Ein Floßgraben als Sträflingsarbeit?

Fast rund um den Hirschberg bei Zwotental führte einst ein Graben. Angelegt haben soll ihn ein ver- urteilter Schwerverbrecher. Über seine Bedeutung gehen die Meinungen auseinander.

Zwotental.

Über knapp zwei Kilometer zieht sich am Hang des Hirschberges bei Zwotental ein Graben entlang. Stellenweise ist er noch gut erkennbar. Er beginnt im Bereich der sogenannten Faulen Wiese und führt zum Tal des Eberbaches.

Klaus Berndt, der inzwischen 83-jährige Wanderführer und Naturschutzhelfer hat sich wieder mit der Geschichte der Anlage beschäftigt. Aufmerksam geworden war Berndt wiederum durch den Klingenthaler Heimatkundler und Naturforscher Friedrich Jaeger. Der hatte dazu schon im Februar 1954, in der ersten Ausgabe des "Kulturboten für den Musikwinkel" einen Beitrag darüber verfasst.

Den Hinweis auf den Mördergraben, wie er im Volksmund heißt, bekam Jaeger von einem Gunzener Bauern mit Namen Kurt Ebner, der 1954 schon über 70 Jahre alt war. Dieser war selbst auf den Graben aufmerksam geworden, und hatte versucht, Licht in das Dunkel der Vergangenheit zu bringen.

Was er fand, waren Überlieferungen, wonach es ein verurteilter Schwerverbrecher war, der das Bauwerk anlegte. Statt im Kerker zu schmachten, arbeitete er an frischer Luft. Nur Handwerkszeug soll er für seine Arbeit bekommen haben. Durch sumpfiges Gelände und den dichten Wald trieb er den Bau voran, musste die Bäume selbst fällen, die Stöcke roden und den Graben schachten. Gut 12 Jahre soll er gebraucht haben.

"Da bisher noch keine Urkunden über diese Sträflingsarbeit bekannt geworden sind, kann das Alter nur mutmaßlich bestimmt werden", konstatierte Jaeger 1954. Er vermutete, dass der Graben in Zusammenhang mit der Flößerei im Schwarzbach und der Weißen Elster angelegt worden sei.

Die Faule Wiese war ursprünglich Teil der Wasserscheide zwischen der Weißen Elster und der Eger. Die Torflager wiesen eine Mächtigkeit bis zu einem Meter auf. Das sumpfige Gebiet eignete sich auch in trockenen Zeiten als Wasserreservoir. In der Faulen Wiese fand Jaeger vor fast 70 Jahren keine Hinweise, dass es dort einen Floßteich gegeben haben könnte. Der kleine Teich westlich der Kärrnerstraße, den Jaeger in der Karte vermerkte, dürfte mit dem Graben nichts zu tun haben.

Der sogenannte Schwarze Teich wurde aus Sicht von Jaeger einst als Floßteich angelegt. Dieser hat allerdings über den Hackerbach einen recht schwachen Zulauf. Eine Zuleitung von Wasser aus der Faulen Wiese konnte da Abhilfe schaffen. Der Graben weist auf seine Länge von knapp zwei Kilometern ein Gefälle von 20 Metern aus. Zum Flößen selbst scheint er aber nicht verwendet worden zu sein.

Unterhalb vom Schwarzen Teich nimmt der Hackerbach noch das Brückelewasser auf, speist heute das Waldbad Breitenfeld und fließt in den Ebersbach, der unter anderen über den Grünen Teich gespeist wird. In Siebenbrunn mündet der Ebersbach in den Schwarzbach. An dessen Oberlauf in der Landesgemeinde sorgten zwei Teiche für nötige Wasser zum Flößen des Holzes, wobei der Hintere Floßteich bereits aus dem Jahr 1581 stammt. Das Holz aus der Landesgemeinde wurde damals bis nach Leipzig und Halle transportiert.

Ob das Wasser aus dem Schwarzen und Grünen Teich bei Zwotental der Unterstützung der Flößerei im Schwarzbachtal diente, dazu fehlen die Unterlagen. Klaus Berndt ist skeptisch, was diese These betrifft: "Vielleicht diente das Wasser aus dem Mördergraben auch der Versorgung von Meilerstätten, die es dort mit Sicherheit gegeben hat".


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