gert Trippner. Der Lottengrüner ist Mitglied der Chronikgruppe, die Themen ausarbeitete, und für das Ortsjubiläum eine umfangreiche Fotoschau erstellte. Dabei stieß er auf Geschichten die er selbst noch nicht kannte.

Einige der Dorfgeschichten, die am Freitagabend wieder aufgerollt wurden, hat eine Schauspielgruppe in Szene gesetzt. Mit Witz und viel Humor wurde zum Beispiel an eine männliche Synchronschwimmgruppe erinnert, oder an einem Doppelmord im Jahr 1878, dem der Wirt und seine Frau zum Opfer vielen.

Das die Einwohner auch in schwierigen Momenten zusammenhalten wurde ebenfalls verdeutlicht. Besonders bei Brandkatastrophen oder dem Hochwasser in den Jahren 2002, 2006 und 2013 rückte man zusammen. "Wenn es drauf ankommt, hält man im Dorf zusammen, das hat man auch während der Vorbereitungen auf das Fest gemerkt", weiß Gert Trippner.

Diesen Zusammenhalt lobte auch Brigitte Tenner. Mit Blick auf die ebenfalls anstehende 750-Jahr-Feier von Droßdorf (so wie Lottengrün ebenfalls ein Ortsteil der Gemeinde Tirpersdorf) sagte sie: "Die Messlatte wurde heute Abend sehr hochgelegt. Es ist unglaublich, welche Mühe sich alle gegeben haben. Die Darsteller, die Geschichten und die Bilder, einfach großartig".

Die 66-Jährige lebt seit ihrer Geburt in Lottengrün. An einige der dargestellten Geschichten kann sie sich noch erinnern. Zum Beispiel an die Eisenbahn. "Ich bin vor 50 Jahren, während meiner Ausbildungszeit zur Medizinisch-technischen Assistentin, von Lottengrün immer mit dem Zug nach Zwickau gefahren. Damals haben die Bahnmit- arbeiter den Zug auch mal warten lassen, falls man etwas zu spät am Bahnhof auftauchte. Das gibt es heute wohl nirgendwo mehr."

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