Ein Faible für Antikes

Hausrat, Schmuck, Spielzeug: Seit 25 Jahren bietet Kathrin Voigt in Oelsnitz schöne alte Dinge aus der Vergangenheit an und lebt damit ihr eigenes Leben.

Oelsnitz.

Mitunter gibt es in einer Biografie jähe Wendungen und erst im Nachhinein zeigt sich, wofür sie gut gewesen sind. Zeigt der Pfeil nach unten, ist es besser, den Kopf nicht in den Sand zu stecken und sich entmutigen zu lassen, sondern einen neuen Weg zu gehen. Auch Kathrin Voigt, von Hause aus Bekleidungsingenieurin mit Diplom, hat sich davon leiten lassen: "Ich habe in der Plauener Damenkonfektion in der Erzeugnisentwicklung gearbeitet. Mit der Wende wurde das nicht mehr gebraucht und ich musste mich umorientieren. Mein Hobby wurde zu meinem neuen Beruf und ich habe mich am 1. Dezember 1991 mit einem Antikhandel selbstständig gemacht."

Es braucht nicht viele Worte, denn das Glitzern in ihren Augen reicht aus, um ermessen zu können, wie froh und glücklich sie über diese Entscheidung bis heute ist, denn damit lebt sie ihr eigenes Leben und bereitet auch anderen Glück. Wer zu ihr in die Wilhelm-Külz-Straße kommt, den sieht Kathrin Voigt nicht in erster Linie als einen Kunden an, sondern in den meisten Fällen als einen Freund - einen Gleichgesinnten im Geiste und Lebensstil. Nicht ganz so üppig wie in den Ladenräumen, aber vom Prinzip her hat sich die 53-Jährige auch in ihrer Wohnung mit alten Dingen umgeben: von den Möbeln bis hin zu vielen Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs und/oder und einfach, damit das Auge sich daran festhalten und erfreuen kann.

Heutzutage gibt es Sperrmüllcontainer, die man bestellen und auf diese Weise nicht mehr gebrauchte Sachen entsorgen kann. Früher passierte das in der Nähe von vielen Orten auf der sogenannten Huhle. Ein Ort für die Vergangenheit, für den Abschied, für die Erleichterung einerseits, eine wahre Fundgrube andererseits, weil kein Müllplatz. "Mit meinem Vater bin ich da schon als Kind oft zum Stöbern unterwegs gewesen. Alte schöne Dinge haben mich schon immer fasziniert und ich fand es schade, wenn sie verloren gehen. Sie haben eine Seele und können Geschichten erzählen", sagt Kathrin Voigt.

Was als Umorientierung mit einem Second-Hand-Shop begann, das ist mittlerweile eine feste Adresse für jene geworden, die so "ticken" wie Kathrin Voigt und nicht in erster Linie als ein Schnäppchenjäger kommen, sondern oft einfach nur auf eine Tasse Kaffee und einen Plausch in einen mit viel Liebe und nicht zuletzt angelesener und angelernter Kompetenz geführten Antikhandel. Die Bestände füllt Kathrin Voigt aus Ankäufen, Nachlässen und Haushaltsauflösungen auf - egal, ob Spielzeug, Schmuck, Hausrat oder Kunst. Nur alt muss es sein, gut erhalten und "eine Seele haben". Mittlerweile weiß sie, dass Stammkunde A daran Freude hat und Stammkunde B daran.

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