Ein Fest besonderer Momente

Beim 54. Internationalen Instrumentalwettbewerb Markneukirchen geht der 1. Preis im Fach Violoncello nach Südkorea. Daneben wurde das spezielle Glück gesucht - und gefunden.

Markneukirchen.

Abwegig, meint manch Obervogtländer knurrend über das, was er nicht schon ewig kennt. In solche Lesart ordnet sich bisweilen in einigen Oberstübchen auch der Internationale Instrumentalwettbewerb Markneukirchen ein. Dass die 54. Auflage im Fach Violoncello einen 1. Preisträger (YeongKwang Lee, Südkorea) ebenso sah wie den nach Jury-Urteil 2. Preisträger Friedrich Thiele aus Deutschland und den Schweden Daniel Thorell als 3. Preisträger - das waren die Fakten, die seit dem Orchesterfinale am Freitagabend feststanden. Doch: Der Wettbewerb ist nicht allein an den Jury-Entscheidungen erzählt. Er ist mehr, und genug davon bot am Samstag das Preisträgerkonzert.

Es enthielt ein großes, in vielen verschiedenen Tönen gesprochenes Plädoyer mit der gemeinsamen Botschaft: Lasst Euch darauf ein! Auf die besonderen Momente, auf das Unbekannte, Überraschende. Wer am Samstag in der Musikhalle saß - nach dem sehr gut besuchten Cello-Finale war die Gästezahl zum Abschluss ausbaufähig - hörte von mehreren besonderen Momenten.


Auftritt 1: Bürgermeister Andreas Rubner, der stolz ein Instrument nach oben reckte. "Meine erste Geige" - nein, nicht das Premieren-In-strument im gesetzten Alter des ehemaligen Cello-Schülers Rubner (vor 55 Jahren), sondern das Ergebnis eines Projekts am Riedelhof Eubabrunn. Fünf "Erbauer" aus Brasilien, dem Iran, Südafrika, Syrien und Südkorea schufen unter Regie der Geigenbaumeisterin Dorothea von der Woerd ein spielbares Instrument, das nun als Leihgabe am städtischen Gymnasium im Einsatz sein wird.

Auftritt 2: Der besondere Moment von Oliver Schenk, Sachsens Staatskanzleichef: Markneukirchen den anderen vielen Terminen am Samstagabend vorgezogen und gleich viele Argumente für die Musikpflege in der Familie gesammelt. "Ich kann selber kein Instrument spielen, aber meine Aufgabe ist, sonntags meine Enkelin zum Üben zum animieren", erzählte er. Denn: Wer nach Markneukirchen will, der muss viel üben. Schon die Zulassung zum Wettbewerb ist für junge Musiker - ein besonderer Moment.

Auftritt 3: Jedem Rapsfeld wohnt ein Zauber inne. Wettbewerbspräsident Thomas Selditz landete bei seinem Samstagsspaziergang inmitten solch einer Explosion von Knallgelb und betörendem Duft. Ein besonderer Moment, sich zu verlieren - was dem Bratscher immer wieder in der Musik passiert. "Dieser Nachmittag, diese zehn Tage hier haben mich verändert", meinte Selditz freudig, als gestandener Musiker in seinem ersten Wettbewerb als Chef in Markneukirchen viel gelernt zu haben.

Und das Publikum? Es hatte seinen Moment mit der Verleihung des Publikumspreises an Friedrich Thiele, durfte seine Momente in sehr unterschiedlichen Musikstücken suchen oder sich freuen, wer als Handwerker, Sponsor oder Helfer alles hinter dem Wettbewerb steht. Die besonderen Momente zu finden, die für andere Abwege sein mögen: Markneukirchen macht's möglich.

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