Die Uhr mit der eleganten weißen Frau wurde komplett saniert. Zur Freude vieler, vor allem des letzten lebenden Initiators aus dem Trio, das vor 25 Jahren die Persiluhr ins Stadtbild zurückgeholt hat.
Gottfried Schnauder muss gar kein Wort sagen. Sein Gesicht drückt stille Freude aus: Der 89-jährige Oelsnitzer sitzt auf einer Bank am Heppeplatz und schaut am Sonntagnachmittag auf die frisch sanierte Persiluhr. Nur einen Steinwurf entfernt von der Stelle, an der Schnauder vier Jahrzehnte Gerbermeister mit Leib und Seele war, hat eine neue Initiative den Staffelstab für die Persiluhr übernommen. Sie knüpft an den Einsatz von Schnauder und seinen beiden verstorbenen Freunden aus dem Konfirmationsjahrgang 1949 an. Mit Friedemann Schuster (1935 bis 2020), Lothar Schimmack (1934 bis 2024) und Gottfried Schnauder war es ein Trio von Ur-Oelsnitzern, das die Persiluhr zurück in die Stadt holte. Ein Vierteljahrhundert ist das her. Inzwischen hatte am Werbeträger sichtbar der Zahn der Zeit genagt.
Es war höchste Zeit zum Handeln
„Es sah so aus, als wenn das Kleid der weißen Frau schon Mottenfraß hat“, sagt Peter Plaumann, der die Arbeiten an der Persiluhr koordinierte. Es ging um nichts weniger, als das Kleinod zu erhalten. Kein stadtbildprägendes Gebäude wie Schloss oder Rathaus. Aber ein Wahrzeichen, gerade im Stadtbild-Dreiklang mit Zoephelschem Haus und Jakobikirche. „Wenn wir jetzt nicht anfangen zu sanieren - in 10, 15 Jahren brauchen wir es nicht mehr zu machen“, betont Plaumann. Der Gedanke, sich der Persiluhr anzunehmen, wurde in der Ideenwerkstatt der Freien Oelsnitzer Bürgerschaft (FOB) geboren. Hier können sich die gut drei Dutzend FOB-Mitglieder einbringen - die Arbeit der FOB erschöpft sich nicht auf die sieben Stadträte, die die Wählervereinigung stellt. Die Oelsnitzer holten viele ortsansässige Firmen ins Boot, die mitunter nur für ein Dankeschön und einen Händedruck mithalfen. „Das ist eine richtig gute Truppe geworden“, freut sich FOB-Chef Björn Fläschendräger. Auch konnte Geld eingesetzt werden, das noch aus der Zeit vor 25 Jahren zur Persiluhr bei der Stadt lag. Es bleibt eine kleine Summe übrig, die auf das Konto der neuen Oelsnitzer Bürgerstiftung geht, erklärt Plaumann.
Einmal komplett saniert
Es war ein Komplettprogramm, das die Persiluhr erhielt: Acryl-Glasplatten, Folien, Außenanstrich, die komplette Elektrik, die Zifferblätter. Statt der Beleuchtung mit Neonröhren wurde LED-Technik eingebaut, die Uhren ticken synchron, das Gehäuse ist so abgedichtet, damit möglichst kein Wasser eindringt. Die Außenanlagen erhielten ebenfalls eine Kur. Doch auch nach dem Abschleifen haben die Sitzbänke nicht das ewige Leben, schätzt Fläschendräger ein und würde sich freuen, wenn es für sie städtischerseits in absehbarer Zeit Ersatz gibt. Höhepunkt der kleinen Feier bei Kaffee und Kuchen am bisher heißesten Tag des Jahres: Das verhüllende Tuch, extra von einer einheimischen Firma genäht, wurde gemeinsam mit etwas Mühe von der Persiluhr gezogen.
Früher ein Treffpunkt für Verliebte
Was die alte Persiluhr (1928 bis 1950-er Jahre) in Oelsnitz einst war, davon können nur noch Zeitzeugen wie Gottfried Schnauder erzählen. Ein Treffpunkt für Verliebte. Meint es die Angebetete ernst und ist pünktlich zum ausgemachten Stelldichein? Das ließ sich mit der Persiluhr gleich prüfen, erinnerte sich Schnauder. 1962 musste die alte Persiluhr, ergraut und für politische Losungen zweckentfremdet, beim Abriss der Häuser an dieser Heppeplatz-Ecke einer veränderten Verkehrsführung weichen. Als 1999 bei der Goldenen Konfirmation von Schnauder und seinen Freunden die Idee für eine Rückkehr der Persiluhr aufkam, dachten die Oelsnitzer noch an einen Nachbau. Doch es kam noch besser: Der Henkel-Konzern in Düsseldorf, der die gut zwei Dutzend Persiluhren in Deutschland aufstellte, war vom Engagement der Vogtländer so beeindruckt, dass er der Stadt eine neue Uhr im Wert von 100.000 Mark spendierte. Friedemann Schuster rührte intensiv die Werbetrommel. Sogar ein Lied über die Oelsnitzer Persiluhr entstand, auf CD gepresst und bis heute in der Touristinfo zu haben. Wenn Björn Fläschendräger resümiert, das Engagement gehe an die nächste Generation über, nickt Gottfried Schnauder zustimmend. Die Persiluhr ist in Oelsnitz in guten Händen. (hagr)






